Abfallentsorgung soll mehr Service bieten

In Zusammenarbeit mit den Kommunalpolitikern hat die Abfallwirtschaft Rems-Murr als Kommunalanstalt des Rems-Murr-Kreises ein neues Konzept erarbeitet, das nun im zuständigen Ausschuss des Kreises mehrheitlich für gut befunden wurde. Allein der Backnanger Gernot Gruber stimmt dem Konzept nicht zu.

Die Marken auf den Tonnen sollen im Zuge der Digitalisierung der Abfallentsorgung im Kreis bald der Vergangenheit angehören. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Die Marken auf den Tonnen sollen im Zuge der Digitalisierung der Abfallentsorgung im Kreis bald der Vergangenheit angehören. Foto: J. Fiedler

Von Bernhard Romanowski

Rems-Murr. Mehr Benutzerfreundlichkeit und Kundenservice, mehr Nachhaltigkeit und besserer Klimaschutz, dazu eine optimierte Abfallvermeidung – und das Ganze für nur fünf Euro mehr im Jahr. Was für manchen klingen mag wie ein etwas fragwürdiges Angebot aus einer Dauerwerbesendung, ist die Kurzfassung des neuen Konzepts der AWRM. Amtsdeutsch heißt das „Fortschreibung des Abfallwirtschaftskonzepts Rems-Murr“, und als solche stand die Planung gestern im Ausschuss für Umwelt und Verkehr des Kreises auf der Tagesordnung. Der Ausschuss empfiehlt dem Kreistag für dessen Sitzung am 15. November, das AWRM-Konzept durch seinen Beschluss endgültig auf die Schiene zu setzen, nachdem nun rund ein Jahr daran gefeilt worden war (wir berichteten).

Lutz Bühle, der Abteilungsleiter Technik der AWRM, erläuterte noch einmal einige Kernpunkte des Konzepts, das den Kreispolitikern nicht neu ist. Schließlich haben sie selber durch ihre Vorschläge im Rahmen von Klausurtagungen daran mitgearbeitet. Ein wichtiger Punkt dabei ist die Stärkung der Wiederverwertung des Abfalls. Dazu hatten sich die Kreisräte gemeinsam ein Gebrauchtwarenhaus in Günzburg in Bayern angesehen. Die Besucher waren mehrheitlich davon begeistert, also soll so etwas auch im Rems-Murr-Kreis entstehen, genauer gesagt auf der Deponie Eichholz in Winnenden, und zwar voraussichtlich im Laufe des kommenden Jahres.

2022 werden auch die Öffnungszeiten der Entsorgungszentren erweitert, so auch auf dem Wertstoffhof Waiblingen. Vor allem samstags soll es dann wohl länger für die Bürger möglich sein, ihre Abfallstoffe zu entsorgen. In Winterbach und Welzheim sollen dann neue Wertstoffhöfe gebaut werden. Eine Art Vorzeige-Entsorgungszentrum wird, wie berichtet, auf der Deponie Backnang entstehen. Der vorläufige Zeitplan dafür sieht vor, dass damit noch im Jahr 2023 begonnen wird. Rund ein halbes Jahr später könnte dann auch mit dem Bau des neuen Entsorgungszentrums in Waiblingen begonnen werden. Im Gegenzug sieht das Konzept vor, die alten Wertstoffhöfe in Winterbach, Schorndorf und Welzheim sowie den Wertstoffhof Remshalden-Grunbach zu schließen. Das soll etwa Mitte des Jahres 2023 erfolgen. Für den Wertstoffhof Backnang könnte Anfang 2025 ebenfalls Schluss sein. Allerdings wollen sich die Verantwortlichen zuvor ansehen, wie die neuen Entsorgungszentren in Waiblingen und Backnang-Steinbach angenommen werden und welchen Einfluss sie auf die Kundenströme nehmen, wie im Ausschuss betont wurde. „Das alles passiert Stück für Stück und dynamisch, also immer am Bedarf orientiert“, so formulierte es Landrat Richard Sigel. Zum Thema Abfallvermeidung, das auch ein Thema im neuen Konzept ist, kündigte der Kreishauschef an, dass es im Dezember und Januar spezielle Termine zur Einsammlung von Kartonagen geben werde, die um diese Jahreszeit zuhauf anfallen und die blauen Tonnen für Altpapier zur Überfüllung bringen. Auch den Klimaschutz hat sich die AWRM auf die Fahnen geschrieben. Der Ausbau der solaren Energiegewinnung und die Verwertung der Deponiegase – möglicherweise auch für Nahwärmesysteme – ist ebenso ein Kernpunkt des AWRM-Konzepts wie die Errichtung eines Lehrpfads auf rekultivierten Deponie-Arealen zur Umweltbildung. Wobei die AWRM ohnehin schon mit Programmen zu Nachhaltigkeit und Abfalltrennung in den Schulen ihres Einzugsgebiets engagiert ist.

Eine wichtige Neuerung technischer Art in der Abfallentsorgung des Kreises ist das Identifikationssystem der Behälter, das die AWRM umsetzen will. Damit entfällt das bisherige System mit den Marken auf den Tonnen. Es handle sich hierbei um eine Maßnahme im Sinne der Digitalisierung zur Optimierung der Entsorgungstechnik. Keinesfalls sei eine Einführung gewichtsabhängiger Gebühren damit beabsichtigt, so die Verantwortlichen. Ein Vier-Personen-Haushalt wird künftig statt 138 Euro im Durchschnitt 143 Euro an jährlichen Abfallgebühren bezahlen, also fünf Euro (3,6 Prozent) mehr. Damit liege man im Rems-Murr-Kreis 17 Prozent unter dem Landesdurchschnitt und unter dem Niveau der Inflation, so Marcus Siegel vom AWRM-Vorstand.

Bis auf SPD-Fraktionsmitglied Gernot Gruber aus Backnang stimmten alle Ausschussmitglieder dafür, dem Kreistag zu empfehlen, das AWRM-Konzept per Beschluss zur Umsetzung zu bringen. Gruber stimmte mit Nein, weil er die Argumente für eine mögliche Schließung des Wertstoffhofs in der Backnanger Theodor-Körner-Straße – wie kürzlich bereits berichtet – für nicht schlüssig hält.

AWRM-Konzept

Gebührenvolumen Das neue AWRM-Konzept weist für 2022/2023 ein höheres Gebührenvolumen von 4836000 Euro auf.

1852000 Euro kostet das Abfallwirtschaftskonzept selbst mit allen Neuerungen in den nächsten zwei Jahren.

1652000 Euro ergeben sich aus geringeren Gebührenüberschüssen. Hier machen sich die geringen Altpapierkosten von 2018/2019 bemerkbar.

800000 Euro sind einer höheren Nachsorgerückstellung geschuldet. Hier spielt die niedrige Verzinsung der Erträge eine Rolle.

531000 Euro schlagen etwa durch gestiegene Personalkosten zu Buche.

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Erstellt:
26. Oktober 2021, 06:00 Uhr

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