Zerstörung palästinensischen Lebens

Ärzte: Israel verhindert systematisch Mutterschaft in Gaza

Der Gaza-Krieg trifft Frauen und Neugeborene besonders hart. Menschenrechtler und Ärzte sehen in Israels Kriegstaktik einen Angriff auf reproduktive Rechte der Palästinenser.

Mediziner retteten ein Baby aus dem Leib einer getöteten Palästinenserin (Archivfoto).

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Mediziner retteten ein Baby aus dem Leib einer getöteten Palästinenserin (Archivfoto).

Von red/KNA

Menschenrechtler und Mediziner werfen Israel vor, während des Gaza-Kriegs systematisch die Gesundheit von palästinensischen Frauen und Kindern geschädigt zu haben. Dies komme einem gewaltsamen Eingriff in die reproduktiven Rechte gleich und damit einer Form des Völkermords, heißt es in zwei Berichten, die am Mittwoch von der "Global Human Rights Clinic" (GHRC) der Universität Chicago, den "Ärzten für Menschenrechte" (Physicians for Human Rights, PHR) und ihrem israelischen Ableger "Ärzte für Menschenrechte Israel" veröffentlicht wurden.

Die "Ärzte für Menschenrechte Israel" (PHRI) kommen zu dem Schluss, dass es nicht um Einzelfälle gehe. Die Daten offenbarten vielmehr "eine orchestrierte Realität", die darauf ausgelegt sei, einen Kreislauf des Leidens zu erzeugen sowie Überleben und Heilung zu verhindern, heißt es in ihrem Bericht "Mutterschaft unter Beschuss". Zu verheerendem Hunger kämen der Zusammenbruch der medizinischen Versorgung, anhaltende Bombardierungen und wiederholte Vertreibungen.

Vorwurf der Vorsätzlichkeit

Die Organisation bewertet die Umstände im Gazastreifen, die Schwangerschaft und Geburt übermäßig gefährlich oder unmöglich machen, als einen Aspekt der vorsätzlichen Zerstörung palästinensischen Lebens. PHRI-Dokumentationen zeigten "die absichtliche Schaffung von Lebensbedingungen (...), die darauf abzielen, das palästinensische Volk ganz oder teilweise zu vernichten". Damit falle die Gewalt möglicherweise unter die Definition von Völkermord.

Telefoninterviews mit 21 schwangeren und stillenden Frauen aus verschiedenen Teilen des Gazastreifens offenbarten "die schweren physischen, psychischen und emotionalen Belastungen für Frauen, die gezwungen sind, eine unmögliche Wahl zwischen ihrem eigenen Überleben und dem Wohlergehen ihrer Kinder zu treffen", so PHRI.

Trotz des seit Oktober 2025 geltenden, aber fragilen Waffenstillstands halte die Krise im Gazastreifen weiterhin an und treffe besonders stark Mütter und Säuglinge. Weiter verschärft werde die Lage durch Israels Bann gegen 37 internationale Hilfsorganisationen. Mit jedem Tag, den die Unterversorgung für Schwangere und Stillende anhalte, "beeinträchtigt Israel die Fortpflanzungsfähigkeit, Sicherheit und Autonomie der Palästinenser in Gaza".

Fatale Folgen für Frauen

GHRC und PHR sprechen in ihrem gemeinsamen Bericht "Zerstörung der Hoffnung auf die Zukunft" ebenfalls von einer Kriegstaktik, Elternschaft zu unterbinden. Der Bericht basiert auf 78 Interviews mit internationalen Gesundheitsdienstleistern, die zwischen Januar und Oktober 2025 im Gazastreifen tätig waren.

Frauen und Neugeborenen sei durch die Beschädigung medizinischer Infrastruktur sowie die Beschränkungen für die Einfuhr von Lebensmitteln, Medikamenten und medizinischem Bedarf "das Recht auf Zugang zu lebensrettenden medizinischen Leistungen vorenthalten" worden. Resultat sei ein "starker Anstieg der Mütter- und Neugeborenensterblichkeit, Frühgeburten, Fehlgeburten und langfristigen Schäden der Fortpflanzungsfähigkeit".

Alle drei Organisationen fordern von der israelischen Regierung, alle Beschränkungen für Hilfsgüter, Nahrung und Medikamente für den Gazastreifen aufzuheben. Ferner müsse sofort ein Zugang zu reproduktionsmedizinischer Versorgung ermöglicht werden.

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Erstellt:
14. Januar 2026, 19:38 Uhr

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