Adieu, Pascal und Erdmännchen

Die Werke des dritten Skulpturenpfads in Weissach im Tal werden dieser Tage abgebaut. Demnächst beginnen die Vorbereitungen für die vierte Runde des Unterweissacher Kunstprojekts. Am 13. Juni soll der Weg wiedereröffnet werden – mit neuen Ausstellungsobjekten.

Hauptamtsleiterin Madelaine Fischer (von links), Carsten Gehring und Werner Drautz vom Skulpturkreis Weissach im Tal mit „Pascal“. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Hauptamtsleiterin Madelaine Fischer (von links), Carsten Gehring und Werner Drautz vom Skulpturkreis Weissach im Tal mit „Pascal“. Foto: A. Becher

Von Melanie Maier

WEISSACH IM TAL. Nur drei Kunstwerke sind übrig vom dritten Unterweissacher Skulpturenpfad, der – seinem Namen entsprechend – „An Brücken und Wegen“ vorbeiführt: die Nummern drei („Pascal“, Manfred Martin), sechs („Kleine Stadt an der Weissach“, Jugendtreff Weissach im Tal) und neun („Gras“, Till Failmezger). Doch auch sie sollen bis spätestens Ende April weichen und Platz machen für die Kunstwerke des vierten Skulpturenpfads, der am 13. Juni mit zehn neuen Ausstellungsobjekten eröffnet werden soll. Die Dolomitskulptur „Gras“ – ein mannshoher Kalkstein, den der Steinmetz Till Failmezger nur mit einer Kettensäge bearbeitete – wird am heutigen Samstag abgeholt. Die Keramikgruppe „Kleine Stadt an der Weissach“, deren blau-rot-grüne und beigefarbene Häuschen auf der Forsthausbrücke über der Weißach thronen, werden am Montag aus dem Ortskern verschwinden. Allein die Holzskulptur „Pascal“ von Manfred Martin soll noch eine Weile am Brüdenbach gegenüber dem Rathaus sitzen bleiben.

Am vergangenen Dienstag haben Bauhofmitarbeiter bereits sieben Skulpturen abgebaut, darunter die beliebten gelben Erdmännchen des Wertheimer Künstlers Ottmar Hörl. Die 49 Zentimeter hohen Statuen haben sich im Lauf der vergangenen drei Jahre zum Publikumsliebling entwickelt. Wiederholt wurden sie von ihrem Platz an der Weißach entwendet – bis die Mitglieder des Skulpturkreises des Kulturkreises Bildungszentrum Weissacher Tal und die Gemeinde, die den Skulpturenpfad seit 2012 gemeinsam auf den Weg bringen, beschlossen, den Dieben zuvorzukommen. Der Hohlraum der Kunststofffiguren wurde mit Beton verfüllt, „trotzdem wurde eine noch mit Gewalt herausgerissen, wobei der Schwanz zu Bruch ging“, sagt Werner Drautz. Der 77-Jährige ist studierter Maschinenbauingenieur, ehemaliger Postmitarbeiter, Mitglied des Skulpturkreises. Und an diesem sonnigen Frühlingsnachmittag mit Carsten Gehring und der Weissacher Hauptamtsleiterin Madelaine Fischer – beide ebenfalls Skulpturkreis-Mitglieder – auf einer Abschiedsrunde in Unterweissach unterwegs. Der Pfad sei schon lange zu einem Teil der Gemeinde geworden, sagt Madelaine Fischer: „Als die Erdmännchen verschwunden sind, haben die Bürger richtig mitgefiebert und angerufen, um Hinweise zu geben – wie ein großes Ermittlungsteam.“ Neben Gehring und Drautz geht die 27-Jährige über die Brüdenbachbrücke.

Der Skulpturenpfad soll vor allem Künstlern aus der Region eine Plattform bieten.

Auf der Mauer neben dem „Pascal“ sitzen Kinder und essen Eis, hin und wieder geht eins zu der Holzskulptur, lehnt sich gegen deren Knie, befühlt die rauen Finger. Dagegen haben die drei Skulpturkreis-Mitglieder nichts einzuwenden. Im Gegenteil: Das Anfassen und Einbeziehen der Objekte gehört für sie zum Konzept des Skulpturpfads, der vor allem Künstlern aus der Region eine Plattform bieten soll. Die Hauptkriterien an die Ausstellungsstücke: Sie sollen drei Jahre halten und vandalismussicher sein, erklärt Carsten Gehring. Denn es komme immer wieder vor, dass Skulpturen beschädigt werden. So zum Beispiel die Schar der fast ausgestorbenen Vogelart Waldrapp, die der Künstler Walter Meyer aus Cottenweiler als Keramikfiguren mit dem Titel „Warten auf“ modellierte.

Nun geht es darum, die Standorte für die neuen Skulpturen zu schaffen. Mit den Vorbereitungen sei der Skulpturkreis gut im Zeitplan, sagt Madelaine Fischer. Welche Kunstwerke von Mitte Juni an in Unterweissach zu sehen sein werden, verraten sie, Gehring und Drautz noch nicht. Nur ein Novum kündigen die drei an: Sofern die Pandemieregelungen es zulassen, soll in diesem Jahr erstmals ein Gemeinschaftsprojekt entstehen, bei dem Kunstinteressierte mit dem Stuttgarter Performancekünstler und Bildhauer Thomas Putze zusammenschaffen sollen. Aber auch dieses Werk soll regulär nach drei Jahren wieder abmontiert und an den Künstler zurückgegeben werden.

Der turnusmäßige Wechsel ist eins der Prinzipien des Skulpturpfads, erklärt Carsten Gehring, 54, der hauptberuflich Sonderschullehrer und Schulleiter in Murrhardt ist. „Auch wenn die einzelnen Skulpturen den Bürgern und uns ans Herz wachsen und es dauert, bis sich die Leute an die neuen Ausstellungsstücke gewöhnen.“ Manche seien richtiggehend entrüstet gewesen über den Abbau, weiß Gehring. Zum Beispiel bei dem blauen „Nashorn“ (Guido Messer), das von 2012 bis 2015 am Brüdenbach stand.

Es komme oft vor, dass Bewohner auf dem Rathaus anrufen und sich nach dem Preis einzelner Werke erkundigen oder aber darum bitten, die Gemeinde möge das eine oder andere erwerben, berichtet Madelaine Fischer. Bisher wurde je ein Objekt pro Ausstellungsrunde behalten. Und manch ein Kunstwerk – etwa der „Ganz böse Hund“ (Gregor Oehmann) – steht nun vor einem Haus in Weissach. An dem Austausch der zehn Stücke soll generell jedoch nicht gerüttelt werden, sagt Carsten Gehring: „So können mehr Künstler ausgestellt werden und die Skulpturen bleiben etwas Besonderes.“

Wer mag, kann den Skulpturenpfad per Spende unterstützen. Bei der Überweisung das Stichwort „Skulpturenpfad“, den Namen und die Adresse des Spenders angeben. Das Konto ist bei der Kreissparkasse Waiblingen, IBAN DE16602500100000000354, BIC SOLADES1WBN.

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Erstellt:
24. April 2021, 16:00 Uhr

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