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„Ab hier wird’s jetzt richtig aufwendig“

Sanierung der Kreisstraße von Murrhardt nach Karnsberg: Baustellenbesuch beim aktuell größten Projekt im nördlichen Kreisgebiet

Es ist kein Lifting, sondern eine Generalüberholung: Die Kreisstraße1806 von Murrhardt nach Karnsberg wird seit Juni grundlegend instand gesetzt. Nach einem Projekt bei Berglen ist es aktuell die zweitumfangreichste Maßnahme des Plans, den der Landkreis für die Jahre 2018 bis 2022 aufgesetzt hat und nach und nach abarbeitet. „Wir sind froh, so auch den Murrhardter Raum unterstützen zu können“, sagt Karsten Klein, Leiter des Bereichs Planung und Bau beim Kreisstraßenbauamt.

Ein Team der Firma Leonhard Weiss bei der Arbeit auf der Strecke der Kreisstraße1806 von Murrhardt nach Karnsberg zwischen den Tennisplätzen und dem Wald. Ein wichtiger Punkt der Sanierung ist die Verbreiterung der Fahrbahn. Fotos: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Ein Team der Firma Leonhard Weiss bei der Arbeit auf der Strecke der Kreisstraße1806 von Murrhardt nach Karnsberg zwischen den Tennisplätzen und dem Wald. Ein wichtiger Punkt der Sanierung ist die Verbreiterung der Fahrbahn. Fotos: J. Fiedler

Von Christine Schick

MURRHARDT. Karsten Klein macht einen Besuch auf der Baustelle. Dass die Kreisstraße1806 die Sanierung nötig hat, steht für ihn außer Frage. An den Rändern gab es zahlreiche Seitenabbrüche, hinzu kamen viele Längsrisse. Aber auch die Fahrbahnbreite ist für heutige Verhältnisse an manchen Abschnitten viel zu schmal. Sie steht beispielhaft dafür, dass in dieser Hinsicht bei den Kreisstraßen weiterhin Nachholbedarf besteht – insbesondere im Raum Murrhardt.

Am unteren, ersten Teil der Strecke, ab der Kreuzung zur Siegelsberger Straße, sieht es schon richtig gut aus. Die Entwässerung ist erneuert, Breitbandleerrohre sind mitverlegt, etwas weiter oben ist die Decke noch in abgefrästem Zustand, aber auch dort ist das Grundsätzliche schon erledigt. Nach den Tennisplätzen des TC Murrhardt bei Beginn des Waldes wandelt sich das Bild allmählich. „Ab hier wird’s jetzt richtig aufwendig“, sagt Karsten Klein. Es müssen 19 Schächte gesetzt und die Entwässerung neu aufgebaut werden. In den Kurven muss das Wasser über die tiefer liegende Seite abgeleitet werden. Befindet sich die Straße in der Geraden, kann es schon mal nötig sein, es zu beiden Seiten abfließen zu lassen, sprich eine Entwässerung links und rechts einzurichten, erläutert Karsten Klein. Die sorgfältige Umsetzung hat mit der Zunahme von Starkregen an Bedeutung gewonnen, gehört aber aus weiteren Gründen zum Standard. Zwar ist nach Sanierung der Straße die Abdichtung auf dem neuesten Stand, aber nicht gut abgeleitetes Wasser läuft Gefahr, der Straße irgendwann zu schaden. Dringt es später bei kleineren Rissen ein, gefriert es im Winter und stresst das Material entsprechend.

