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80-jähriger Serienbankräuber verurteilt

dpa/lsw Hechingen. Zehn Jahre lang hielt ein Serienbankräuber die Polizei in Atem, bis die Beamten ihn im Mai schnappen konnten. Das Überraschende: Der Mann wurde erst im hohen Alter zum Verbrecher, die letzte Tat beging er als 80-Jähriger. Nun muss er für mehrere Jahre in Haft.

Der Angeklagte (r) geht mit seinem Rechtsanwalt zur Anklagebank. Foto: Tom Weller/dpa

Der Angeklagte (r) geht mit seinem Rechtsanwalt zur Anklagebank. Foto: Tom Weller/dpa

Mit Banküberfällen die Rente aufbessern? Ein 80-Jähriger ist dafür am Donnerstag vom Landgericht Hechingen zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt worden. Der hochbetagte Angeklagte aus Kirchzarten bei Freiburg hatte bereits zu Beginn des Prozesses gestanden, zwischen 2009 und 2019 mehrere Banken unter anderem in Villingen-Schwenningen und Rastatt überfallen zu haben. Anfang Mai wurde er nach einem Überfall in Balingen (Zollernalbkreis) verhaftet.

Der Mann ging bei seinen Überfällen immer nach einem ähnlichen Schema vor: Er betrat die Banken mit einer Bombenattrappe und überreichte den Mitarbeitern ein Schreiben, in dem er Geld forderte. In drei Fällen kamen die Angestellten dem nach.

Die Überfälle hätten für die Bankangestellten zum Teil gravierende Folgen gehabt, sagte der Vorsitzende Richter Hannes Breucker in seiner Urteilsbegründung. Sie hätten Todesängste erlitten, einige von ihnen kämpften mit Angstzuständen und Alpträumen. Beim ersten Überfall im Jahr 2009 in Villingen-Schwenningen habe der Senior zwei Bankangestellte dazu gezwungen, die täuschend echt aussehenden Attrappen in den Taschen ihrer Jacketts zu tragen. „Das ist unerträglich“, sagte Breucker zu dem 80-Jährigen. „Und wir denken, das hätte Ihnen auch bewusst sein müssen.“

Für den Angeklagten habe unter anderem sein umfassendes Geständnis gesprochen sowie die Tatsache, dass er zuvor noch nicht straffällig geworden sei. Der Fall weise Besonderheiten auf, sagte Breucker. Wegen des langen Tatzeitraums von zehn Jahren und auch wegen des Alters des Angeklagten - und der Wandlung eines unbescholtenen Bürgers zum Verbrecher mit 70 Jahren. „Das ist etwas ganz Besonderes und auch Bedrückendes.“

Das Gericht folgte beim Strafmaß wegen schwerer räuberischer Erpressung der Forderung des Staatsanwalts. Dieser sagte zuvor in seinem Plädoyer, die Überfälle hätten dem Mann dazu gedient, seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Als Rentner müsse man aber Abstriche machen, wenn die Einnahmen geringer würden. Der Angeklagte habe jedoch beschlossen, sie durch die Raubzüge zu erhöhen: „Hier haben Sie eine fatale Fehlentscheidung getroffen.“

Der 80-Jährige hatte in einer Stellungnahme von „Panikaktionen eines Amateurs“ gesprochen. Das nahm ihm der Staatsanwalt nicht ab. Vielmehr habe der Mann die Überfälle akribisch geplant und durchgeführt und sei dabei ruhig und souverän vorgegangen. Dass der Angeklagte sich bemüht habe, keinerlei Gewalt gegen andere auszuüben und die psychische Gewalt so gering wie möglich zu halten, könne er ihm ebenfalls nicht glauben.

Der Verteidiger hatte in seinem Plädoyer keine konkrete Zahl genannt, sich aber für einen kürzeren Zeitraum ausgesprochen. Er warb dabei um Verständnis für seinen Mandanten: „Wie hoffnungslos muss jemand sein, der 70 Jahre lang unbescholten war und dann durch Bankenkrisen und Fehlspekulation plötzlich vor dem Nichts steht - und keinen anderen Ausweg sieht, als Verbrecher zu werden?!“

Der Angeklagte bedauerte zum Abschluss des Prozesses seine Taten. „Ich habe große Fehler gemacht und stehe dazu“, sagte er. Es betrübe ihn sehr, dass er die Situation der Bankangestellten nicht bedacht habe. „Ich hatte nie vor, jemandem Gewalt anzutun oder irgendwie zu beschädigen.“

Sowohl der Staatsanwalt als auch der Verurteilte gaben nach dem Urteil an, keine weiteren Rechtsmittel einlegen zu wollen. Das Urteil ist damit rechtskräftig.

In der Kriminalstatistik fallen Banküberfälle unter die Raubdelikte. Der Anteil von Tatverdächtigen über 60 Jahren ist dort nach Angaben des Landeskriminalamts gering: Seit 2014 lag er in Baden-Württemberg jeweils zwischen 1 und 2 Prozent. Zum Vergleich: Bei Brandstiftungen waren 2018 knapp 20 Prozent der Tatverdächtigen älter als 60. Bei Sachbeschädigungen waren es rund 7 Prozent. Insgesamt sind 7,5 Prozent der Verdächtigen aller Straftaten Senioren.

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Erstellt:
24. Oktober 2019, 16:18 Uhr

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