Forderungen nach höheren Investitionen in Kliniken

dpa/lsw Karlsruhe. Aufgrund der Pandemie steht die künftige Landesregierung vor einer schwierigen Finanzlage. Einsparungen bei den Kliniken erteilen Vertreter des Gesundheitswesens eine klare Absage - sie fordern vielmehr das Gegenteil.

Johannes Bauernfeind, der Vorstandsvorsitzende der AOK Baden-Württemberg, schaut in die Kamera. Foto: Thomas Kienzle /AOK Baden-Württemberg/dpa

Johannes Bauernfeind, der Vorstandsvorsitzende der AOK Baden-Württemberg, schaut in die Kamera. Foto: Thomas Kienzle /AOK Baden-Württemberg/dpa

Die Krankenhäuser im Südwesten müssen nach Ansicht von Vertretern des Gesundheitswesens auch in den Jahren nach der Pandemie finanziell gut ausgestattet werden. Der AOK-Landeschef Johannes Bauernfeind forderte von der unter Sparzwang stehenden künftigen Landesregierung am Mittwoch weiter hohe Investitionen in die Krankenhäuser im Land.

Die Krankenhausplanung sei in der vergangenen Legislaturperiode sehr wirksam angegangen worden, sagte Bauernfeind den „Badischen Neuesten Nachrichten“ (Mittwoch). „Ich erwarte vom Land, dieses Thema konsequent weiterzuverfolgen und auch das Investitionsvolumen aufrecht zu erhalten.“ Nach Möglichkeit sollten die Investitionen sogar ausgebaut werden. Sie sollten aus Sicht Bauernfeinds bei fünf bis acht Prozent des Umsatzes liegen. „Und wir sind eher unter fünf Prozent“, sagte Bauernfeind dem Blatt.

Sparpotenzial sieht der AOK-Landeschef dagegen in einer weiteren Zentralisierung von Krankenhäusern. Die Pflegekräfte seien in der Pandemie exorbitant belastet. „Wir haben hier eine äußerst knappe Ressource. So etwas ist in Zentren ebenfalls eher zu organisieren als in kleinen Krankenhäusern.“ Je größer man die Einheiten mache, desto eher habe man die Chance, diese Ressourcen effizient zu nutzen und flexibel einzusetzen.

Der Vorstandsvorsitzende der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG), Detlef Piepenburg, teilte mit, es sei wichtig, auch in den kommenden Jahren am Ausbau der Fördermittel festzuhalten, um der Finanzierung des tatsächlichen Bedarfs näher zu kommen. Dazu müssten die Investitionen auf 750 Millionen Euro pro Jahr aufgestockt werden, so Piepenburg.

Dem Appell für mehr Investitionen schloss sich der Präsident des Landkreistags Baden-Württemberg an. Der Tübinger Landrat Joachim Walter (CDU) teilte mit, trotz erfreulicher Zuwächse in den vergangenen Jahren müssten die vom Land für die Krankenhäuser bereitgestellten Investitionsmittel weiter erhöht werden, damit das gute Versorgungsniveau im Südwesten gehalten werden könne. Walter sieht sonst die Gefahr, dass Baden-Württemberg bei der Digitalisierung der Krankenhäuser den Anschluss verliert.

Mit Blick auf die Effizienz der Kliniken im Südwesten wiesen sowohl Piepenburg als auch Walter darauf hin, dass Baden-Württemberg derzeit die bundesweit geringste Anzahl an Krankenhausbetten pro 100 000 Einwohner habe.

© dpa-infocom, dpa:210428-99-382145/3

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Erstellt:
28. April 2021, 08:33 Uhr

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