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Anwohner fordern: Runter vom Gaspedal

In vielen Gemeinden im Rems-Murr-Kreis werden die Tempolimits auf Hauptverkehrsstraßen auf 30 Stundenkilometer gesenkt

Tempo 50 ade. Immer mehr Kommunen im Rems-Murr-Kreis haben keine 50er-Zone mehr oder beantragen, dass die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf ihren Hauptverkehrsstraßen gesenkt wird. Die Gründe für die Forderungen nach niedrigeren Geschwindigkeitsbeschränkungen sind unterschiedlich.

In Sechselberg ist während der Schulzeit nur Tempo 30 erlaubt. Abends und am Wochenende liegt das Limit bei 50 Kilometer pro Stunde.

© Pressefotografie Alexander Beche

In Sechselberg ist während der Schulzeit nur Tempo 30 erlaubt. Abends und am Wochenende liegt das Limit bei 50 Kilometer pro Stunde.

Von Philip Kearney

BACKNANG. Während einige Kommunen im Kreis für Tempo 30 plädieren, heißt es für die Verkehrsteilnehmer in Backnang an etlichen Stellen Tempo 40 statt 50. Diese Devise verfolgt die Stadt schon seit vielen Jahren, zumindest was ihre Haupterschließungsstraßen anbelangt. Die Gründe für die Senkung der Tempolimits um lediglich 10 statt wie vielerorts üblich um 20 Kilometer pro Stunde sind vielseitig und hängen auch vom jeweiligen Standort ab, lässt Ordnungsamtsleiterin Gisela Blumer wissen.

In der Eugen-Adolff-Straße beispielsweise soll die neue Geschwindigkeitsbegrenzung vorrangig dazu beitragen, die zu hohen Stickoxidwerte zu senken. Zwar ergaben Untersuchungen der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg 2012, dass 30 oder 40 Kilometer pro Stunde nicht zwangsläufig besser für die Luftqualität sind als 50 Stundenkilometer. Das gilt allerdings nicht für Straßen mit Gefälle oder solche mit gestörtem Verkehrsfluss. Beide Ausnahmen treffen auf die Eugen-Adolff-Straße zu. In der Talstraße sind es laut Blumer Sicherheitsbedenken, die dazu führen, dass die Höchstgeschwindigkeit auch nach Abschluss der Bauarbeiten bei 40 Kilometer pro Stunde bleiben wird.

In der Talstraße gilt in Zukunft Tempo 40

Eine niedrigere Höchstgeschwindigkeit wünschen sich derzeit auch die Anwohner der Hauptstraße in Erbstetten. Geht es nach ihnen, soll die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 auf 30 Stundenkilometer gesenkt werden. Außerorts genehmigte das Straßenverkehrsamt bereits eine erhebliche Geschwindigkeitsreduzierung. Auf der Burgstaller Straße, die die Ortsteile Burgstall und Erbstetten miteinander verbindet, beträgt das Tempolimit nur noch 70 statt zuvor 100 Kilometer pro Stunde. Spürbare Auswirkungen auf den Verkehr konnte Hauptamtsleiterin Steffi Lämmle durch diese Maßnahme nicht feststellen. Um alle ihre Einwohner vor Verkehrslärm schützen zu können, spielt die Gemeinde mit dem Gedanken, einen Lärmaktionsplan zu erstellen. Für diesen holt sie zurzeit Angebote ein.

Wenn Geschwindigkeitsbeschränkungen hauptsächlich dem Lärmschutz dienen, ist das Regierungspräsidium zuständig. Ansonsten ordnet die jeweilige Straßenverkehrsbehörde im Einvernehmen mit der Gemeinde neue Tempolimits an. Anderswo ist schon das gesamte Dorf eine Tempo-30-Zone. Zum Beispiel in Allmersbach. Dort benötigen die Autofahrer innerorts nur noch drei Gänge, selbst auf der Hauptstraße.

In Althütte gestaltet sich das Tempolimit innerorts etwas komplexer. Statt einer einzigen Begrenzung verfügt die Hauptverkehrsstraße des Ortsteils Sechselberg über drei verschiedene Beschränkungen. Aus Sicherheitsgründen ist der Abschnitt rund um die Grundschule und den Kindergarten, wie in vielen Kommunen üblich, auf 30 Kilometer pro Stunde begrenzt. In einem weiteren Bereich der Straße gilt Tempo 40. Der Zeitverlust innerhalb dieses Abschnitts beläuft sich lediglich auf fünf bis acht Sekunden. Dies ergaben zumindest die Messungen von Bürgermeister Reinhold Sczuka.

„Ich habe den Eindruck, dass sich daran gehalten wird“, antwortet Sczuka auf die Frage, wie die Verkehrsteilnehmer auf die Änderungen reagiert haben. Immerhin hätten sich neben der Gemeinde auch Bürger dafür eingesetzt. Außerhalb der Öffnungszeiten des Kindergartens und der Schule gilt Tempo 50 statt 30.

In Kirchberg entschloss man sich vor einigen Jahren dazu, die zulässige Höchstgeschwindigkeit rund um das Rathaus von 50 auf 30 Stundenkilometer zu verringern. Schuld sei die „unübersichtliche und kurvenreiche Lage mit vielen Kreuzungen“ gewesen, lässt die Gemeindeverwaltung wissen. Weitere Tempobeschränkungen plant Kirchberg derzeit nicht. Anders sieht dies in Großerlach aus. Dort wird es bald neue Tempolimits geben. Dann soll in allen Wohngebieten nur noch maximal Tempo 30 erlaubt sein.

Großerlachs Bürgermeister will Verkehr auf der B14 bremsen

Als Gründe führt Bürgermeister Christoph Jäger den Lärmschutz und die Sicherheit der Anwohner an. Der Antrag für die Geschwindigkeitsbegrenzung im Wohngebiet ist bereits genehmigt, nur die Umsetzung steht noch aus. Diese scheitert bislang am Personalmangel bei der Gemeinde. Die Anwohner müssen sich deshalb noch etwas gedulden, bis ihr Wohngebiet neue Markierungen und Schilder erhält.

Weniger erfolgreich war die Gemeinde bislang mit ihren Anträgen, was die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf der B14 betrifft, die mitten durch das Dorf verläuft. Jegliche Forderungen lehnte das Regierungspräsidium bisher ab. Denn laut Straßenverkehrsordnung sind Geschwindigkeitsbegrenzungen bei Straßen des überörtlichen Verkehrs nur dann möglich, wenn eine besondere Gefahrenstelle vorliegt. Geht es nach Jäger, sollen zukünftig am Ortseingang nur noch 70 statt 100 Kilometer pro Stunde gefahren werden dürfen. Innerorts wäre der Bürgermeister bereits mit Geschwindigkeiten von maximal 40 Stundenkilometern zufrieden. Am Ortsausgang plädiert er wiederum für Tempo 50 statt 70.

Auf der B14 in Großerlach ist derzeit Tempo 50 erlaubt, hinter dem Ortsschild sogar Tempo 70. Anwohner und Bürgermeister wünschen sich geringere Tempolimits. Fotos: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Auf der B14 in Großerlach ist derzeit Tempo 50 erlaubt, hinter dem Ortsschild sogar Tempo 70. Anwohner und Bürgermeister wünschen sich geringere Tempolimits. Fotos: A. Becher

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Erstellt:
9. September 2019, 06:00 Uhr

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