ADFC fordert Fahrrad-Überholverbote

Abstandsmessungen zeigen, welche Straßen in Backnang besonders gefährlich für Radfahrer sind. Die Stadt prüft nun mögliche Maßnahmen.

Sensoren messen den Abstand beim Überholen. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Sensoren messen den Abstand beim Überholen. Foto: A. Becher

Von Anja La Roche

Backnang. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Backnanger Bucht hat in Abstimmung mit dem Fahrradbeauftragten der Stadt in den vergangenen Wochen die Überholabstände von Autos zu Radfahrern in der Backnanger Innenstadt erfasst (wir berichteten). Einige Straßen haben sich dabei als besonders gefährlich für Radfahrer herausgestellt, darunter auch die Weissacher Straße. Der ADFC will mithilfe der Messungen darauf aufmerksam machen, dass die Überholabstände oftmals die vorgegebenen Mindestabstände unterschreiten. Diese betragen 1,5 Meter innerorts und zwei Meter außerorts. Die gesammelten Daten sollen zudem der Stadt dienen, sinnvolle Maßnahmen umzusetzen, um das Radfahren in Backnang sicherer und damit auch attraktiver zu gestalten.

Die gesammelten Daten lassen erste Schlussfolgerungen zu

Die Abstandsmessungen haben neben Jürgen Ehrmann, dem Vorsitzenden des ADFC Backnanger Bucht, auch Moritz Körner, ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung, und Martin Fischer vom Klimaentscheid Backnang vorgenommen. Sie haben dafür Anfang Dezember vergangenen Jahres spezielle Messgeräte an ihre Fahrräder angebracht, die mit Ultraschall erfassen, wie dicht die Autos vorbeifahren. Die Ergebnisse dieser Messungen liegen nun für eine erste Einschätzung der Lage vor.

„Ich kann Licht und Schatten melden“, teilt Jürgen Ehrmann mit. Positiv sei, dass die gemessenen Abstände meistens den vorgegebenen Mindestabständen entsprechen. „Großes Kompliment an die Backnanger Autofahrer. Sie fahren generell recht vorsichtig.“ Die Schattenseite der Ergebnisse hingegen seien die geringen Abstände bei engen Straßen. „Wenn genügend Platz da ist, wird oft mit großem Abstand überholt. Aber wenn der Platz fehlt, dann wird eben auch vorbeigedrängelt“, so Ehrmann.

Die drei Radfahrer hätten bislang über 32 Stunden ihrer Fahrten in Backnang aufgezeichnet und dabei rund 1000 Überholvorgänge von Autos dokumentiert, berichtet der ADFC-Vorsitzende. „Ein besonderes Problem ist die Weissacher Straße. Hier gab es jede Menge rote Begegnungen.“ Mit roten Begegnungen sind die Überholvorgänge gemeint, die den Mindestabstand nicht einhalten. Zum Beispiel wurden an zwei Fahrten entlang der Weissacher Straße 33 Überholvorgänge gemessen, davon 24 mit zu geringem Abstand. „Und das ist kein Extrembeispiel“, so Ehrmann. Auf dieser 760 Meter langen Strecke vom Kawagkreisel bis zur Industriestraße sei das Alltag, insbesondere während des Feierabendverkehrs. „Das ist eine lange Strecke, da überholt jeder. Dabei spart man als Autofahrer gerade einmal eine Minute Zeit, wenn man mit einer Geschwindigkeit von 20 statt 40 Kilometern pro Stunde unterwegs ist.“ Es solle demnach zu denken geben, inwiefern man als Autofahrer die Radfahrer gefährdet, um lediglich wenige Sekunden zu gewinnen.

Als Vorbild dient das kürzlich in Stuttgart-Kaltental eingeführte Verbot

Wie Jürgen Ehrmann berichtet, ergibt sich dasselbe Problem in der Sulzbacher Straße. Schlecht sind die Befunde außerdem in der Gartenstraße, der Talstraße, der Aspacher Straße und der Eduard-Breuninger-Straße. Für diese Straßen müssen allerdings noch mehr Daten gesammelt werden, um daraus aussagekräftige Schlüsse zu ziehen, so Ehrmann. Der ADFC Backnang fordert nun von der Stadt, dass auf Basis der gesammelten Daten konkrete Maßnahmen folgen. Als Vorbild dient das kürzlich eingeführte Überholverbot auf einer Strecke in Stuttgart-Kaltental. Das Verbot wurde trotz Fahrradstreifen eingeführt, da die Abstandsmessungen zeigten, wie gefährlich nah hier überholt wird. Solche Fahrrad-Überholverbote verlangt Jürgen Ehrmann auch für die problematischen Straßen in Backnang.

Die Stadt würde sich dem Thema demnächst intensiver widmen, berichtet die Pressesprecherin des Ordnungsamts Backnang, Gisela Blumer. Der Fahrradbeauftragte Volker Knödler wird die Überholverbote in Abstimmung mit dem ADFC, dem zuständigen Polizeipräsidium und dem Ordnungsamt prüfen. „Wir sind dabei, die einzelnen Strecken zu betrachten“, sagt Blumer. Die Stadt plant zudem mit Bannern an vorsichtiges Überholen von Radfahrern zu erinnern. 25 solcher Banner sollen im kommenden Frühjahr an den stadteinwärts führenden Straßen platziert werden.

Der ADFC Backnang möchte die Messungen noch ausweiten. „Ich konnte bereits bewirken, dass wir die Messgeräte des Landesverbands länger behalten“, sagt Jürgen Ehrmann. Zudem plane der Kreisverband, eigene Messgeräte zur Verfügung zu stellen. „Wir wollen die Messungen auch auf das Umland ausdehnen.“ Der Vorsitzende hat unter anderem diejenigen im Blick, die von Weissach im Tal nach Backnang pendeln. Hierfür sucht der Verein noch weitere Testfahrer. Interessenten können sich per E-Mail an backnang@adfc-bw.de melden.

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Erstellt:
20. Januar 2022, 16:00 Uhr

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