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AfD distanziert sich von Twitterkanal

Ein Unbekannter hat im Namen des Backnanger Ortsverbands radikale Thesen im Netz verbreitet.

Aufruf zur Gewalt im Namen der AfD. Die Seite wurde inzwischen gelöscht. Foto: Screenshot

Aufruf zur Gewalt im Namen der AfD. Die Seite wurde inzwischen gelöscht. Foto: Screenshot

1 Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Für US-Präsident Donald Trump ist Twitter das bevorzugte Kommunikationsmittel, auch viele deutsche Politiker auf Bundes- und Landesebene nutzen den Kurznachrichtendienst, um ihre Sicht der Dinge zu verbreiten. Auf lokaler Ebene spielt Twitter hingegen keine große Rolle. Von den Backnanger Kommunalpolitikern ist Stadtrat Volker Dyken von den Backnanger Demokraten der Einzige, der regelmäßig twittert.

Vor einer Woche tauchte bei Twitter dann plötzlich ein neuer Account mit dem Namen „AfD in Backnang“ auf, laut Beschreibungstext „Der Account für AfD news in Backnang. Gegen die brutalen linken Antifa und für das VOLK!“. Als Profilbild wurde das offizielle Parteilogo der „Alternative für Deutschland“ verwendet. Der oder die Betreiber der Seite waren auch gleich sehr aktiv: Innerhalb weniger Tage twitterten sie fast 150-mal. Viele der Inhalte, die sie verbreiteten, klangen selbst für AfD-Verhältnisse radikal. „DEUTSCHLAND DEN DEUTSCHEN!“ war dort in Großbuchstaben zu lesen und „Nieder mit der Merkeldiktatur“. Außerdem wurde die Kanzlerin als „Systemhure“ beleidigt.

Selbst ein offener Aufruf zur Gewalt fand sich unter den Tweets: „Lasst es uns einfach wie im Mittelalter machen und nutzlose Schmarotzer ins Moor werfen.“ Außerdem wurde auf dem Kanal gegen „Antifa Terroristen“ gewettert und der bekannte Verschwörungstheoretiker Attila Hildmann als „freier Denker“ gefeiert, den unsere Gesellschaft schon immer gebraucht habe. „Nur Leute wie er können Deutschland zur Wahrheit führen“, heißt es in einem der Tweets. Die Resonanz ließ nicht lange auf sich warten. Bei Twitter empörten sich zahlreiche Nutzer über die rechten Parolen. Das linke Radioprogramm Rederei FM aus Berlin postete auf seiner Facebook-Seite eine Zusammenstellung der angeblichen AfD-Tweets aus Backnang, verbunden mit dem Hinweis: „Noch Fragen?“ Der Beitrag wurde mehr als 100-mal geteilt.

Die Backnanger AfD bestreitet allerdings, dass sie hinter diesem Twitterkanal steckt. „Wir wussten von diesem Account überhaupt nichts“, erklärt Steffen Degler, Stadtrat und stellvertretender Vorsitzender des Ortsvereins Backnanger Bucht. Erst durch einen Post in einer Backnanger Facebook-Gruppe habe er davon erfahren. Wer das Konto angemeldet habe, wisse er nicht. „Es ist jedenfalls niemand aus unserem Ortsverein“, so Degler. Die auf der Seite verbreiteten Inhalte geben laut Degler auch nicht die Meinung der Backnanger AfD wieder: „Wir distanzieren uns von den meisten Dingen, die dort verbreitet werden.“ Mit den Verschwörungstheorien eines Attila Hildmann habe seine Partei zum Beispiel überhaupt nichts am Hut.

Degler erklärt, er habe über Twitter versucht, mit dem Betreiber der Seite Kontakt aufzunehmen, habe aber keine Antwort erhalten. Er wisse deshalb nicht, ob ein Mitglied oder Sympathisant der Partei eigenmächtig tätig geworden sei. Genauso gut könne er sich auch vorstellen, dass der Kanal von Aktivisten aus der linken Szene gefüttert wurde, um die Backnanger AfD zu diskreditieren.

Nachdem er von dem Twitterkanal erfahren habe, habe er sofort per E-Mail an Twitter gemeldet, dass hier ein Unbekannter unter dem Parteinamen twittere. Daraufhin wurde der Account gelöscht: Seit Donnerstag ist er bei Twitter nicht mehr zu finden. Darüber hinaus überlege man, rechtliche Schritte gegen den bislang unbekannten Betreiber der Seite einzuleiten, erklärt Steffen Degler. Die Backnanger AfD plane derzeit keinen Auftritt bei dem Kurznachrichtendienst. „Wir haben unseren Facebook-Auftritt. Das reicht für uns.“

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Erstellt:
13. Juni 2020, 06:00 Uhr

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