Land plant alternativen Ausbildungsstart im Februar

dpa/lsw Stuttgart. Die Corona-Krise hat Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft - auch auf den Nachwuchs: Die Zahl der Ausbildungsplätze im Südwesten geht im Jahresvergleich klar zurück. Die Politik will jetzt Abhilfe schaffen.

Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU), Wirtschaftsministerin von Baden-Württemberg. Foto: Marijan Murat/dpa/Archivbild

Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU), Wirtschaftsministerin von Baden-Württemberg. Foto: Marijan Murat/dpa/Archivbild

Die Zahl der Ausbildungsverträge im Südwesten ist coronabedingt deutlich zurückgegangen, doch ein neues Angebot soll die Situation nach dem Willen der Politik bald entschärfen. Außerplanmäßig sollen Unternehmen nun erstmals die Möglichkeit bekommen, die Ausbildung junger Menschen fernab des regulären Starttermins in diesem Herbst zeitversetzt beginnen zu lassen - und zwar im Februar 2021. Dafür sollen in den baden-württembergischen Berufsschulen dann spezielle Ausbildungsklassen gebildet werden.

Wirtschafts- und Arbeitsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) sagte am Montag in Stuttgart, dieser alternative Starttermin könne beispielsweise für Ausbildungsberufe in Hotels, Restaurants oder im Einzelhandel geeignet sein. All diese Branchen sind wie auch die Kultur von den aktuellen Corona-Auflagen erheblich betroffen, viele Unternehmen müssen zumindest im November ganz dichtmachen.

Dank des zweiten Starttermins im Februar könnten sich Betriebe aber weiter in der Ausbildung engagieren, „auch wenn sie im Herbst etwa wegen Kurzarbeit noch nicht ausbilden können“, sagte Hoffmeister-Kraut. Sie betonte: „Wir müssen in der Pandemie alles tun, um in junge Menschen und damit in die Zukunft zu investieren.“

Ausbildungen starten normalerweise im September. Zwar rücken dann auch in den folgenden Wochen und Monaten immer wieder noch viele Jugendliche nach, allerdings verkürzt sich deren Ausbildungszeit in der Regel um die verpassten Monate. Das soll nun im Rahmen des Modellversuchs laut Ministerium nicht der Fall sein.

Hintergrund dieser Initiative ist ein starker Rückgang bei Ausbildungsstellen, Neuverträgen und Bewerbern zum regulären Ausbildungsstart in diesem Herbst. Die Zahl der gemeldeten Stellen sank mit Stand Ende September im Vorjahresvergleich um 6,2 Prozent auf 77 687, die Zahl der Bewerber um 6,3 Prozent auf 59 782. Deutlich schrumpfte auch die Zahl der Neuverträge: Im Bereich der Industrie- und Handelskammern ging sie um 14,4 Prozent auf 38 056 zurück, im Handwerk um 6,7 Prozent auf 17 744. Die IHK-Bereiche Industrie, Handel und Dienstleistungsgewerbe sowie das Handwerk decken zusammen erfahrungsgemäß mehr als vier Fünftel aller Ausbildungsverträge im Südwesten ab.

Hoffmeister-Kraut begründete den Rückgang der Ausbildungsstellen nicht nur mit der Pandemie, sondern auch mit dem Strukturwandel etwa in der für Baden-Württemberg besonders wichtigen Autoindustrie. Die Entwicklung vom Verbrennungs- zum Elektromotor sorgt beispielsweise bei vielen mittelständischen Zulieferern für Zukunftssorgen. Jobs und Ausbildungsstellen wurden daher gestrichen. Im Zuge der Transformation in vielen Unternehmen habe Corona dann „wie ein Brandbeschleuniger“ gewirkt, sagte Hoffmeister-Kraut.

Allerdings: Trotz aller wirtschaftlichen Probleme gibt es weiterhin mehr Ausbildungsstellen als Bewerber. „Auch für das aktuelle, im September gestartete Ausbildungsjahr gibt es noch freie Plätze. Viele Betriebe suchen nach wie vor Auszubildende“, betonte der Regionalchef der Bundesagentur für Arbeit, Christian Rauch. Anders als noch im April zu Beginn der Corona-Pandemie befürchtet gebe es keinen Grund dafür, von einem „verlorenen Corona-Jahrgang“ zu sprechen.

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Erstellt:
9. November 2020, 12:28 Uhr

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