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„Am Horizont sehe ich dunkle Wolken“

Nach Sommertour: SPD-Bundestagsabgeordneter Christian Lange lobt innovative Idee, sieht aber Konjunkturabschwung kommen

Es ist Tradition: Kurz vor den Sommerferien besucht Christian Lange hiesige Betriebe und informiert sich bei Bürgermeistern über Projekte. Seinen Schwerpunkt legte der Backnanger SPD-Bundestagsabgeordnete diesmal auf den Aspekt Klima und Fördergelder. Sein Fazit: Einerseits ist Lange fasziniert von zahlreichen innovativen Ideen, andererseits sieht er Anzeichen für einen bevorstehenden Abschwung der Konjunktur.

Christian Lange (links) ließ sich vom stellvertretenden THW-Landessprecher Steffen Hoffmann über die Einsatzbereitschaft informieren. Foto: privat

Christian Lange (links) ließ sich vom stellvertretenden THW-Landessprecher Steffen Hoffmann über die Einsatzbereitschaft informieren. Foto: privat

Von Florian Muhl

BACKNANG. Seine Sommertour 2019 ist zu Ende. 19 Termine hat Lange in seinem Wahlkreis wahrgenommen, davon acht im Raum Backnang. Und warum macht er das? „Die Sommertour bedeutet für mich: Energie und Optimismus tanken und die Batterien aufladen.“ Und noch einen positiven Aspekt sieht der Bundespolitiker in seiner kleinen Rundreise: „Das Schöne am Batterienaufladen ist, dass man dabei auch geerdet wird.“

Er hat einen Eindruck und ein Gefühl dafür bekommen, „was bei uns alles geht und läuft“, und das sei in der Tat ermutigend, sagt er. Ein Aspekt bei der Auswahl seiner Stationen sei der Bereich Klima gewesen: Wo gibt es besonderes bürgerschaftliches Engagement? Ein anderes Kriterium waren Zuschüsse vom Bund, um der Frage nachzugehen: Was wird eigentlich aus den Fördergeldern?

Frisch geerdet berichtet Lange, dass er von seiner Stippvisite in Weissach im Tal besonders beeindruckt war. Dort hat sich der Sozialdemokrat über das Kooperationsprojekt „Klima Wandeln – Prima Handeln“ informiert. „Das machen die ganz toll dort“, schwärmt Lange. Und: „Es ist das einzige Projekt, das mir im Wahlkreis bekannt ist, das versucht, den ganzen Ort mitzunehmen.“ Verbundpartner seien der Verein Weissach Klimaschutz konkret, die Gemeinde und der Kreisjugendring Rems-Murr sowie der Solarverein und die Energiegemeinschaft Weissacher Tal.

„Das ist mühsam, aber die machen das mit sehr viel Enthusiasmus“

Dort mache man sich darüber Gedanken, was jeder Einzelne persönlich tun könne, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Beispielsweise würden die Teilnehmer bei den Treffen Beutel nähen, damit sie beim Einkauf auf eingeschweißtes Obst und Gemüse verzichten könnten. „Ganz praktische Sachen, aber nicht nur beim Thema Nahrung, sondern auch bei der Mode, Stichwort Upcycling“, sagt Lange. Wichtig sei der Bewusstseinswandel, den man bei den Menschen erreichen müsse. „Das ist natürlich mühsam, aber die machen das mit sehr viel Enthusiasmus.“

Auch von seinem Besuch beim Technischen Hilfswerk (THW) in Backnang sei er sehr angetan gewesen. Immerhin habe der Bund das THW bundesweit mit knapp 40 Millionen Euro in den vergangenen Jahren unterstützt, allein für die Ausstattung. Zu seiner Freude hat sich der Standort in Backnang sehr herausgeputzt, alles wirke sehr aufgeräumt und gut strukturiert mit tollen Gerätschaften. Steffen Hoffmann, Zugführer im Ortsverband Backnang und zugleich auch stellvertretender THW-Landessprecher, demonstrierte dem Abgeordneten, dass das THW jederzeit einsatzbereit sei und zu Katastrophen weltweit ausrücken könne. Lange staunt: „Da ist alles portioniert und abgewogen. Im Einsatzfall ziehen sie alles Nötige nur noch aus den Regalen – ab in den Laster und weg zum Flughafen.“ Da seien die Fördergelder vom Bund gut angelegt.

In Backnang schaute Lange auch beim größten Arbeitgeber am Ort vorbei, bei der Tesat-Spacecom, und ließ sich nicht nur von Firmenchef Marc Steckling und Technikchef Ralf Zimmermann über den aktuellen Stand des Unternehmens informieren, sondern traf auch Vertreter des Betriebsrats. „Das ist mir wichtig, dass ich immer beide höre – Geschäftsführung und Betriebsrat“, betont der Abgeordnete. Sein erfreulicher Eindruck war, dass beide Seiten offensichtlich Hand in Hand arbeiten und sich gemeinsam überlegen würden, wie man schwierige Zeiten meistern könne. Sie hätten das auch im vergangenen Jahr bewiesen.

Von ganz groß zu ganz klein: Mit acht Mann ist die Firma Tippl in Kirchberg an der Murr ein sehr überschaubarer Betrieb. Die Spezialisten in Sachen Beschriftungssysteme spritzen beispielsweise auf Flaschenetiketten berührungslos das Herstellungsdatum auf. Das Unternehmen erhielt eine Förderung vom Bundesforschungsministerium. Lange zeigte sich beeindruckt von den innovativen Ideen, mit denen die Kirchberger künftig punkten wollen.

Zudem hatte der Sozialdemokrat noch drei Kommunen auf seiner Sommertourliste stehen. Jeweils von den Bürgermeistern ließ er sich den aktuellen Stand der Breitbandversorgung erläutern, der ihn in allen Fällen zufrieden stimmte. In Sulzbach an der Murr schaute sich Lange noch die Umbauarbeiten am Bahnhof an, in Murrhardt ließ er sich durch die marode Walterichshalle führen, die durch einen Neubau ersetzt werden soll, und in Althütte erhielt er einen Einblick in den Erweiterungsbau des evangelischen Kindergartens. Letzte Station war das Treffen der SPD Weissacher Tal auf dem Freizeitgelände Hörnle in Allmersbach.

So begeistert Lange von den Ideen der Tüftler und Denker in seinem Wahlkreis war, so deutliche Worte fand er zur Konjunktur: „Am Horizont sehe ich dunkle Wolken. Ich gehe davon aus, dass wir Ende des Jahres in vielen Bereichen, vorwiegend im Automobilsektor, über Kurzarbeit reden.“ Das zeichne sich bereits seit einiger Zeit deutlich ab. Die Gründe dafür sieht Lange im Umstieg in die E-Mobilität sowie im Brexit und im Handelskrieg zwischen China und den USA.

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Erstellt:
20. Juli 2019, 11:30 Uhr

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