„Alle Schulen müssen gleich behandelt werden“

Landtagswahl 2021: Bei der Digitalisierung ist Eile geboten – vor allem im Bereich Bildung, findet Daniel Lindenschmid. Der 28-Jährige tritt im Wahlkreis Backnang für die AfD an. Die neue Landtagsfraktion seiner Partei soll durch den Personalwechsel ein besseres Bild abgeben.

Um die Schulen im Prozess der Digitalisierung schneller voranzubringen, will Daniel Lindenschmid seine Expertise als Fachinformatiker im Landtag mit einbringen. Dass die Schillerschule noch nicht einmal über eine WLAN-Verbindung verfügt, sei ein Unding. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Um die Schulen im Prozess der Digitalisierung schneller voranzubringen, will Daniel Lindenschmid seine Expertise als Fachinformatiker im Landtag mit einbringen. Dass die Schillerschule noch nicht einmal über eine WLAN-Verbindung verfügt, sei ein Unding. Foto: A. Becher

Von Lorena Greppo

BACKNANG. Prompt zum Fototermin setzt der Regen ein, aber schnell knipsen und dann ins Trockene geht auch nicht – durch das Tragen einer Maske ist die Brille beschlagen. Daniel Lindenschmid zuckt mit den Achseln. So ist das eben zurzeit, geht nicht anders. „Und zum Friseur konnte ich davor auch nicht“, fügt er lachend hinzu. Den Treffpunkt vor der Backnanger Schillerschule hat Lindenschmid bewusst gewählt: „Das ist ein gutes Beispiel dafür, wo die Problematik in der Bildung liegt“, sagt der AfD-Kandidat. Das Stichwort ist Digitalisierung, als gelernter Fachinformatiker kennt sich Lindenschmid in diesem Bereich aus. Beide Themen scheinen nicht unbedingt Paradethemen seiner Partei zu sein, oder? „Das stand nur nie so im Vordergrund“, findet er. Das habe daran gelegen, dass die Bildungspolitik die Gemüter nicht ganz so erhitzt hat – zumindest vor Corona. Dadurch, dass der Unterricht nun überwiegend online stattfindet, seien viele grundlegende Probleme offenbar geworden.

Dass gerade an der Schillerschule der Netzwerkausbau ursprünglich für 2024 angedacht war, sei ein Unding. Durch ein Pilotprojekt der Ralf-Rangnick-Stiftung kommt die Bildungseinrichtung nun schon deutlich früher zum Zuge. „Ohne die Stiftung hätte es sich über Jahre gezogen. Dabei zeigt sich doch gerade jetzt, wie wichtig digitale Angebote sind“, stellt Lindenschmid fest. „Im internationalen Vergleich hinken wir hinterher.“

In der Bildung sei mehr Personal nötig.

In der Bildungspolitik hat der 28-Jährige noch weitere Ansatzpunkte für Verbesserungen: „Alle Schulen müssen gleich behandelt werden.“ Momentan sieht er die Gemeinschaftsschulen bevorzugt. „Während die Schillerschule nicht mal WLAN hat, ist die Mörikeschule mit allem ausgestattet.“ Von Bildungsgerechtigkeit könne man da kaum noch sprechen. Und überhaupt sei die Bildungseinrichtung angesichts ihrer vielen Aufgaben zu knapp besetzt. Sein Lösungsansatz: „Mehr Personal, das vom Land gestellt wird.“ Das Geld dafür sei da, ist sich Lindenschmid sicher. „Man braucht nur schauen, wie viel an Steuereinnahmen in den kommenden Jahren durch die Coronapandemie fehlen werden – das alles wurde ja bisher ausgegeben.“

Apropos Coronapandemie – wie steht der AfD-Kandidat denn zu den Querdenkern, unter denen sich auch einige seiner Parteigenossen finden? „Die Querdenker sind eine Straßenbewegung, wir wollen in den Parlamenten wirken. Die sollen ihr Ding machen und wir unseres. Eine Vermischung muss nicht sein“, sagt Lindenschmid, der sich selbst zur gemäßigten AfD zählt. Diese sieht er innerhalb der Partei im Aufwind, weshalb er auch eine Einstufung als rechtsextremistischer Verdachtsfall durch den Verfassungsschutz als ungerechtfertigt ansieht.

