Neues Alzheimer-Medikament

Leqembi kommt auf den Markt

Mit Leqembi steht von Montag an auch in Deutschland ein neues Medikament gegen Alzheimer zur Verfügung. Das Mittel eignet sich aber nur für wenige Betroffene.

Bei Schauspieler Bruce Willis würde Leqembi, wie bei vielen anderen Patienten, nicht wirken: Er hat frontotemporale Demenz – und kein Alzheimer. Zudem ist seine Krankheit weit fortgeschritten.

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Bei Schauspieler Bruce Willis würde Leqembi, wie bei vielen anderen Patienten, nicht wirken: Er hat frontotemporale Demenz – und kein Alzheimer. Zudem ist seine Krankheit weit fortgeschritten.

Von Bettina Hartmann

Um es gleich zu sagen: Alzheimer ist weiterhin nicht heilbar. Und dennoch gilt das Medikament Leqembi mit dem Wirkstoff Lecanemab als großer Hoffnungsträger. „Diese neue und erstmals krankheitsmodifizierende Therapieoption ist ein Meilenstein in der Behandlung, stellt uns aber gleichzeitig vor große organisatorische und infrastrukturelle Herausforderungen“, sagt Wenzel Glanz, Leitender Arzt in der Gedächtnissprechstunde am Universitätsklinikum Magdeburg.

Von Montag an ist es auch in Deutschland auf dem Markt – und steht Ärzten somit für die Alzheimer-Therapie zur Verfügung. Deutschland ist nach Österreich, wo das Mittel bereits am 25. August in den Handel kam, das zweite Land in Europa, in dem Leqembi erhältlich ist.

Was bringt Leqembi den Patienten?

Das Präparat des Pharmaunternehmens Eisai kann die Krankheit wie gesagt nicht heilen, jedoch das Fortschreiten von Alzheimer um einige Monate verzögern – und nur, wenn es im Frühstadium verabreicht wird. Aber schon dafür dürften viele Betroffene und Angehörige dankbar sein. Keinen Nutzen davon werden Patienten mit anderen Formen von Demenzen oder fortgeschrittenem Alzheimer haben. Bei Bruce Willis (70) etwa, der eine frontotemporale Demenz hat, wäre das Mittel nicht geeignet. Seine Frau Emma Heming Willis berichtete kürzlich, dass sich der Zustand des Schauspielers weiter verschlimmert habe und er nun in Pflege lebe.

Man sollte sich zudem auch nicht vorstellen, dass man Leqembi nun einfach beim Arzt verschrieben bekommt und in der Apotheke holen kann. Die Therapie ist stattdessen an ein aufwendiges, kostspieliges Diagnose-, Behandlungs- und Überwachungsverfahren geknüpft. „Es muss unter anderem ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten und in den meisten Fällen auch mit den Angehörigen hinsichtlich des individuellen Nutzen-Risiko-Verhältnisses stattfinden“, sagt Glanz.

Warum dauerte die Zulassung von Leqembi so lang?

Vor mehr als zwei Jahren, im Januar 2023, wurde der so genannte monoklonale anti-Amyloid Antikörper Lecanemab von der US-Arzneimittelbehörde FDA zugelassen. Seither hofften Fachleute, Betroffene und Angehörige in Europa ebenfalls auf eine baldige Einführung.

Doch die Zulassung war umstritten, der Zulassungsprozess langwierig. Da Studien nicht nur einen Nutzen für eine sehr begrenzte Patientengruppe zeigten, sondern auch teils schwere Nebenwirkungen wie Hirnschwellungen oder Mikroblutungen im Gehirn belegten, wurde das Mittel zunächst abgelehnt – zur großen Enttäuschung vieler Experten. Im April 2025 kam dann von der Europäische Kommission doch noch die Zulassung.

Wie wird Leqembi angewendet?

Bei dem Mittel handelt es sich um ein Konzentrat. Damit wird eine Infusionslösung hergestellt. Zur Selbstbehandlung eignet sich das Präparat somit nicht. Es wird Patienten in spezialisierten Ambulanzen und neurologischen Praxen verabreicht und ist an bestimmte Vorgaben gebunden. „Die Gedächtnisambulanzen sind gut auf den Einsatz von Lecanemab vorbereitet und können sowohl die Diagnostik als auch die Therapie direkt umsetzen“, schätzt Peter Berlit, Neurologe und Generalsekretär, Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), die Lage ein.

Vermutlich werde von den Behörden festgelegt, dass die Behandlung nur von Ärzten durchgeführt werden darf, „die in der Alzheimer-Therapie erfahren sind – also nicht vom Hausarzt“, ist sich Frank Jessen sicher, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie und Leiter der Arbeitsgruppe Klinische Demenzforschung an der Uniklinik Köln. Die Verabreichung könnte sich in Zukunft jedoch ändern: Der Hersteller Eisai hat in den USA bereits die Zulassung eines Autoinjektors beantragt.

Welche Patienten sind geeignet?

Leqembi kann bei Patienten mit milden kognitiven Einschränkungen und in einem frühen Stadium der Alzheimer-Erkrankung zum Einsatz kommen. Die Therapie ist jedoch an Vorgaben geknüpft. So muss vor der Anwendung etwa ein Gentest gemacht werden. Da bei Patienten mit zwei Kopien des Alzheimer-Risikogens ApoE 4 auch das Risiko für schwere Nebenwirkungen erhöht ist, darf das Medikament nur bei Patienten mit nur einer oder keiner Kopie dieses Gens angewendet werden.

„Bei den Patienten dürfen unter anderem keine schwerwiegenden Gefäßerkrankungen im Gehirn vorliegen – etwa ausgeprägte Durchblutungsstörungen oder bestehende kleine Hirnblutungen. Auch die Einnahme oraler Gerinnungshemmer wie Marcumar oder neuer Antikoagulantien ist ein Ausschlussgrund“, ergänzt Klaus Fließbach, Neurologe am Universitätsklinikum Bonn. ZUdem: „Patienten, die Leqembi erhalten, müssen verpflichtend in einem Register der Herstellerfirma eingetragen werden“, betont Jessen.

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Erstellt:
31. August 2025, 19:04 Uhr
Aktualisiert:
31. August 2025, 20:56 Uhr

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