Alleine, zu zweit oder im kleinsten Kreis

Virtueller Backnanger Silvesterlauf: Corona kennt auch zum Jahresende kein Pardon, der „normale“ Silvesterlauf fällt wie viele andere Veranstaltungen flach. In Kooperation mit unserer Zeitung haben die Macher aber eine spannende Variante entwickelt.

Gehen mit gutem Beispiel voran und hoffen auf viele Nachahmer: BKZ-Redaktionsleiter Kornelius Fritz, Rolf Hettich vom Organisationsteam und BKZ-Geschäftsführerin Brigitte Janus (von links). Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Gehen mit gutem Beispiel voran und hoffen auf viele Nachahmer: BKZ-Redaktionsleiter Kornelius Fritz, Rolf Hettich vom Organisationsteam und BKZ-Geschäftsführerin Brigitte Janus (von links). Foto: A. Becher

Von Steffen Grün

Eigentlich würden derzeit die Vorbereitungen für den Backnanger Silvesterlauf auf die Zielgerade einbiegen. Einerseits die der Macher vonseiten des Förderkreises der TSG-Fußballer, die Jahr für Jahr mit viel Herzblut dafür sorgen, dass diese Veranstaltung in der Murr-Metropole ein magischer Anziehungspunkt für mittlerweile weit über 1000 Athleten aller Altersklassen sowie für Tausende von Zuschauern ist. Andererseits die der vielen Sportler, die entweder auf Spitzenplätze in den verschiedenen Wertungen schielen oder vor allem im persönlichen Duell mit der Uhr einen Erfolg erzielen wollen. Und nicht zuletzt auch die der Laufend-BKZ- Gruppe, die seit 2012 jedes Jahr ab Mitte September unter der Leitung von Brigitte Würfel mit Einsteigern und Fortgeschrittenen auf dieses Event hinarbeitet und dieses Mal ebenfalls pausieren musste.

Es wäre der 35. Silvesterlauf seit 1985 gewesen, doch zum zweiten Mal seit der Premiere musste das Organisationsteam schweren Herzens die Absage verkünden. War es 1996 eine kurzfristige Entscheidung, weil stark vereiste Streckenpassagen die Sicherheit der Sportler gefährdet hätten, herrschte wegen der Coronakrise dieses Jahr früher traurige Gewissheit. Spätestens als sich die Entscheidungsträger der Stadt mit dem Alternativkonzept, das sich die Truppe um Georg Beis, Rolf Hettich und Streckensprecher Alexander Hornauer ausgedacht hatte und das unter anderem maximal 350 Teilnehmer, getaktete Startzeiten, einen Verzicht aufs ganze Drumherum und eventuell sogar auf alle Zuschauer vorsah, nicht einmal näher beschäftigten, stand fest: 2020 geht nichts. Das war noch im Oktober und mit Blick auf die seitherige Entwicklung der Infektionszahlen und den Teil-Lockdown seit Anfang November lässt sich erahnen, dass wohl auch bei längerem Abwarten nichts anderes herausgekommen wäre.

Das wissen und akzeptieren zwar auch die Organisatoren, aber „ich bin trotzdem weiterhin enttäuscht“, gewährt Rolf Hettich einen Einblick in seine Gefühlswelt: „Meine Prognose aus dem Frühjahr, dass der Silvesterlauf möglich sein würde, traf leider nicht ein.“ Deshalb allerdings den Kopf in den Sand zu stecken, kam nicht infrage. Zumindest eine virtuelle Variante – also ein Silvesterlauf, den die Sportler unter den Bedingungen der dann gültigen Coronaregeln alleine, zu zweit oder im kleinsten Kreis und auf einer individuell wählbaren Strecke absolvieren – sollte es schon sein. „Es gab dieses Jahr schon einige virtuelle Läufe, die gezeigt haben, dass solche Formate als Alternative zu Präsenzveranstaltungen sehr gut angenommen werden“, weiß Hettich und denkt vor allem an den BKZ-Solo-Laufcup, der von Ende Mai bis Ende Juli auf eine beachtliche Resonanz gestoßen war. Mit der Idee, unsere Zeitung für den angestrebten „Virtuellen Backnanger Silvesterlauf“ als Medienpartner mit ins Boot zu holen, rannten die Organisatoren bei Brigitte Janus offene Türen ein. „Wir wollen damit an den tollen Erfolg des Solo-Laufcups anknüpfen“, sagt die BKZ-Geschäftsführerin und betont das auf gut Schwäbisch weiter geltende „Gebot der Stunde: Zammahalda und Zammamacha“. Es gehe derzeit vor allem darum, an einem Strang zu ziehen und gemeinsam etwas Gutes auf die Beine zu stellen.

Über tausend Sportler und Tausende von Zuschauern: Die Hoffnung ist, dass ein solcher Silvesterlauf 2021 wieder möglich ist. Foto: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Über tausend Sportler und Tausende von Zuschauern: Die Hoffnung ist, dass ein solcher Silvesterlauf 2021 wieder möglich ist. Foto: A. Becher

Am 25. Dezember und damit am ersten Weihnachtsfeiertag soll es losgehen, die Aktion läuft bis zum Ende des Silvestertages am 31. Dezember um 23.59 Uhr (die Details gibts im Info-Kasten). Georg Beis vom Förderkreis der TSG Backnang Fußball sieht darin „die letzte Gelegenheit, mit einem positiven Impuls aus diesem schwierigen Jahr zu gehen. Das soll Mut machen, dass es auch in schwierigen Zeiten gute Lösungen gibt“. Ungeachtet dessen spreche man bewusst nicht vom ersten virtuellen Backnanger Silvesterlauf, „weil wir natürlich alle hoffen, dass es zugleich auch der letzte ist“. Hettich ist überzeugt, dass am 31. Dezember 2021 zum 35. Mal der „normale“ Silvesterlauf über die Bühne gehen kann: „Alle Anzeichen sprechen dafür, vor allem die aktuelle Entwicklung bei den Impfstoffen.“