"Das regt mich auf" Daniel Lindenschmid (AfD)

Dass gerade die AfD im baden-württembergischen Landtag etwa durch Parteiausschlussverfahren gegen einzelne Mitglieder einige negative Schlagzeilen geliefert hat, findet auch der Landtagskandidat. „Das war nicht gut.“ Die neue Landtagsfraktion solle nach den Wahlen ein besseres Bild abgeben, so die Forderung des Backnangers. 2016 sei man noch nicht so gut organisiert gewesen. „Wir waren damals in den Umfragen bei drei Prozent, haben aber dennoch überall Kandidaten aufgestellt.“ Da sei der eine oder andere Fehlgriff dabei gewesen. „Gedeon und Räpple wären sonst nie bei uns auf die Liste gekommen.“

Der AfD ist Lindenschmid im Gründungsjahr beigetreten.

Daniel Lindenschmid selbst ist in seiner Partei fast schon Mitglied der ersten Stunde, im Gründungsjahr 2013 sei er direkt eingetreten, habe 2014 auch schon erste Ämter übernommen. Zwar habe er sich früh für politische Themen interessiert, sei aber zuvor in keiner Partei oder Jugendorganisation gewesen. „In anderen Parteien hat man als Junger nichts zu melden, aber in einer jungen Partei wird jeder gebraucht“, hebt er hervor. 2017 kandidierte Lindenschmid für die AfD bei den Bundestagswahlen. Mit Wahlkampf kennt er sich daher schon aus, auch wenn das in diesem Jahr ganz anders wird. Einen ersten Infostand habe die Partei in Backnang schon organisiert, mit Plakaten warte man noch etwas ab. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass unsere meistens nicht so lange hängen“, sagt Lindenschmid schulterzuckend. Auch mit Online-Formaten werde die AfD noch für sich werben. Dass die Kandidaten der anderen Parteien in der Region verwurzelt sind, stört Lindenschmid wenig. „Die anderen können durch die Vereine tingeln, aber ich sehe das nicht als Riesennachteil.“ Immerhin habe er fast sein gesamtes Erwachsenenleben im Rems-Murr-Kreis verbracht, kenne sich dementsprechend auch gut aus. „Es ist meine Wunschheimat“, sagt er.

Weil im Wahlkreis Backnang gerade auch der ländliche Raum eine Rolle spielt, fordert Lindenschmid etwa in Sachen Breitbandausbau mehr Anreize vonseiten der Politik. „Die großen Anbieter haben wenig Interesse daran, den Ausbau in ländlichen Gebieten voranzutreiben“, weiß er. Er wolle auf lokale Verbände zugehen und das Thema aktiv vorantreiben. „Wir müssen den Breitbandausbau angehen, es wäre fahrlässig, wenn nicht.“

Ein wichtiges Thema ist für Daniel Lindenschmid auch die innere Sicherheit – in diesem Bereich habe er mehrere Jahre lang Landtagsabgeordneten zugearbeitet. „Gerne würde ich mich auch weiter dort einbringen“, sagt er im Hinblick auf ein mögliches Landtagsmandat. Die Polizei müsse gestärkt und besser ausgestattet werden, fordert der 28-Jährige. „Die Einsatzkräfte haben keine Rückendeckung mehr durch die Politik.“ Deshalb würde etwa bei Demonstrationen oftmals nicht richtig eingegriffen. „Nach der Devise: Lieber keine Fehler machen, wird die Sache laufen gelassen.“

Beim Klimaschutz fordert Lindenschmid im Land eine Abkehr von Windenergievorhaben: „Windkraft kann im Norden sinnvoll sein, hier in Baden-Württemberg ist sie ineffektiv.“ Bevor nicht eine stabile Versorgung gewährleistet sei, spricht er sich auch gegen einen Kohleausstieg aus. „Bis andere Technologie so weit sind, müssen wir auf Kohle setzen.“ Hoffnungen setze er in die Wasserstofftechnologie. Und auch Atomstrom werde zu Unrecht verteufelt, findet der AfD-Kandidat. „Da ist man in der Entwicklung inzwischen sehr viel weiter und hat sehr sichere Kraftwerke.“

Zur Person

Daniel Lindenschmid ist a m 5. Mai 1992 in Nürtingen geboren und dort auch aufgewachsen.

In Stuttgart und Fellbach hat er die Fachhochschulreife erworben und eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration absolviert.

2013 trat Lindenschmid in die damals neu gegründete AfD ein. Ein Jahr später übernahm er in der Partei erste Ämter, 2017 kandidierte er für den Bundestag.

Seit August 2016 ist er als politisch-wissenschaftlicher Referent im Landtag von Baden-Württemberg und im Europäischen Parlament tätig gewesen. Seit 2019 ist Lindenschmid Regional- sowie Kreisrat und wohnhaft in Backnang.

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Erstellt:
12. Februar 2021, 11:30 Uhr

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