Ab jetzt höchstens Tempo 30 in Spiegelberg

Regierungspräsident Wolfgang Reimer besichtigt die umgestaltete Ortsdurchfahrt. Die L1066 wie auch die K1821 nach Jux glänzen mit neuem Belag. Bürgermeister Uwe Bossert freut sich über die verbesserte Verkehrssicherheit, den erhöhten Lärmschutz und den barrierefreien Ausbau.

Bei der neuen Ortsdurchfahrt durch Spiegelberg ist fast alles fertig. An einigen Stellen fehlen nur noch Schilder und Fahrradschutzstreifen.

© Jörg Fiedler

Bei der neuen Ortsdurchfahrt durch Spiegelberg ist fast alles fertig. An einigen Stellen fehlen nur noch Schilder und Fahrradschutzstreifen.

Von Florian Muhl

Spiegelberg. Jetzt ist Uwe Bossert bereits knapp 21 Jahre im Amt. Aber in den über zwei Jahrzehnten als Bürgermeister kam noch nie ein Regierungspräsident in sein beschauliches Dorf. Bis gestern. Und der Anlass war ein überaus angenehmer und erfreulicher. Wolfgang Reimer begab sich von der Landeshauptstadt aus auf Baustellenbesuche im Rems-Murr-Kreis und machte auch Halt in Spiegelberg, um sich selbst vom Gelingen der Fahrbahnsanierung und Umgestaltung der Ortsdurchfahrt Spiegelberg (L1066) zu überzeugen.

Und weil im gleichen Zug auch die Erneuerung der Fahrbahndecke der Kreisstraße1821 zwischen Spiegelberg und Jux auf einer Länge von rund 1200 Metern erfolgte, ist gestern auch Richard Sigel erschienen. Mit im Gepäck des Landrats ein Koffer voller Komplimente. „Ihre Gemeinde wird immer schöner, Herr Bossert“, sagte Sigel, nicht ganz uneigennützig, denn: „Spiegelberg ist ein Eingangsportal zum Rems-Murr-Kreis.“ Und da sei es umso erfreulicher, an dieser Stelle einen „Vorzeigeort“ präsentieren zu können.

An diesem schönen, sonnigen Tag wollte auch Reimer in Sachen Verteilen von Komplimenten wohl nicht hintenanstehen. Bossert sei schon ein Fuchs, was das Anzapfen von Fördertöpfen angehe. Mit seiner Erfahrung, Hartnäckigkeit und auch Ausdauer habe er entsprechend viel Erfolg. Der Schultes sei ein immer gern und auch oft gesehener Gast im RP, so der Regierungspräsident augenzwinkernd.

Noch stehen nur provisorische Tempolimitschilder

Die Fahrbahnsanierung der Ortsdurchfahrt ist fertig. Jetzt stehen nur noch Restarbeiten an. So müssen noch an einigen Stellen die Markierungen für die Fahrradschutzstreifen aufgebracht werden. Und es fehlen noch die Beschilderungen. Provisorisch stehen bereits die Hinweistafeln aufs Tempolimit, das künftig im Ort auf der L1066 gilt: Höchstgeschwindigkeit 30 Kilometer pro Stunde. Und das von den Bushaltestellen aus bis etwa zum Ortsausgang in Fahrtrichtung Löwenstein, also auf einem Abschnitt von rund 500 Metern. Bossert und Reimer hoffen, die Raser so etwas in den Griff zu bekommen. Ungern würden sie Blitzer aufstellen.

Im Rahmen der Umgestaltungs- und Sanierungsarbeiten, die am 7. September 2020 begonnen haben, wurden auch die Bushaltestellen barrierefrei ausgebaut. Und es gibt am südlichen sowie am nördlichen Ortseingang nach Spiegelberg Querungshilfen für Fußgänger und Radfahrer, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Zudem wurde die bestehende Brücke über den Senzenbach saniert, inklusive neuem Geländer.