Für dieses Jahr ist die virtuelle Variante aber der bestmögliche Ersatz. So sehen es auch die Sponsoren, die den Läufen ihre Namen geben: Die Volksbank Backnang, die BKZ, das Betten- und Wäschehaus Windmüller, das Autohaus Möhle und die Stadtwerke Backnang blieben an Bord. Ein besonderes Anliegen ist es dem Vollblut-Ausdauersportler Rolf Hettich, die Läufer aus der Region „zu motivieren, weiter am Ball zu bleiben. Sie haben jetzt ein Ziel, auf das sie hinarbeiten können“. Wichtig war ihm in diesem Kontext, nicht nur an die Erwachsenen zu denken, sondern vor allem auch an den Nachwuchs: „Die Kinder und Jugendlichen müssen raus ins Freie, das stärkt nicht zuletzt das Immunsystem.“ Deshalb wird neben einer 5- und einer 10-Kilometer-Wertung auch der Mini-Marathon über 2,5 Kilometer angeboten. Rolf Hettichs Appell, mit den Mädchen und Jungen zu trainieren, richtet sich neben den Eltern ausdrücklich auch an die Lehrer, die bis zu den Weihnachtsferien noch Laufeinheiten in ihren Sportunterricht einbauen könnten.

Auf einen Blick: So soll der „Virtuelle Backnanger Silvesterlauf“ im Coronajahr 2020 funktionieren

Die Coronaregeln: Völlig klar muss sein, und es wird deshalb zuallererst betont, dass die zum jeweiligen Zeitplan gültigen Coronaverordnungen darüber entscheiden, was erlaubt und was verboten ist. Allen voran sind die Kontaktbeschränkungen und die Abstandsregeln zu beachten.

Die Wettbewerbe: Für die Frauen und Männer der Jahrgänge 2004 und älter gibt es eine 5- und eine 10-Kilometer-Wertung. Es ist erlaubt, auch beide Distanzen zu absolvieren und damit an beiden Wettbewerben teilzunehmen. Um auch Kindern und Jugendlichen ein Angebot zu machen, kommt der Mini-Marathon über 2,5 Kilometer mit Wertungen für Mädchen und Jungen der Jahrgänge 2005 und jünger dazu. Abgerundet wird das Portfolio von einer Teamwertung.

Die Strecken: Auf die Vorgabe eines bestimmten Kurses wird bewusst verzichtet, weil größere Menschenansammlungen in der Coronakrise unbedingt zu vermeiden sind. Das bedeutet: Jeder Teilnehmer wählt seine Route über zweieinhalb, fünf oder zehn Kilometer selbst. „Ich bin gespannt, für welche Strecken sich die Teilnehmer entscheiden“, sagt der erfahrene Silvesterlauf-Organisator Rolf Hettich und meint damit nicht in erster Linie die Distanz, sondern das Profil des Kurses. Macht es sich die Mehrheit etwas leichter als beim normalen Silvesterlauf, verzichtet auf knackige Anstiege wie etwa in der Backnanger Marktstraße und marschiert zum Beispiel am Murrufer entlang? Oder empfinden es viele Sportler als Ehrensache, mindestens einen Berg einzubauen?

Die Ergebnisse: Der Spaßcharakter steht bei der virtuellen Variante des Silvesterlaufs eindeutig im Vordergrund. Die Resultate sind allenfalls zweitrangig – schon alleine deshalb, weil die Zeiten durch die frei wählbaren und damit unterschiedlich schwierigen Strecken nur bedingt vergleichbar sind. Ergebnislisten für die einzelnen Wettbewerbe werden trotzdem geführt und zumindest in Teilen auch veröffentlicht. Sie basieren auf den Meldungen der Teilnehmer, die ihre Zeiten selbst eintragen. Dafür steht im Internet unter www.bkz.de dieselbe Plattform zur Verfügung, die bereits beim BKZ-Solo-Laufcup zum Einsatz kam. Die Ehrlichkeit der Sportler wird als selbstverständlich vorausgesetzt, der Sportsgeist verbietet Schummeleien. Ausdrücklich erlaubt ist allerdings, die einzelnen Läufe mehrmals zu absolvieren und damit auch mehrere Zeiten zu melden. In der Ergebnisliste taucht nur die jeweilige Bestzeit auf. Bei der Teamwertung gehts lediglich darum, wer die meisten Frauen und Männer, Mädchen und Buben ins Rennen schickt, die Zeiten werden nicht addiert.

Der Zeitplan: Los gehts am Freitag, 25. Dezember, und damit am ersten Weihnachtsfeiertag um 12 Uhr. Mit dem Silvestertag und dem Jahr 2020 endet am Donnerstag, 31. Dezember, um 23.59 Uhr auch der virtuelle Backnanger Silvesterlauf. Ausschließlich in diesem Zeitkorridor ist auch die BKZ-Plattform für die Ergebnismeldung geöffnet, am Neujahrstag geht nichts mehr.

Die Facebookgruppe: Bereits 432 Mitglieder tauschen sich bei „Laufen in und um Backnang“ über Themen rund um ihr Hobby aus. Auch der virtuelle Backnanger Silvesterlauf soll in dieser Facebookgruppe einen breiten Raum einnehmen. Hier bietet sich etwa die Möglichkeit, Fotos hochzuladen oder das gewählte Streckenprofil mittels einer App mit anderen Sportlern zu teilen.

Zum Artikel

Erstellt:
28. November 2020, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen