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Acht musikalische Abende

Internationale Künstler und alt bekannte Gesichter gaben sich beim Zeltspektakel in Winterbach die Klinke in die Hand

Acht Abende, Künstler aus aller Welt, Musik, die begeistert: Das elfte Zeltspektakel in Winterbach ist gestern Abend mit dem Auftritt von Joss Stone zu Ende gegangen. Die Winterbacher feierten acht Tage lang die Künstler – im Zelt und im Biergarten.

Groovig: Jan Delay und seine Band Disko No.1 waren eines der Highlights. Foto: Niedermueller

Groovig: Jan Delay und seine Band Disko No.1 waren eines der Highlights. Foto: Niedermueller

Von der Redaktion

WINTERBACH. Zeltspektakel, und das gilt auch für die elfte Ausgabe, das ist dann, wenn der Obermacher Steffen Clauss auf die Bühne kommt, zum Mikro greift und vor 3000 Zuhörern dem Steuerberater dankt. Am vergangenen Dienstag war es wieder so weit. Clauss’ Auftritt ist längst Kult. Wie auch der Einsatz des vormaligen Bürgermeisters Albrecht Ulrich. Jahrelang hat er den Kartenabreißer gemacht, heuer steht er an der Bierzapfanlage.

Roger Hodgson sitzt am Klavier, eine vierköpfige, topkompetente Band im Rücken, tupft die für die alten Supertramp-Nummern so prägenden Klavier-Viertel in die Tasten und stimmt „Take the long Way home“ an. Gleich danach: das ikonische Mundharmonika-Intro, die sehnsüchtig wabernde Gitarre, die ins popkulturelle Gedächtnis gebrannte erste Zeile – „I can see you in the Morning when you go to School“. Zum Warmwerden einfach mal eben zwei Klassiker servieren: Das kann man nur machen, wenn man’s machen kann. Kurz darauf: Logical Song. Breakfast in America. Dreamer. Danach: Zwei Frauen unterhalten sich am Ausgang. „Wie früher“, seufzt die eine. Die andere haucht: „Richtig schee.“ Präzise zusammengefasst.

Am Abend darauf folgt John Fogerty, der Hits am laufenden Band liefert. Er spurtet von links nach rechts mehr als zwei Stunden über die Bühnenbretter wie ein Faun, der irgendeine Nymphe zu bezirzen versucht, mit anscheinend nicht versiegender körperlicher und mentaler Kraft, lässt seine Gitarre dazu röhren und jaulen, immer noch inspiriert von der Tradition des sumpfigen Südstaaten-Rocks, jener Melange aus Country, Blues, R’n’R und Voodoo, die den gebürtigen Kalifornier Fogerty schon von Jugend an faszinierte, als er 1959 seine erste Band gründete. Wie eh und je tritt er in Winterbach in Jeanshemd und Stiefeln und somit auch modisch zeitlos an, spielt unter dem Motto „My 50 Years Trip“ die Songs der CCR/Woodstock-Epoche mit solcher Verve, solcher Leidenschaft und solchem Selbstbewusstsein.

Barfuß und in Lederhosen stürmten am Donnerstag die LaBrassBandas die Bühne. Neue Volksmusik, Gypsy Brass, Alpen-Jazz oder Bavarian Horn Punk – der einzigartige Musikstil der Band lässt sich nicht so einfach in eine Schublade stecken. Und das ist auch gut so, immerhin zeichnet das ihre Musik als absolut eigenständig aus. Als pure Energie werden ihre Konzerte beschrieben und um diesem Vorsatz alle Ehre zu machen, legt LaBrassBanda auch sofort richtig los. Das fünfköpfige Bläserensemble wird nur unterstützt durch einen Schlagzeuger und bei manchen Stücken durch den E-Bass, oft sorgt die Tuba jedoch ganz allein für genug tiefe Töne. Wenn er nicht singt, greift auch Sänger Stefan Dettl zur Trompete, dann produzieren die kleine Rhythmusgruppe, drei Trompeten, Posaune und Tuba, einen derartig kompakten und rhythmisch perfekt synchronen Sound, dass jede Harmonie wie aus einem Instrument geschossen klingt und die Musik dabei so groovt, dass schon beim ersten Titel das Publikum zu hüpfen anfängt. Auf dass der Bretterboden des Zelts bebt.

Dieter Thomas Kuhn ist praktisch schon gesetzt, von Anfang an, bei jeder Zeltspektakel-Planung. Genauso wie Gerhard Polt und die Wellbrüder, die am Montag auftraten. Kuhns Schlagershow ist noch immer der Hit. Er begeisterte am Freitagabend das Publikum in Winterbach, genau wie einen Tag später, nur wenige Kilometer weiter, auf der Esslinger Burg. Musikalisch hat Kuhn in den vergangenen 20 Jahren kaum etwas geändert. Wozu auch? Klassiker wie „Griechischer Wein“, „Ti amo“ oder „Tränen lügen nicht“ sorgen nach wie vor für Begeisterungsstürme beim extrem textsicheren Publikum. Und mit ihren schrillen 70er-Jahre-Outfits machen die Fans aus den Konzerten ein Gesamtkunstwerk.

Eines der Highlights war sicherlich das Konzert von Jan Delay und seiner Disko No.1. Jan Delay ist Beispiel dafür, wie man sich als brillanter Entertainer mit einer starken Band an der Seite sicher zwischen verschiedenen musikalischen Stühlen bewegen kann, von Reggae über Soul und Funk bis hin zum Rock. Es werden die Red Hot Chili Peppers angespielt, genauso wie plötzlich der Riff von Led Zeppelins „Whole lotta Love“ auftaucht. Was aber die Grundlage für alle musikalischen Ausflüge bleibt, ist der Groove.

Der Stimme von Dream Theater geht schon mal eine Stil prägende Eigenschaft ab: das Grunzen. Gut so, werden Genre-Unentschiedene sagen. James LaBrie hat zwar an seinem Mikroständer einen neckischen Totenkopf angeschraubt. Aber die Show ist eher was für Raumfahrer denn für Höllenfahrer. Stilistisch schaut es stärker nach Hymnen zur aktuellen Feier der ersten Mondlandung aus, denn nach Anrufung von Luzifer. Tastenmann Jordan Rudess herrscht über ein Keyboard, das auf seinem Teleskop-Ständer über den Dingen schwebt wie ein Raumschiff.

Was das Zeltspektakel und seine Programmgestaltung auszeichnet, ist dabei, dass jeder Abend einen eigenen Charakter hat, auch jeweils ein anderes Publikum findet und die Künstler ihrerseits auf eine einheitlich positive Stimmung und Atmosphäre treffen. Und mit der entsprechenden Offenheit werden auch die Vorbands empfangen. Den Abschluss machte gestern Abend die Musikerin Joss Stone, die mit Soul, Jazz und Popmusik begeisterte.

LaBrassBanda begeisterte das Publikum im Winterbacher Zelt und brachte Jung und Alt zum Tanzen. Foto: R. Steinemann

© Ralph Steinemann Pressefoto

LaBrassBanda begeisterte das Publikum im Winterbacher Zelt und brachte Jung und Alt zum Tanzen. Foto: R. Steinemann

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Erstellt:
24. Juli 2019, 06:00 Uhr

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