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Abschlussfeiern mit Abstand

Prüfungen wurden verschoben, Klassen geteilt und Abibälle abgesagt. Für die Abiturienten ist in diesem Jahr einiges anders – auch bei der Zeugnisübergabe musste man sich an die Coronaregeln anpassen. Von Videoaufzeichnungen bis Autokino ist alles dabei.

Zeugnisübergabe am Heinrich-von-Zügel-Gymnasium in Murrhardt. Die Abiturienten haben sich trotz des ausgefallenen Abiballs schick gemacht und haben auch bei der Deko auf Abstand geachtet. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Zeugnisübergabe am Heinrich-von-Zügel-Gymnasium in Murrhardt. Die Abiturienten haben sich trotz des ausgefallenen Abiballs schick gemacht und haben auch bei der Deko auf Abstand geachtet. Foto: A. Becher

Von Kristin Doberer

BACKNANG. Nach zwölf oder 13 Jahren Lernen beginnt für Abiturienten mit dem Abizeugnis in der Hand ein ganz neuer Lebensabschnitt. Und das wird eigentlich ordentlich gefeiert: Abiball, Stufenpartys, gemeinsame Fahrt zu Discos in Stuttgart. Doch in diesem Jahr läuft vieles etwas anders. Dass Abibälle gar nicht stattfinden können, ist schon länger klar, und auch die Feiermöglichkeiten zur Zeugnisübergabe sind durch die Coronaregelungen stark eingeschränkt.

Am Max-Born-Gymnasium hat die Zeugnisübergabe bereits am vergangenen Donnerstag stattgefunden. Eltern waren keine dabei, da es allein über 80 Absolventen gab und die aktuell erlaubte Personenzahl bei Veranstaltungen bei 100 liegt. Die Übergabe wurde stattdessen aufgezeichnet, damit Eltern sich das Video zu Hause anschauen können. Am Ablauf an sich habe sich wenig geändert, nur, dass es eben keine Umarmungen und kein Händeschütteln gegeben habe. „Ich habe mir große Mühe gegeben, um es für die Schüler festlich zu machen“, sagt Rektorin Sonja Conrad. Und obwohl es zum Zeugnis keinen Handschlag gegeben hat, sei die Veranstaltung sogar fast feierlicher gewesen als in den Vorjahren. „Da es keinen Abiball gibt, haben einige nämlich ihre bereits gekauften Abiballkleider angezogen. Dadurch waren sie schicker gekleidet als sonst. Trotzdem war es etwas seltsam, auf die Abstandsreihen zu blicken“, sagt Conrad. Kurz sei überlegt worden, den Jahrgang in Gruppen zu teilen, damit auch die Eltern anwesend sein können. Doch das wollten die Abiturienten nicht. „Ihnen war es wichtig, als gesamter Jahrgang verabschiedet zu werden“, sagt sie. Dadurch ergab sich auch, dass nicht alle Lehrer gleichzeitig bei der Veranstaltung dabei sein konnten, die Zahl der Anwesenden wäre über 100 gestiegen. Deshalb sind Lehrkräfte und Tutoren zeitlich versetzt gekommen, um Preise zu überreichen und Abschiedsgeschenke der Schüler entgegenzunehmen.

Am Gymnasium in der Taus können auch die Eltern an der Zeugnisübergabe teilnehmen. „Das geht nur, weil wir dieses Jahr so wenige Schüler haben und weder Lehrer noch Ehrengäste kommen“, sagt Schulleiter Udo Weisshaar. Am Gymnasium in der Taus machen mit 32 Abiturienten in diesem Jahr vergleichsweise wenige Schüler ihren Abschluss. Dadurch können die Eltern sich zu ihren Kindern setzen, mit ausreichend Abstand zu den anderen Teilnehmern. „Der Platz im Schulhaus reicht, bei gutem Wetter wollen wir das aber trotzdem draußen machen“, sagt Weisshaar. Das Buffet mit Fingerfood und Sekt, das für gewöhnlich im Anschluss an die Zeugnisübergabe stattfindet, wird es nicht geben. Zunächst sei überlegt worden, jedem eine eigene Piccoloflasche und eventuell eine abgepackte Brezel zu geben. „Das ist unter den Hygienebedingungen nicht machbar. Dabei ist das der einzige Tag im Jahr, an dem es Alkohol in der Schule gibt“, sagt Weisshaar. Auch eine kleine Bilderausstellung aus den Schuljahren wird es wohl nicht geben. „Die Überlegung war, dass wir ein wenig vom Abiball mit in die Zeugnisübergabe einbringen“, sagt Abiturient Frederic Kaltenleitner. Dazu haben die Abiturienten beschlossen, sich schick zu machen und ein weißes Hemd anzuziehen.

Doch der Abiball ist nicht die einzige Feier, auf die die Schüler verzichten mussten. Ihre letzte Prüfung haben die Abiturienten vom Tausgymnasium traditionell im Plattenwald gefeiert, nur anschließend nach Stuttgart konnten sie nicht fahren. Frederic Kaltenleitner zumindest trauert dem Abiball aber nicht nach: „Es hätte ja auch noch mehr schiefgehen können.“ Kurze Zeit habe im Raum gestanden, den Abiball in den Herbst zu verlegen, man habe sich aber dagegen entschieden. „Da ist auch alles zu lange her und die Schüler sind alle ganz woanders“, sagt Weisshaar. Die Stimmung an der Schule sei im Moment trotzdem gut, da alle ihr Abitur bestanden haben und die Prüfungen gut gemeistert haben.

