Tod von James Van Der Beek

Abschied von Dawson: Mit ihm stirbt ein Stück unserer Jugend

James Van Der Beek ist tot – wir Millenials müssen ein Stück Jugend verabschieden. Dawson Leery war der erste 16-Jährige, der über Gefühle sprechen konnte. Wir dankten es ihm nicht.

Die Stars der 1990er-Kultserie „Dawson’s Creek“: James Van Der Beek (Mitte), Michelle Williams (links), Joshua Jackson und Katie Holmes.

© imago images/Everett Collection

Die Stars der 1990er-Kultserie „Dawson’s Creek“: James Van Der Beek (Mitte), Michelle Williams (links), Joshua Jackson und Katie Holmes.

Von Theresa Schäfer

Man sagt, wenn der erste Freund stirbt, ist die eigene Jugend endgültig vorbei. Ich habe James Van Der Beek nicht gekannt, aber Dawson Leery war mir ein paar Jahre lang so vertraut wie die Menschen, die mit mir in den 1990ern im Klassenzimmer saßen. Und deshalb trifft der Tod des Schauspielers mit nur 48 Jahren Millianials, wie ich einer bin.

Van Der Beek hatte vor zwei Jahren öffentlich gemacht, dass er an Darmkrebs erkrankt war. Als sich seine „Dawson’s Creek“-Co-Stars Michelle Williams, Katie Holmes und Joshua Jackson vergangenes Jahr in New York trafen, um vor Fans auf der Bühne die Pilotfolge der Serie zu lesen (eine Aktion für die Organisation „Fuck Cancer“) war James Van Der Beek schon zu schwach, um teilzunehmen. Er hinterlässt sechs Kinder.

„Dawsons’s Creek“ war vielleicht die erste Jugendserie, die ihr Publikum wirklich ernst nahm. In der die Charaktere komplex waren und, ja, manchmal derart hochtrabend übers Leben philosophieren, als seien sie fünf Jahre zur Paartherapie gegangen.

Klar, dass das über den Horizont einer 17-Jährigen reichte. Der 1977 geborene James Van Der Beek bekannte später, er habe selbst manchmal nachgucken müssen, was die Wörter im Script bedeuteten. Aber wenigstens wurde man durch „Dawson’s Creek“ nicht dümmer. Die Serie stand für eine gewisse Vielfalt – auch wenn leider keine der Hauptfiguren schwarz, asiatisch oder mixed-race war. Der erste echte Kuss zwischen zwei Männern im amerikanischen Fernsehen – er wurde hier gezeigt. Und das Wörtchen „shit“ war auch erlaubt.

James Van Der Beeks Dawson war vielleicht der erste 16-Jährige im TV, der wirklich über seine Gefühle sprach, der Verletzungen nicht hinter einer coolen Fassade und einem zynisches Spruch verbarg. Das brachte dem Schauspieler ein eher undankbares Meme ein – Dawson, der buchstäblich Rotz und Wasser heult, weil seine Joey (Katie Holmes) ihn verlässt. Und Dawson ist ein „ugly crier“, zweifellos.

So richtig dankten wir es ihm nicht. Keine meiner Freundinnen verzehrte sich nach Dawson. Wir fanden seinen besten Freund toll. Pacey (Joshua Jackson), der sich mit diesem verletzlich zeigen schwerer tat und deshalb eher den Jungs entsprach, die wir so kannten. Dawson, den Sensiblen, hielten wir für weinerlich. Er war unserer Zeit voraus.

Die meisten seiner „Dawson’s Creek“-Castkollegen waren später erfolgreicher als er. Michelle Williams spielte in „Brokeback Mountain“ und in „My Week With Marilyn“. Katie Holmes heiratete Tom Cruise – und ließ sich wieder scheiden. James Van Der Beek blieb für uns stets Dawson.

Achtung, Gen Z, 23 Jahre alter Spoiler!!!

Im Serienfinale ist es Jen (die spätere Golden-Globe-Gewinnerin Michelle Williams), die stirbt. Jetzt ist Dawson vorausgegangen. Und lässt uns Millenials mit dem bittersüßen Gefühl zurück, dass wir jetzt wohl wirklich nicht mehr jung sind.

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Erstellt:
12. Februar 2026, 08:52 Uhr
Aktualisiert:
12. Februar 2026, 10:01 Uhr

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