An der Geschichte der „kleinen“ Leute interessiert

Er hat das Bundesverdienstkreuz, ist Ehrenbürger und langjähriger Archivar von Allmersbach im Tal. Morgen wird Erich Bauer 90.

Erich Bauer feiert morgen seinen 90. Geburtstag.Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Erich Bauer feiert morgen seinen 90. Geburtstag.Foto: J. Fiedler

Von Renate Schweizer

ALLMERSBACH IM TAL. Nun wird er also 90. Erich Bauer, der Vielgeehrte, Träger des Bundesverdienstkreuzes, Ehrenbürger von Allmersbach im Tal, SPD-Urgestein, Träger der Allmersbacher Bürgermedaille, Mitbegründer des SPD-Ortsvereins Weissacher Tal und später dort Ehrenvorsitzender, ehemaliger Vorsitzender des Kreisverbands der GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft), langjähriger Gemeinderat in Allmersbach (1968 bis 1993), ehrenamtlicher Archivar, Historiker, Lehrer, Schulrat... – die Liste will kein Ende nehmen.

Er hat sie nur auf Drängen der BKZ zusammengestellt, ohne Jahreszahlen und ohne Kommentar, und das halb und ganz Private erwähnt er gar nicht: Ehemann, Vater von vier Kindern, begeisterter Gärtner, manischer Leser, rühriges Mitglied der evangelischen Kirchengemeinde, Witwer seit mehr als 20 Jahren, und Autor eines der ersten Bücher über die Judenverfolgung, das im Nachkriegs-Baden-Württemberg erschienen ist. Es heißt „Die Geschichte der jüdischen Minderheit in Archshofen“ – aber er erzählt gerne davon, man muss nur kommen und fragen.

Dann sitzt man im gemütlichen Wintergarten, „den hat meine Frau Gertrud noch anbauen lassen, als wir beide in den Ruhestand gingen“, und tatsächlich, sie ist ganz gegenwärtig – nicht nur in dem schönen Raum mit Ausblick ins Grüne, sondern auch und vor allem in den Geschichten, die er erzählt. Er kannte sie schon seit der Zeit in der evangelischen Oberschule in Michelbach, näher kam man sich dann aber erst bei der täglichen Zugfahrt nach Stuttgart zum Pädagogischen Institut (heute Pädagogische Hochschule in Ludwigsburg), wo sie beide fürs Lehramt studierten.

Sie war es auch, die den Anstoß zum (ersten) Buch gab. Da waren sie beide, nach ersten Lehr- und Wanderjahren, im Taubertal tätig. „In meinem Klassenzimmer sind an der Wand so besondere Schmuckstücke und Symbole“, erzählte Gertrud eines Tages, „kannst du nicht mal herausfinden, was das ist?“ Er machte sich dran an allen Wochenenden und in allen Ferien, fuhr ins Archiv nach Würzburg und Nürnberg, stöberte und forschte. „Das war ja Anfang der 60er-Jahre“, erzählt er, „die Nazis waren noch da und überall.“

Das Klassenzimmer mit den besonderen Schmuckstücken war die ehemalige Synagoge der kleinen jüdischen Gemeinde in Archshofen (jetzt Ortsteil von Creglingen) gewesen. Heute ist dort ein Museum für jüdische Geschichte und 2010 hat ihn eine jüdische Gemeinde zu sich nach New York eingeladen – aber da war er schon fast 80 und alleine und ist nicht mehr hingefahren.

Es ist die Geschichte der „kleinen“ Leute, die ihn sein Leben lang interessiert hat. Glück für Allmersbach, wo die Familie mit inzwischen vier Kindern seit 1968 wohnte: Über das Leben der Menschen und ihre Geschichte in Allmersbach und im Weissacher Tal, über die Nazizeit (seine Kindheit) in Backnang und soziale Fragen hat er sein Leben lang geforscht und geschrieben, er weiß absolut alles darüber und ist sich für nichts zu schade. Er ist stolz auf sein Ehrenamt als Archivar des Altarchivs Allmersbach, er hat es aufgebaut und es steht auf seiner Ehrenliste gleich neben dem Bundesverdienstkreuz.

Langjähriges Mitglied im Allmersbacher Gemeinderat.

Kaum waren sie in Allmersbach angekommen, wurde er auch schon in den Gemeinderat gewählt, gleichzeitig engagierte sich das Ehepaar in der Kirchengemeinde. „Das hab ich nicht gewusst, dass ein Sozi gleichzeitig Christ sein kann“, brummte der damalige Schultes, Wilhelm Schadt – aber das konnte und kann Erich Bauer nun wirklich ganz entspannt.

Worauf er besonders stolz ist? Da kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: „Auf meine Kinder!“ Wie schön, wenn einer das sagen kann, der sich so viele Verdienste erworben hat.

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Erstellt:
1. April 2021, 16:00 Uhr

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