„Ich bin glücklich, dass es gelungen ist, die seit vielen Jahren diskutierte Sanierung der L1066 im Zuge der Spiegelberger Ortsdurchfahrt nun noch kombiniert mit Maßnahmen der Ortsgestaltung über die Städtebauförderung abschließend umsetzen zu können“, sagte der Bürgermeister. Neben der Sanierung der Ortsdurchfahrt mit erheblichen Verbesserungen der Verkehrssicherheit sei es gelungen, mit Mitteln der Städtebauförderung durch Gestaltung von Gehwegen, Freiflächen und Platzflächen für eine wesentliche und nachhaltige Aufwertung der Ortsmitte Spiegelberg zu sorgen. „Und alles ist jetzt barrierefrei.“ Bossert war es wichtig, auch diesen Aspekt hervorzuheben. Für die Maßnahmen sei eine Finanzhilfe über das Landessanierungsprogramm zur Verfügung gestellt worden. Zuletzt wurden zugunsten der Gemeinde der Bewilligungszeitraum nochmals verlängert und die Bewilligungsmittel erhöht. In das Sanierungsprogramm, das nun im Oktober endet, war die Gemeinde im Jahr 2005 aufgenommen worden. „Es ist fast ungewöhnlich, dass ein Sanierungsgebiet so lange läuft“, so Bossert. Kombiniert habe man die Gestaltungsmaßnahmen der öffentlichen Flächen mit den Ausschreibungen der Bauarbeiten L1066 und K1821, um bessere Preise zu erzielen, was letztlich auch gelungen sei.

Mit der Sanierung der Ortsdurchfahrt sei es zusammen mit der Syna auch gelungen, die Stromleitungen von den Dächern in die Erde zu verfrachten. Die Dachständer werden großteils mit der Zeit abgebaut. Und zusammen mit der Telekom könne man jedem Haus an der Ortsdurchfahrt einen Hochleistungsinternetanschluss anbieten.

Ein Ärgernis wird aber wohl bleiben. „Wir haben hier unheimlich viele Lkw“, so Bossert an Reimer gewandt, „die Hälfte davon mit ausländischen Kennzeichen.“ Der Bürgermeister vermutet, dass Spiegelberg mitten in einer Mautausweichstrecke liegt.

Bei der symbolischen Freigabe der neuen Ortsdurchfahrt gestern vor dem Spiegelberger Rathaus mit dabei: Regierungspräsident Wolfgang Reimer (Zweiter von links), Landrat Richard Sigel (Dritter von links) und Bürgermeister Uwe Bossert (Vierter von links). Fotos: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Bei der symbolischen Freigabe der neuen Ortsdurchfahrt gestern vor dem Spiegelberger Rathaus mit dabei: Regierungspräsident Wolfgang Reimer (Zweiter von links), Landrat Richard Sigel (Dritter von links) und Bürgermeister Uwe Bossert (Vierter von links). Fotos: J. Fiedler

Die Kosten

Gesamtkosten Wie Bürgermeister Uwe Bossert gestern sagte, betragen die Gesamtkosten der Maßnahmen in Spiegelberg der vergangenen elf Monate rund 2,5 Millionen Euro. An der Gemeinde werden rund 600000 Euro hängen bleiben.

Straßenbau Die Kosten beider Straßenbaumaßnahmen (Landesstraße und Kreisstraße) betragen rund 1,95 Millionen Euro. Der Anteil des Landes beträgt 900000 Euro, der Rems-Murr-Kreis übernimmt 450000 Euro.

Fördergelder Aus dem Bereich Städtebauförderung erhält die Gemeinde einen Zuschuss von 330000 Euro, für vier barrierefreie Bushaltestellen gibt’s 150000 Euro und 85000 Euro aus dem Ausgleichstock.

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Erstellt:
31. Juli 2021, 11:30 Uhr

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