Abitur 2021: Der Endspurt beginnt

Drei Abiturienten berichten, wie sie sich auf die mündliche Prüfung vorbereiten und was danach kommt.

Johanna Haug (links), Katharina Bechthold und Marco Wiens vor dem Bildungszentrum Weissacher Tal, wo sie kommende Woche ihre mündlichen Prüfungen absolvieren werden. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Johanna Haug (links), Katharina Bechthold und Marco Wiens vor dem Bildungszentrum Weissacher Tal, wo sie kommende Woche ihre mündlichen Prüfungen absolvieren werden. Foto: A. Becher

Von Melanie Maier

WEISSACH IM TAL. Am Montag geht es los mit den mündlichen Abiturprüfungen. Vom 12. bis 14. Juli werden die Prüflinge abgefragt, danach stehen nur noch die Zeugnisübergabe und der Abiball an. Der größte Stress sei aber schon weg, sagt Johanna Haug: „Die Ergebnisse der schriftlichen Prüfungen haben wir schon bekommen. Das hat den Druck ein bisschen genommen, weil man weiß, dass man ziemlich sicher bestehen wird.“

Die 18-jährige Gymnasiastin aus Oberweissach besucht das Bildungszentrum Weissacher Tal (Bize) und bereitet sich in der schulfreien Woche vor den Prüfungen auf die Fächer Biologie und Gemeinschaftskunde/Erdkunde vor. Und zwar „im Prinzip nicht anders als vor den schriftlichen Prüfungen“, sagt sie. Für Biologie lernt sie vor allem mit eigenen Aufschrieben, zudem hat sie die Zusammenfassungen von Mitschülern. Für Gemeinschaftskunde/Erdkunde schaut sie vieles auch im Internet nach. „Zu den Regierungsformen zum Beispiel gibt es schöne Schaubilder“, sagt sie.

Auch Marco Wiens, 18, aus Allmersbach im Tal wiederholt noch einmal den Stoff seiner Prüfungsfächer Mathematik und Religion. Mathe sieht er dabei als die größere Herausforderung. „In Religion habe ich den Teil gewählt, den wir erst in diesem Halbjahr durchgenommen haben. Die Klausur haben wir vor drei Wochen geschrieben, deshalb ist das alles noch ziemlich präsent“, sagt er.

Bei seiner Mitschülerin Katharina Bechthold aus Althütte ist „die Luft ein bisschen raus“ nach den schriftlichen Prüfungen. Trotzdem fragt sich die 18-Jährige jeden Tag mit Karteikarten ab und erledigt Übungsaufgaben, die die Lehrer den Schülern mitgegeben haben. Ihre Prüfungsfächer sind Deutsch und Gemeinschaftskunde/Erdkunde. „Im Gegensatz zur Vorbereitung auf meine schriftlichen Fächer Mathe und Chemie muss ich keine Übungen machen, das ist ein bisschen entspannter“, sagt sie.

Nach Schulende möchten die Schüler jobben, danach studieren oder mit dem Beruf beginnen.

20 Minuten Vorbereitungszeit, ein zehnminütiger Vortrag zum Thema und zehn Minuten für die Fragen der Lehrer: So soll die mündliche Prüfung aussehen. Den Ablauf haben die drei Bize-Schüler im Unterricht schon mehrfach geübt, aber auch mit Freunden will Bechthold das noch einmal durchgehen. Soweit fühlt sie sich „ganz gut vorbereitet“.

Nach dem Ende ihrer Schulzeit wird sie einen oder eineinhalb Monate in einer Firma in Sulzbach am Fließband jobben, um für das Studium Geld zu verdienen. Bechthold würde gerne in Tübingen, Heidelberg oder Konstanz Jura studieren, „auf jeden Fall nicht zu weit weg“, sagt sie. Für die Bewerbung braucht sie noch ihr Abschlusszeugnis. Eine Woche hat sie nach der Übergabe Zeit, um es bei den Universitäten einzureichen. Die Bewerbungsfrist wurde wegen der Pandemie verlängert, trotzdem sei es ein enger Zeitraum, sagt Katharina Bechthold.

Johanna Haug hat sich ebenfalls vorgenommen, nach Schulende zu arbeiten, „aber auf jeden Fall etwas, das mir Spaß macht“, sagt sie. Im Oktober soll es auch bei ihr mit dem Studium losgehen. Was das Fach betrifft, ist sie noch unsicher. Molekularmedizin könnte sie sich genauso gut vorstellen wie Humanmedizin, Ernährungswissenschaften oder Biochemie – am liebsten in Stuttgart oder Tübingen. Bis zum Studienbeginn möchte sie das Leben „auch einfach ein bisschen genießen, wenn Corona jetzt nachlässt“. Sie hätte sich auch vorstellen können, nach dem Abitur erst einmal ins Ausland zu gehen, zum Beispiel zu einer Gastfamilie, aber durch die Pandemie sei so etwas derzeit kaum möglich.

Bei Marco Wiens steht es schon fest, wie es nach dem Abschluss weitergehen wird. Am 1. Oktober wird der Abiturient als OP-Assistent in Stuttgart anfangen. „Mein Plan A war eigentlich Tierarzt, aber ich wusste schon bald, dass das Zeugnis dafür nicht ausreichen wird“, sagt er. Also informierte er sich im Freundeskreis und bei seiner Familie über mögliche Berufsbilder – und fand den Beruf seiner Cousine interessant. Auch Wiens muss noch sein Abschlusszeugnis nachreichen, den Arbeitsvertrag hat er aber schon bekommen und unterschrieben.

Wie seinen beiden Mitschülerinnen ist es ihm wichtig, in der Nähe wohnen zu bleiben. Zum einen, „weil alle Leute, die mir wichtig sind, hier sind, zum anderen wegen der Kirche“, sagt er. Vorerst bleibt er bei seiner Familie in Allmersbach im Tal wohnen. „Ich tue mich immer auch ein bisschen schwer mit Neuanfängen. Wenn ich später möchte, kann ich immer noch ins Klinikwohnheim umziehen.“

Vor dem Einstieg ins Berufsleben möchte Marco Wiens die zwei Monate, die er nach dem Abschluss hat, nutzen, um zu verreisen. Eine Abschlussfahrt mit zehn Mitschülern nach Kroatien und ein Urlaub mit der Familie sind geplant.

Zudem freut er sich auf die Zeugnisübergabe und den Abiball, der ziemlich sicher in der Seeguthalle in Cottenweiler stattfinden kann. Zwischen zwei und fünf Personen dürfen die Schüler jeweils dazu einladen, je nach Inzidenzlage. Nur einen Abistreich, den wird es in diesem Jahr schon wieder nicht geben. Die Schüler hätten bei der Schulleitung angefragt, berichtet Wiens, „aber da hieß es, das wird eher nichts werden“. Es gehe hauptsächlich darum, dass die Klassen sich nicht vermischen und Menschenmengen vermieden werden. Dafür hat der Schüler Verständnis. Schade findet er es aber schon ein wenig, „dass es ein bisschen hektisch wird zum Schluss und dass man am Ende quasi überhaupt nicht mehr groß planen kann“. Doch auch da wiegelt er ab: „Die Abiturienten letztes Jahr hatten es nochmals schwieriger. Wir haben immerhin einen Abiball.“

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Erstellt:
10. Juli 2021, 06:00 Uhr

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