Dass nicht gefeiert werden kann, bedauert auch Natalia Grabke, Schülerin am Technischen Gymnasium: „Es ist nicht dasselbe. Da war man 13 Jahre in der Schule und die Abschlussfeier fühlt sich irgendwie nur gewöhnlich an.“ Auch deshalb haben sich die Absolventen hier gemeinsam entschlossen, in festlicher Kleidung zu kommen. Viele hätten außerdem bereits Abendkleidung zu Hause gehabt. Trotzdem ist diese Art der Abschlussfeier doch noch eine positive Überraschung für die Absolventen gewesen. Bereits im April hat man ihnen mitgeteilt, dass es keinen Abiball geben wird, aber bis vor wenigen Wochen dachten sie noch, dass die Zeugnisausgabe lediglich in den Klassenzimmern stattfinden wird. „Wir sind froh, dass es jetzt zumindest eine festliche Zeugnisübergabe gibt, wenn schon keinen Ball“, sagt Natalia. Doch die Festlichkeiten finden nicht wie in den Vorjahren im Backnanger Bürgerhaus statt, sondern in der schuleigenen Aula. Und das um 14 Uhr am Nachmittag. Eltern und Ehrengäste werden nicht dabei sein, da allein die Schüler und Lehrer fast an die Personengrenze von 100 kommen. Nach einer Stunde muss dann auch schon alles vorbei sein, denn im Anschluss nutzen auch die anderen Abschlussklassen der Gewerblichen Schule die Aula, in der man gut Abstand halten kann. In den Vorjahren war es üblich, dass die Absolventen nach den Festlichkeiten gemeinsam feiern gehen, „aber selbst wenn irgendwelche Klubs offen wären, ist die Zeugnisübergabe ja schon um 15 Uhr vorbei. Da braucht man in keinen Klub gehen“, sagt Natalia. So werde es keine Party mit allen Absolventen geben, wenn überhaupt wollen sie im kleinen Kreis feiern. „Das ist schon schade, irgendwas fehlt da.“

Das Bildungszentrum Weissacher Tal hat sich dem Trend der Coronazeit angeschlossen und übergibt die Zeugnisse im Autokino Auenwald. Die gesamte Veranstaltung wird gefilmt und auf der großen Leinwand übertragen, die Reden werden direkt über das Autoradio abgespielt. So können Eltern oder Geschwister vom Auto aus zusehen, wie die Schüler, die mit Abstand vor der Bühne sitzen, einzeln auf die Bühne kommen, um Preise und Zeugnisse entgegenzunehmen. „Wir versuchen, trotzdem Stimmung reinzubringen und durch die direkte Übertragung etwas Nähe zu erzeugen“, sagt der stellvertretende Schulleiter Andreas Köplin. Es soll außerdem nicht nur eine reine Zeugnisübergabe werden, neben Reden wird ein Film der Schüler gezeigt und die Eltern können sich Snacks und Getränke an das Auto bestellen. Bei schlechtem Wetter findet die Veranstaltung wohl in einer Halle in Auenwald statt, die Aufnahmen von dort können aber auch auf die Leinwand des Autokinos übertragen werden.

In Murrhardt mussten die Abiturienten vom Heinrich-von-Zügel-Gymnasium ihr Thema „Die Goldenen Zwanziger mit Glanz und Stil“ für die Zeugnisübergabe zwar etwas abändern, trotzdem war das Motto an der Deko im Festsaal am vergangenen Donnerstag gut erkennbar. Zwei Personen konnten sie zu der Veranstaltung einladen, mit denen sie in Dreiergruppen zusammensitzen konnten. Schulleiter Henning Zimmermann war stolz auf den Jahrgang, da trotz der Schwierigkeiten durch Corona ein ungewöhnlich guter Abischnitt erreicht wurde.

In der Anna-Haag-Schule werden nicht alle Abiturienten gleichzeitig verabschiedet, die zwei Abiklassen kommen nacheinander. Dafür kann dann je ein Elternteil anwesend sein. „Wir haben relativ wenige Schüler und ein großes Zeitfenster. Deshalb machen wir die ganze Veranstaltung zweimal“, sagt Abteilungsleiter Achim Schütt. Auch hier will man sich Mühe geben, um die Veranstaltung etwas festlicher zu gestalten, und hat Blumenschmuck für die Aula geplant. „Aber wir müssen uns trotzdem im Rahmen der Möglichkeiten bewegen. Abstand und Masken, davon wird die Veranstaltung vermutlich sehr geprägt sein.“ Trotz der Umstände sei die Stimmung gut, so Schütt. „Es herrscht die gleiche Freude über diesen entscheidenden Lebensabschnitt und die gleiche Abschiedsstimmung wie immer. Nur die Form des Abschieds ist eben anders.“

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Erstellt:
27. Juli 2020, 06:00 Uhr

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