Fund in Mexiko

Archäologen entdecken unversehrtes Zapoteken-Grab

Eine Eule bewacht den Eingang zum Grab: „Die bedeutendste archäologische Entdeckung des letzten Jahrzehnts in Mexiko“ gibt Einblicke in Bestattungsrituale und Weltanschauung der Zapoteken.

Blick auf ein 1400 Jahre altes Zapoteken-Grab in Mexiko. Das gut erhaltene Grab mit Wandmalereien, Friese und Kalenderinschriften wurde in San Pablo Huitzo im südlichen Bundesstaat Oaxaca gefunden.

© Luis Gerardo Peña Torres/Instituto Nacional de Antropologia e Historia (INAH)/dpa

Blick auf ein 1400 Jahre altes Zapoteken-Grab in Mexiko. Das gut erhaltene Grab mit Wandmalereien, Friese und Kalenderinschriften wurde in San Pablo Huitzo im südlichen Bundesstaat Oaxaca gefunden.

Von Markus Brauer

Spektakulärer Fund: In Mexiko haben Archäologen ein intaktes Grab der Zapoteken-Kultur entdeckt – eine Rarität. Die 1400 Jahre alte Grabstätte umfasst zahlreiche Reliefs, Wandmalereien und Inschriften, die neue Einblicke in Religion, Rituale und Weltbild dieser präkolumbianischen Zivilisation geben.

Die mexikanische Präsidentin bezeichnete dieses Grab des „Wolkenvolks“ als den bedeutendsten archäologischen Fund des letzten Jahrzehnts in ihrem Land.

Azteken und Zapoteken

Vor Ankunft der Spanier war Mittelamerika durch mehrere präkolumbische Kulturen geprägt. In Mexiko dominierte erst das rätselhafte Reich von Teotihuacan, später folgten die Azteken im Norden und im Zentrum des Landes.

Im Süden Mexikos etablierten sich die Zapoteken, die ab dem Jahr 300 ihre Blütezeit erlebten. Typisch für diese Kultur ist eine reiche Reliefkunst, die häufig auffallend verrenkte Menschenfiguren zeigt., aber auch eine eigene Schrift. Nachfahren dieser Kultur leben bis heute im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca.

Uhu als Grabwächter

Die Archäologen entdeckten das intakte Grab in einem der zentralen Täler der Provinz Oaxaca. Das aus mehreren Kammern bestehende Grab ist ungewöhnlich gut erhalten und umfasst zahlreiche Reliefs, Wandmalereien und Kalenderzeichen.

Über dem Eingang zur Vorkammer des Grabes thront das große Relief eines Uhus. Dieser Vogel symbolisierte in der Weltanschauung der Zapoteken Tod und Dunkelheit, wie die Archäologen des Nationalen Instituts für Anthropologie und Geschichte (INAH) erklären. Der Schnabel des steinernen Uhus ragt aus dem Relief hinaus und überdeckt – schützend – die farbig bemalte Reliefdarstellung eines Mannes – möglicherweise des Verstorbenen oder eines seiner Ahnen.

Reiche Reliefs und Wandmalereien

Ebenfalls reich mit Reliefs verziert ist der Türrahmen des Grabeingangs. Der Türsturz ist mit einem ornamentalen Fries geschmückt, in das Kalenderzeichen eingefügt sind. Auf den Türpfosten sind die Figuren eines Mannes und einer Frau mit Kopfschmuck und Gegenständen in beiden Händen eingemeißelt. Möglicherweise stellen sie die Wächter des Grabes dar.

An den Wänden der Grabkammer entdeckten die Spatenforscher die Teile einer außergewöhnlichen Wandmalerei in Ocker, Weiß, Grün, Rot und Blau. Sie zeigt eine Prozession von Gestalten, die Copal-Beutel tragen und in Richtung Eingang schreiten.

„Der Fund ist außergewöhnlich und liefert wertvolle Erkenntnisse zur zapotekischen Kultur, ihrer sozialen Organisation, ihrer Begräbnisrituale und Weltanschauung, bewahrt in Architektur und Wandmalerei“, erklärt die mexikanische Kulturministerin Kulturministerin Claudia Curiel de Icaza.

Zurzeit führt ein Forscherteam Arbeiten zur Konservierung, zum Schutz und zur Erforschung des Grabmals und seiner Wandmalereien durch. Parallel dazu werden keramische, ikonografische und epigrafische Analysen sowie Studien der physischen Anthropologie durchgeführt, um das Wissen über die Rituale, Symbole und Bestattungstraditionen im Zusammenhang mit dem Grab zu vertiefen.

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Erstellt:
29. Januar 2026, 14:20 Uhr

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