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Antiterroreinsatz in Mannheim erprobt

dpa/lsw Mannheim. Üben für das, was niemals eintreten soll: 150 Einsatzkräfte probten in Mannheim den Ernstfall eines geplanten Attentats mit biologischen Kampfstoffen.

Ralf Michelfelder, der Präsident des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg, spricht während eines Interviews. Foto: Bernd Weissbrod/Archiv

Ralf Michelfelder, der Präsident des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg, spricht während eines Interviews. Foto: Bernd Weissbrod/Archiv

Eine islamistische Zelle experimentiert für einen Anschlag mit dem tödlichen Gift Rizin und dem Pesterreger in einem Mehrfamilienhaus - den Einsatz in diesem fiktiven Szenario haben am Donnerstag in Mannheim 150 Spezialkräfte geprobt. In der Realität hatte sich Mitte vergangenen Jahres in Köln ein ähnlicher Fall ereignet. Beteiligt waren bei der nach einer römischen Gottheit genannten Besonderen Alltagsorganisation (BAO) Salus (lat. Wohl) Polizei, Staatsanwaltschaft, Feuerwehr, Katastrophenschutz und öffentlicher Gesundheitsdienst. Die erste Übung ihrer Art im Südwesten weckte internationales Interesse. Unter den 200 Beobachtern waren auch Behördenvertreter aus Bulgarien und Israel.

Der Präsident des Landeskriminalamtes, Ralf Michelfelder, sagte, polizeiliche Arbeit basiere auf Handlungssicherheit und diese entstehe aus Routine. „Es gibt aber auch Situationen wie diese, wo wir glücklicherweise die Routine nicht erhalten im Alltag, und dann müssen wir das kompensieren durch Übungen.“ Jede der beteiligten Organisationen habe für sich gute Einsatzpläne. „Die Frage ist aber, funktioniert das Miteinander?“ Bei anderen häufigeren Übungen würden die verschiedenen Organisationen ihre jeweilige Einsatzfähigkeit erproben - dabei würden die Schnittstellen aber nicht auf den Prüfstand gestellt. Die Auswertung von BAO Salus findet einen Tag nach der Übung statt.

In Kürze wird in der Landeserstaufnahmeeinrichtung Sigmaringen mit 200 Einsatzkräften die Bewältigung von Großbränden in öffentlichen Gebäuden erprobt. Eine weitere Antiterrorübung mit der Bundeswehr und mehreren Tausend Beteiligten ist Mitte Oktober in Stetten am kalten Markt geplant.

Michelfelder und Innenminister Thomas Strobl (CDU) betonten, es gebe keinerlei Hinweise auf konkrete Bedrohungen. Man wolle niemandem Angst machen, aber auf den Ernstfall vorbereitet sein. Ralph Rudolph von der Analytischen Task Force, die die chemischen, biologischen oder radioaktiven Stoffe bestimmen kann, sagte: „Es ist ein großer Erfolg, die anderen involvierten Menschen kennenzulernen und Gesichter zuordnen zu können und zu erfahren, wen man in welchem Fall ansprechen muss.“

In der Übung entschärften Sondereinsatzkräfte der Polizei die Sprengstoffweste, die in der Wohnung der zuvor festgenommenen Attentäter gefunden wurde. Sie stellten Spuren sicher und übergaben die Informationen an die Ermittler. Die Feuerwehr dekontaminierte die Beweismittel, Tatverdächtige, Anwohner und eingesetzte Kräfte. Die Analytische Task Force bestimmte die entdeckten Kampfstoffe. Das örtliche Gesundheitsamt untersuchte die Tatverdächtigen, alle Anwohner sowie alle Einsatzkräfte und schickte sie zu Behandlung in die ebenfalls vertretene Heidelberger Uni-Klinik. Ansprechpartner für strafrechtliche Fragen und Entscheidungen war die Staatsanwaltschaft Mannheim.

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Erstellt:
26. September 2019, 17:52 Uhr

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