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Aktiv gegen den Klimawandel

Zwei Backnanger Schüler engagieren sich in der „Fridays for Future“-Bewegung – Unterstützung von den Eltern

Sie sind jung, sie sind informiert und sie streiken für ihre Zukunft: Clara-Susanna Herberts und Alexis Alexandridis sind Schüler des Backnanger Gymnasiums in der Taus – und gehören der weltweiten „Fridays for Future“-Bewegung an.

Alexis Alexandridis und Clara-Susanna Herberts haben die Hoffnung noch nicht verloren und streiken freitags für ihre Zukunft. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Alexis Alexandridis und Clara-Susanna Herberts haben die Hoffnung noch nicht verloren und streiken freitags für ihre Zukunft. Foto: A. Becher

Von Silke Latzel

BACKNANG. „Wir wollen einfach ein Zeichen setzen. So wie es derzeit ist, kann es nicht weitergehen. Die Politiker sagen alles, sie machen etwas, aber in Wahrheit passiert nichts.“ Clara-Susanna Herberts und Alexis Alexandridis sind Aktivisten der „Fridays for Future“-Bewegung. Die 13-Jährige und der 12-Jährige, die beide die 7. Klasse des Gymnasiums in der Taus besuchen, richten klare Worte an ihre Kritiker: „Demonstrieren ist ein Grundrecht in einer Demokratie und ich finde, gerade die demokratische Entwicklung von jungen Menschen sollte gefördert werden. Deshalb verstehe ich auch nicht, wieso da manche Politiker dagegen sind“, sagt Alexis. „Der Klimawandel geht uns alle etwas an.“ Und Clara-Susanna ergänzt: „Die ganzen Erwachsenen, die jetzt gegen unsere Proteste sind und nichts machen, werden die wirklich schlimmen Auswirkungen des Klimawandels gar nicht mehr erleben – aber wir und unsere Kinder und Enkelkinder.“

„Ich habe den Glauben an die Politiker verloren“

Die beiden jungen Menschen stehen beispielhaft für viele, die derzeit an Freitagen statt in die Schule zu gehen lieber auf die Straße gehen, um auf den Klimawandel aufmerksam zu machen und von der Politikern zu fordern, endlich aktiv zu werden. Mit dem Thema in Berührung gekommen sind die beiden in der Schule und zwar in den Fächern Geografie und – wer hätte das gedacht – Religion. „In Geografie lernen wir viel über das Klima. Und da haben wir schon gemerkt, dass es in der Theorie schon schlecht aussieht mit unserer Welt, aber in der Praxis wird nicht genug getan. Und in Religion hat unsere Lehrerin uns von Greta Thunberg erzählt, die sie ganz toll findet. Und das war dann irgendwie der Ausschlag, wir haben uns dann auch privat immer mehr mit dem Thema beschäftigt und viel nachgelesen dazu“, erzählt Alexis.

Das Engagement der beiden Schüler geht weit über das Streiken an Freitagen hinaus. Sie beschäftigen sich damit, wie sie selbst zum Klimaschutz betragen können. Clara-Susanna fährt beispielsweise viel mit dem Fahrrad oder läuft, auch zur Schule. Sie ist Vegetarierin und sagt: „Daheim kaufen wir überwiegend regionale Produkte in Bioqualität und Fair Trade. Und wir versuchen Strom zu sparen, haben keine Geräte auf Stand-by.“ Geflogen sei sie noch nie. „Dieses Jahr fahren wir mit den Zug in den Urlaub.“ Auch Alexis ist gerade dabei, seine Ernährung umzustellen – zum Schutz des Klimas. „Ich möchte mich in Zukunft vegan ernähren, aber das ist nicht ganz einfach. Wir essen schon keine Milch und Butter mehr, bald auch keinen Joghurt und keinen Käse.“ Auch bei ihm zu Hause wird regional, bio und saisonal eingekauft. Und er denkt viel darüber nach, was „besser“ ist: „Es würde dem Klima ja zum Beispiel gar nichts bringen, wenn wir eine Melone kaufen, die zwar bio ist, aber aus Papua-Neuguinea zu uns kommt.“ Dann doch lieber auf die Melone verzichten und saisonales Obst kaufen, das in Deutschland angebaut wird. Der Zwölfjährige kommt aus Sulzbach an der Murr und wurde früher von seinen Eltern mit dem Auto zur Bushaltestelle gebracht. „Das finde ich heute total absurd, weil es ja nicht sein muss.“ Alexis geht jetzt zu Fuß und nimmt dann den Bus zur Schule nach Backnang. „Und meinen Vater habe ich überzeugt, dass wir zu einem Öko-Stromanbieter wechseln.“

Alexis und Clara-Susanna sind überzeugt, dass die Menschheit es noch schafft, die drohende Klimakatastrophe abzuwenden. „Natürlich haben wir noch Hoffnung. Die braucht man ja auch. Sonst müssten wir gar nicht auf die Demonstrationen gehen“, sagt Alexis. Allerdings habe er bereits jetzt „den Glauben an die Politiker verloren Die achten nicht auf uns und unsere Meinung.“

Konkrete Vorschläge und Ideen, was passieren muss, damit es mit dem Klimaschutz vorangeht, haben die beiden übrigens auch: Unter anderem fordern sie, dass der öffentliche Nahverkehr ausgebaut werden muss: „Die Züge müssen pünktlicher fahren und es muss viel günstiger werden, sich ein Ticket zu kaufen. Sonst steigt niemand vom Auto auf die Bahn um“, so Clara-Susanna. „Und das muss jetzt passieren! Denn die Zukunft beginnt nicht morgen, sondern heute!“, sagt Alexis und man spürt seinen Kampfgeist.

Den Unterrichtsstoff, den die beiden freitags durch die Streiks versäumen, holen sie nach. Und bei den Lehrern, bei denen sie an diesen Tagen Unterricht haben, stoßen sie laut eigener Aussage sogar auf Verständnis. „Und auch unser Schulleiter, Herr Weisshaar, hat gesagt: ,Wieso ihr dort hingeht, das ist unantastbar.‘ Aber von Berufs wegen darf er es natürlich nicht zulassen“, erzählt Alexis.

Von ihren Eltern werden die beiden unterstützt. „Meine Mutter regt sich auch über die Leute auf, die jetzt meckern, weil wir ja für ein wichtiges Thema streiken. Viele unserer Mitschüler wollen auch, dürfen aber von zu Hause aus nicht“, sagt Clara-Susanna.

Beim ersten Backnanger Streik am vergangenen Freitag (wir berichteten) waren die beiden übrigens nicht – sie haben eine Mathearbeit geschrieben.

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Erstellt:
12. April 2019, 06:00 Uhr

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