Arbeiten in der Region Stuttgart

Anrufe im Urlaub und teure Parkplätze: Was Pflegekräfte bemängeln

Welche Probleme Pflege- und Gesundheitskräfte am häufigsten nennen – und welche Rolle Parkplätze spielen. Wir wollen auch Ihre Erfahrungen hören – melden Sie sich bei uns!

Pflegerinnen und Pfleger werden dringend gebraucht. Doch gerade der Personalmangel führt dazu, dass die Arbeitsbedingungen schlecht sind.

© Marijan Murat/dpa/dpa-tmn

Pflegerinnen und Pfleger werden dringend gebraucht. Doch gerade der Personalmangel führt dazu, dass die Arbeitsbedingungen schlecht sind.

Von Chiara Sterk

Lange Schichten, Personalmangel und das ständige Einspringen bei Ausfällen gehören für viele Beschäftigte in der Pflege- und Gesundheitsbranche zum Alltag. In anonymen Kununu-Bewertungen schildern sie jedoch nicht nur strukturelle Probleme wie Arbeitsbelastung und Personalknappheit, sondern auch ganz praktische Hürden – etwa fehlende oder teure Parkplätze. Eine Auswertung von Online-Bewertungen zeigt, welche Probleme Beschäftigte in der Region Stuttgart am häufigsten nennen.

Dafür hat unsere Zeitung die auf der spezialisierten Onlineplattform Kununu hinterlassenen Bewertungen aus dem Bereich Gesundheit und Pflege in der Region Stuttgart aus dem Zeitraum 2023 bis Herbst 2025 betrachtet und Schwerpunkte herausgearbeitet. Die Werte sind nicht repräsentativ für die Branche, weil jede und jeder dort Bewertungen seines Arbeitgebers hinterlassen kann. Kununu behauptet jedoch, die Einträge zu prüfen und gegebenenfalls Nachweise zu verlangen, dass man dort tatsächlich gearbeitet hat.

Hauptkritikpunkt eins ist die schlechte Vereinbarkeit des Berufs mit dem Privatleben. Viele Pflegekräfte berichten von einem erheblichen Ungleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben. Wegen des Personalmangels seien „ständiges Einspringen und Doppelschichten keine Seltenheit“, wie jemand von den Kleeblatt Pflegeheimen in Ludwigsburg im März 2025 berichtet. Aus dem Böblinger Krankenhaus des Klinikverbund Südwest kommentiert jemand anderes: „Schichtdienst, Überstunden und Stress ermöglichen eine Work-Life-Balance kaum.“

Der Kleeblatt-Geschäftsführer Stefan Ebert sagt dazu, dass Doppelschichten „nicht der Regelfall sind“ und „nur in Ausnahmefällen, im Rahmen der gesetzlichen und tariflichen Vorgaben sowie nach individueller Abstimmung eingesetzt werden.“ Weil sie in den Kleeblatt-Pflegeheimen kleinere Teams als in größeren Häusern haben, merke man Ausfälle dort oft stärker.

Ständiges Einspringen und Anrufe im Urlaub

Mitarbeitende des Klinikverbund Südwest aus Sindelfingen berichteten im Mai 2025 zudem davon, „sogar im frei oder im Urlaub wird man angerufen oder angeschrieben.“ Auch bei der Evangelischen Heimstiftung in Vaihingen an der Enz und Schorndorf wurde das kritisiert: „auf frei ist kein Verlass.“

Ein Sprecher des Klinikverbunds betont, dass Mitarbeitende nicht systematisch im Urlaub kontaktiert würden. Dienstpläne würden zwei Monate im Voraus erstellt, kurzfristige Ausfälle über verbundweite Springerpools abgefedert. Zudem gebe es flexible Arbeitszeitmodelle, darunter in einzelnen Bereichen eine 4-Tage-Woche, etwa im Kreißsaal Böblingen und in der Zentralen Notaufnahme Leonberg. Bei der Evangelischen Heimstiftung erläutert eine Sprecherin, dass die Dienstpläne durch den Einbezug von Springern und Bereitschaftsdiensten in den vergangenen Jahren verlässlicher gestaltet wurden. Flexible Arbeitszeiten würden dort zudem mithilfe der App Planerio erprobt, die individuelle Wünsche, gesetzliche Vorgaben und fachliche Anforderungen berücksichtige.

