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Arbeiten zwischenBett und Schreibtisch

Ist Homeoffice Sozial-Klimbimoder ein wichtiger Trumpf im Kampf um die klügsten Köpfe?

Home-Office - Wer gutes Personal will, muss heutzutage schon mehr bieten als die pünktliche Überweisung des Gehalts. Dazu gehört auch Home-Office, meint Simon Rilling.

Homeoffice? Klingt gut! Der Chef: weit weg. Die hustende Kollegin ebenfalls. Kein Stau, kein Stress. Stattdessen: selbstbestimmtes Arbeiten, grenzenlose Flexibilität, eine ausgewogene Work-Life-Balance – und wenn das Kind krank wird, ist es auch kein Beinbruch. Für andere klingt Homeoffice dagegen nach Arbeitsvermeidung im Pyjama, Kontrollverlust und sinkender Effizienz. Das Dumme ist: Beide Seiten haben gute Gründe so zu denken, denn nicht jedermann ist für die Arbeit zwischen Bett und Schreibtisch gemacht. Zumal die Klagen über zunehmende Vereinsamung, fehlende Impulse und mangelnde Kommunikation beileibe nicht nur von Chefs in verwaisten Großraumbüros kommen.

Der Nutzen von Homeoffice ist dennoch unbestritten. Zahlreiche Studien belegen, dass Heimarbeit die Effizienz eines Unternehmens erhöht. Zwar erliegt mancher der Versuchung, zu Hause die Füße hochzulegen, statt zu arbeiten, meist ist jedoch das Gegenteil der Fall. Genießt ein Mitarbeiter das Vertrauen seines Chefs, neigt er eher zur Selbstausbeutung als zur Faulenzerei. Wer zwischendurch das Kind vom Kindergarten abholt, wird, von schlechtem Gewissen geplagt, im Zweifelsfall eher zu viel denn zu wenig Zeit nacharbeiten, um das in ihn gesetzte Vertrauen nicht zu missbrauchen. Vor allem, wenn das Kind auf dem Rückweg mal wieder getrödelt hat.

Angesichts einer rasant alternden Gesellschaft, zunehmendem Verkehr und akutem Fachkräftemangel stellt sich die Frage, ob Homeoffice eine sinnvolle Option ist oder unnützer Sozial-Klimbim, ohnehin nicht mehr. Wer heutzutage gutes Personal will, muss mehr bieten als die pünktliche Überweisung des Gehalts und warme Worte zu Weihnachten. Während frühere Generationen ihr Arbeitsleben ergeben erduldeten, sind die Mitarbeiter von heute wählerischer.

Im Wettbewerb um die klügsten Köpfe ist Homeoffice nur eine Vergünstigung unter vielen. Doch der Umstand, dass das klassische Familienbild nicht mehr ganz so klassisch ist wie einst und um mehrere Varianten erweitert wurde, macht eigenverantwortliches Arbeiten zu Hause inzwischen zu einem ganz entscheidenden Faktor. Ermöglicht es alleinerziehenden Müttern und Vätern doch die bessere Vereinbarkeit von Kind und Beruf, mehr noch die Vereinbarkeit von Kind und Beruf überhaupt.

Das hat sich inzwischen auch in den meisten Chefetagen herumgesprochen. Mit jedem Jahr steigt die Zahl derer, die zumindest teilweise in den eigenen vier Wänden arbeiten. Getreu der gleichermaßen abgedroschenen wie zeitlosen Erkenntnis, dass nur ein glücklicher Arbeiter ein guter Arbeiter ist. Auch das größte Problem – der Verdacht, dass der Heimarbeiter nur vor der Glotze sitzt – lässt sich mit klaren Absprachen und Zielvereinbarungen einfach und herzlich unbürokratisch lösen. Schließlich zeigt sich die Leistung am gelieferten Ergebnis – und nicht an der Stechuhr.

Doch ganz ohne Grenzen geht es auch im „Paradies der Werktätigen“ nicht: Ein Mitarbeiter, der nie im Büro auftaucht, hilft einem Unternehmen nicht weiter. Schließlich ist der Austausch mit Kollegen oftmals ganz entscheidend für den Erfolg, bedarf es bei vielen Projekten ständiger Kommunikation und nicht der Ansage, dass der Anrufer nach dem Piep doch bitte eine Nachricht hinterlassen solle.

PS: Dieser Text entstand mit Laptop auf dem heimischen Sofa. Als der Autor seine Ehefrau zum Thema „Pappa ante portas“ befragte, zeigte sie sich nur mäßig begeistert: „Du bist da, aber nicht einsetzbar. Außerdem blockierst du den ganzen Tag die Couch!“

simon.rilling@stzn.de

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Erstellt:
17. Dezember 2018, 03:12 Uhr

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