70-Tonnen-Trafos für die Ukraine

Die Stuttgart Netze spendet drei Transformatoren für die Region Kiew. Die Geräte waren bisher für die sichere Stromversorgung der Innenstadt zuständig, wurden nun aber ausgetauscht.

Die Trafos werden auf Lkw-Anhängern befestigt. Sie haben einen weiten Weg vor sich.

© Lichtgut/Leif Piechowski

Die Trafos werden auf Lkw-Anhängern befestigt. Sie haben einen weiten Weg vor sich.

Von Jürgen Brand

Stuttgart - Strom wiegt nichts, aber damit er fließen kann, braucht es manchmal richtig schweres Gerät. Dieser Tage machen sich mitten aus Stuttgart heraus nach und nach drei Schwertransporte auf einen weiten Weg. Geladen haben sie jeweils einen 70 Tonnen schweren Trafo. Die sollen in ein paar Wochen mithelfen, die Stromversorgung für rund 50 000 Menschen in der Ukraine irgendwo in der Nähe von Kiew zu sichern. Wohin genau sie gebracht werden, wird nicht verraten, sie sollen nicht zu Zielen des russischen Angriffskrieges werden.

In den vergangenen mehr als 50 Jahren haben die drei Trafos im Umspannwerk Marienstraße gestanden und mit für eine sichere Stromversorgung in der Stuttgarter Innenstadt gesorgt. Jeder der Leistungstransformatoren hat 40 000 Kilowatt, auf der einen Seite kommt Hochspannung mit 110 000 Volt rein, auf der anderen Seite geht Mittelspannung mit 10 000 Volt raus. In den 24 Stuttgarter Umspannwerken sind 50 solcher Trafos im Einsatz. Nach etwa einem halben Jahrhundert werden sie ausgetauscht.

Das ist in der Marienstraße in den vergangenen Jahren geschehen, dort arbeiten inzwischen drei neue Verteilnetztransformatoren in einem neuen Gebäude. Die Trafos, die jetzt in die Ukraine gebracht werden, haben ihre „Lebensdauer“ aber längst nicht erreicht. „Die drei waren nie an der maximalen Auslastung“, sagt Harald Hauser, Technischer Geschäftsführer der Stuttgart Netze. Deswegen hat der Stuttgarter Netzbetreiber die drei Schwergewichte jetzt für die Ukraine gespendet.

„Als Betreiber des Stuttgarter Stromnetzes wissen wir, wie wichtig zuverlässige Betriebsmittel für die sichere Versorgung sind“, sagt Hauser. „Deshalb haben wir großen Respekt vor dem, was die ukrainischen Spezialisten in der Elektrizitätsversorgung derzeit leisten müssen. Wir sind sehr froh und glücklich, dass wir mit der Spende unserer Trafos nun dabei helfen können, die Stromversorgung in den betroffenen Gebieten wieder herzustellen.“

Schon seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine gibt es die Deutsch-Ukrainische Energie-Partnerschaft. Das Energieministerium der Ukraine stellt in diesem Rahmen regelmäßig zusammen, was dort gerade für die Energie- und Wärmeversorgung benötigt wird. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) leitet diesen Bedarf im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz an Unternehmen aus den jeweiligen Branchen weiter und bittet um passende Spenden. Auf einen solchen Aufruf hin hatte sich die Stuttgart Netze bei der GIZ gemeldet. Die wiederum musste erst einmal prüfen, ob die Transformatoren in das ukrainische Netz passten. Üblicherweise wird eher von 110 000 auf 20 000 Volt umgespannt, die 10 000 Volt sind „eine Stuttgarter Spezialität“, so Harald Hauser – und historisch begründet. Als das geklärt war, organisierte die GIZ den Transport.

„Insgesamt konnten wir bisher im Rahmen der Deutsch-Ukrainischen Energiepartnerschaft 500 000 Menschen in der Ukraine unterstützen, wieder Zugang zu Energie zu erhalten“, sagt Miriam Faulwetter. Die Programmleiterin bei der GIZ war für die Übergabe eigens nach Stuttgart gekommen. Die Co-Leiterin der Energiepartnerschaft, Yulia Rybak, überbrachte den Dank des ukrainischen Energieministers, der sich deswegen eigens am Mittwoch noch einmal bei ihr gemeldet hatte. „Der Energieminister ist sehr dankbar“, sagte sie. Die Situation in der Ukraine sei sehr herausfordernd, immer wieder gebe es kurzzeitige Stromausfälle. „Deswegen sind die Spenden extrem wichtig.“

Wenn alle drei Trafos aus dem Umspannwerk Marienstraße abtransportiert sind, kann dort mit dem Rückbau des bisherigen Gebäudes begonnen werden. Neu bebaut wird die Fläche dann aber erst in etwa einem halben Jahrhundert wieder, wenn die jetzt neuen Trafos ausgetauscht werden müssen.

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Erstellt:
21. Mai 2024, 22:06 Uhr
Aktualisiert:
22. Mai 2024, 22:00 Uhr

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