Wenige, teure Parkplätze und teils schlechte Anbindung

Der zweite Hauptkritikpunkt sind eine teils schlechte Anbindung an den Nahverkehr und die Parkmöglichkeiten. In Stuttgarter Kliniken sind Parkplätze rar. „Die Anbindung an den ÖPNV ist eher schlecht bis bescheiden und natürlich völlig unzuverlässig. Leider bleibt viel zu viel Zeit auf dem Weg“, schrieb jemand im November 2023 zur Lage am Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK). Eine Person schreibt im September 2024 übers Klinikum Stuttgart: „50€ im Monat für die viel zu wenigen Mitarbeiterparkplätze ist unverschämt.“

Bislang zahlen Mitarbeitende des RBK mit Parkberechtigung 25 Euro pro Monat am Burgholzhof und 35,70 Euro am Standort City. „Damit liegen wir deutlich unter den Gebühren anderer Stuttgarter Kliniken“, betont der Geschäftsführer Mark Dominik Alscher. Die Parkplatzengpässe hätten laut auch mit aktuellen Bauprojekten wie dem neuen Klinikum am Burgholzhof zu tun. Als Alternative stünden dafür Parkplätze beim TV Cannstatt, am Theaterhaus oder am Aussichtsturm zur Verfügung. Zudem seien, sofern medizinisch möglich, interne Abläufe angepasst und saisonale Shuttle-Services eingerichtet worden. Entlastung soll eine 2027 fertiggestellte Tiefgarage bringen. Zudem prüft das RBK eine bessere Verkehrsanbindung an den Burgholzhof über eine Seilbahn.

Die dritte Kritik bezieht sich auf Parkplatzgebühren. Am Klinikum Stuttgart erklärt ein Sprecher, dass sich die Parkgebühren nach der Höhe des Gehalts und dem Beschäftigungsumfang richten. Zudem würden die Parkplätze nach verschiedenen Faktoren vergeben werden – etwa den Wegezeiten, ob die Tätigkeit im Schichtdienst ausgeübt wird, ob Kinder beziehungsweise Angehörige betreut oder gepflegt werden.

Immer wieder geht es in den Kununu-Rezensionen um Parkplatzgebühren. „Es kann nicht sein, dass man als Teilzeitkraft mit beispielsweise 51 % den vollen Preis wie eine 100 % -Kraft bezahlen muss. Es gibt Mitarbeiter/innen, die aufgrund schlechter Anbindung, Schichtarbeit oder Schwerbehinderung auf den PKW angewiesen sind“, bemängelte jemand im April 2023 zur Lage im Stuttgarter Marienhospital. Eine Stellungnahme dazu ließ die Klinik unbeantwortet.

Bei den Ludwigsburger Kleeblatt-Pflegeheimen bemerkte jemand im März diesen Jahres, dass Chefs umsonst parken dürften, normale Mitarbeiter hingegen ihre Parkgebühren selber bezahlen müssten. Der Geschäftsführer der Kleeblatt Pflegeheime in Ludwigsburg, Stefan Ebert, erklärt dazu: „In der Verwaltung können Führungskräfte einen festen Stellplatz nutzen. Diese Regelung ist organisatorisch begründet und nicht als Privileg im Sinne einer Ungleichbehandlung gedacht – sondern liegt daran, dass diese Führungskräfte häufig auswärts Termine wahrnehmen oder zwischen Standorten unterwegs sind.“

Haben Sie Hinweise, Unterlagen oder Beobachtungen, die auf Missstände hinweisen, sei es in der Pflege- und Gesundheitsbranche oder anderswo? Über diese Email-Adresse können Sie uns ganz einfach kontaktieren. Hier lesen Sie außerdem, wie wir arbeiten – und auf welchem Wege Sie uns sicher kontaktieren und Informationen übermitteln können.

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Erstellt:
27. Januar 2026, 09:40 Uhr

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