Auf der Strecke im Wald kommen weitere Punkte hinzu: Die Fahrbahn muss verbreitert werden, sie ist deutlich schmaler auf diesem Abschnitt. Karsten Klein steht mit Polier Hartmut Meiser auf der Höhe, auf der dieser und seine Kollegen von der Firma Leonhard Weiss die Ränder schon aufgebaut haben. Die Breite wird künftig 5,50 Meter sein, in den Kurven 6,50 Meter. „Vor allem in den Kurven müssen wir deutlich aufweiten“, sagt Hartmut Meiser. Karsten Klein nickt. Die Maßnahme steht letztlich vor allem unter der Überschrift Verkehrssicherheit. „Im Kreisgebiet haben eine Reihe von Straßen diesen Standard noch nicht, insofern sind wir jetzt dankbar, mit der Kreisstraße1806 in dieser Hinsicht einen Schritt weiterzukommen.“

Damit das aktuelle Projekt die richtige Grundlage hat, sind noch weitere Arbeiten nötig. Karsten Klein erläutert, dass an relativ vielen Stellen ein umfangreicher Austausch des Bodens nötig war beziehungsweise ist. Mehrere Tonnen sind schon abtransportiert worden. „Nicht überall ist die Tragfähigkeit gewährleistet, das Material teils zu weich“, sagt er. Ebenso wird der Untergrund auf Schadstoffe beziehungsweise Altlasten untersucht, bevor die Wiederverwendung sichergestellt werden kann. Insofern ist entlang der Strecke und an einzelnen Plätzen viel Erdmaterial gelagert.

„Der Bagger ist teils im Bitumen gestanden“

Für diese Arbeiten, die auch mal zwischen den Baustellenferien liefen, aber auch fürs Projekt insgesamt war das bisher recht trockene Wetter sehr gut, die Hitze der zurückliegenden Monate für die Mitarbeiter der Firma Leonhard Weiss allerdings belastend. „Der Bagger ist teils im Bitumen gestanden“, erzählt Polier Hartmut Meiser. Die alten, ausgebesserten Stellen hatten sich auf der Strecke entsprechend verflüssigt.

Insofern ist die Arbeit bei den jetzigen Temperaturen angenehmer. Nach dem aufwendigeren dritten, aktuellen Bauabschnitt folgt der letzte bis zum Ortseingang Karnsberg. Läuft alles nach Plan, sollten die Arbeiten bis Mitte/Ende November abgeschlossen sein. Bis dahin ist die Strecke weiterhin voll gesperrt. Zwar gibt es einige wenige Sonderabsprachen beispielsweise mit Eltern des Waldkindergartens, der in der Nähe seinen Standort hat, aber diese müssen sich auf eine äußerst überschaubare Gruppe reduzieren, damit die Firma arbeitsfähig bleibt und die Unfallgefahr nicht unnötig erhöht wird, erklären die beiden.

Für die Instandsetzung von 2,1 Kilometern Straße nimmt der Landkreis 1,2 Millionen Euro in die Hand. Auch zuvor hat Murrhardt vom Maßnahmenplan profitiert, als die Kreisstraße1900 bei Käsbach saniert wurde. Parallel zum hiesigen Projekt wird die Kreisstraße1915 zwischen Berglen-Rettersburg und Berglen-Öschelbronn instand gesetzt. Dort entsteht zudem ein Radweg. Das Gesamtvolumen: rund 2,3 Millionen Euro.

Gleichzeitig muss sich der Landkreis um zwei aktuelle Sanierungen kümmern, bei denen durch Hangrutschungen verursachte Schäden zu beheben sind. Das ist die Kreisstraße1807 im Abschnitt Murrhardt-Waltersberg. „Die Strecke ist ja gesperrt, deshalb wollen wir dieses Jahr noch starten“, sagt Karsten Klein. Geplant ist, am Hang mit Gabionen und einer Rückverankerung zu arbeiten. Die zweite Baustelle ist die Kreisstraße1907 zwischen Lippoldsweiler und Sechselberg, bei der es im Frühjahr 2020 losgehen soll. Dort wird die Hangsicherung mit Mikropfählen in Angriff genommen.

Hartmut Meiser und Karsten Klein (von links) tauschen sich über den Stand der Arbeiten aus. Der aktuelle dritte Abschnitt im Wald ist vergleichsweise aufwendig.

© Jörg Fiedler

Hartmut Meiser und Karsten Klein (von links) tauschen sich über den Stand der Arbeiten aus. Der aktuelle dritte Abschnitt im Wald ist vergleichsweise aufwendig.

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Erstellt:
20. September 2019, 06:00 Uhr

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