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Archäologen selbst gewählter Zeitfenster

In der Ausstellung „Von Zeit zu Zeit“ treten Künstlerkollektiv Etage und Kollegen in Dialog mit Werken der Backnanger Grafiksammlung

Die Galerie im Helferhaus Backnang zeigt zwischen den Jahren eine ungewöhnliche Ausstellung. Das Künstlerkollektiv Etage aus Stuttgart hat eine Reihe von Kollegen eingeladen, sich von ausgewählten Werken der Grafiksammlung inspirieren zu lassen. Entstanden sind künstlerische Dialoge, die Vergangenheit auf Gegenwart und Zukunft treffen lassen und einen weiten Assoziationsraum eröffnen.

Die Künstler bei der Vernissage in der Galerie im Helferhaus (von links): Ulrike Buck, Benjamin Bronni, Daniela Dietmann und  Steffen Schlichter. Fotos: P. Wolf

Die Künstler bei der Vernissage in der Galerie im Helferhaus (von links): Ulrike Buck, Benjamin Bronni, Daniela Dietmann und Steffen Schlichter. Fotos: P. Wolf

Von Christine Schick

BACKNANG. „Im Mittelpunkt des Schaffens von Etage steht die Auseinandersetzung mit dem Thema Zeit“, sagte Ulrich Olpp vom Heimat- und Kunstverein Backnang bei der Vernissage am Sonntag. Etage, das sind Daniela Dietmann und Stefan Bombaci, die sich durch den Kunstgriff fünf zusätzlicher, fiktiver Mitglieder auch immer mal die Freiheit nehmen, einen weiteren Raum und eine andere Facette ihres Schaffens aufzumachen. Als die Galerie im Helferhaus mit dem Angebot auf sie zukam, eine Ausstellung zu machen, waren die beiden von der Grafiksammlung so beeindruckt, dass sie diese Arbeiten als Ausgangspunkt nehmen wollten, erzählt Daniela Dietmann. Nach einer Auswahl einzelner Werke gingen sie dann auf befreundete Künstlerkollegen zu. Die Ausstellung ist für sie in doppelter Hinsicht eine Premiere: Die erste selbst konzipierte und die erste Schau in Backnang.

Im Sinne des Werkdialogs treffen Etage mit Johann Gotthard von Müller zusammen, Benjamin Bronni mit Reinhold Nägele, Jona Kleinlein mit Felix Hollenberg, Ulrike Buck mit Manfred Henninger, Steffen Schlichter mit Gustav Schopf, Alf Setzer mit der Sportakrobatikgruppe Rondos, Lisa Biedlingmaier mit Paul Kleinschmidt sowie Mehtap Avci mit Hans Brasch. „Nach unserer Auffassung verläuft Zeit nicht linear, es gibt fiktive Zuordnungen und Projektionen bis hin zu Zeit-Clashes“, sagt Daniela Dietmann. Die Grundidee: Alles existiert parallel. Insofern stellt sich auch die Frage, wie aktuell ist Gegenwärtiges, Vergangenes und Zukünftiges? In der Präsentation von Etage ist die Radierung von Achilles, die Johann Gotthard von Müller 1806 anfertigte, Dialogpartner. Auf ihn nehmen das Video „Ethnorobotik“ genauso Bezug wie eine Hand, die einen Stein, und eine weitere, die einen Knochen umgreift. Es eröffnet sich ein Assoziationsraum mit zahlreichen Uneindeutigkeiten und zeitlichen Mischverhältnissen – Aussteller und Besucher agieren quasi als Archäologen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Auf diesen forschenden Blick machte auch Judith Hülsmann Lust, die in die Ausstellung einführte. Augenzwinkernd lud sie ein: „Entdecken Sie Spuren, misstrauen Sie Uhren. Kommen Sie zu spät oder freuen Sie sich zu früh. Verpassen Sie alles oder erwischen noch im letzten Augenblick einen...den falschen oder den richtigen...Zug ins – ins Irgendwo“.

Durch die Begegnung entsteht ein neuer, wundersamer Klang

Dass die Grafiksammlung seit 1984 besteht, also genauso lange wie der gleichnamige Roman George Orwells, kommt ihr mehr als passend vor. Mit Blick auf die ganz unterschiedlichen Dialogangebote – fotografische, bildhauerische, filmische, Installations- und konzeptionelle Arbeiten – sagte sie: „Ich finde ja, es passiert etwas ganz Großartiges. Denn durch die Begegnung, durch das Zusammenspiel im jeweiligen Raum erzeugen die ausgestellten Arbeiten gemeinsam einen ganz neuen, wundersamen Klang, ein Funkeln, ein Rauschen, ein Flirten, ein Taumel.“ Ob die Wirkung nur einen kleinen angenehmen Schwindel, ein leichtes Zeitreisefieber oder einen wahren Zeit- und Gedankensturm zur Folge hat, wie Hülsmann es beschrieb, sicher ist, dass die Schau gekonnt mit Zeitebenen spielt und so spannende Welten eröffnet.

„Von Zeit zu Zeit“ läuft bis zum 12. Januar, hat dienstags bis freitags 17 bis 19 Uhr (25. Dezember und 1. Januar geschlossen), samstags, sonntags 14 bis 19 Uhr und mittwochs 14 bis 19 Uhr geöffnet (Eintritt frei).

Blick auf einen Ausschnitt der Arbeiten von Etage – Die Hand als Verweis auf den ganzen Leib – im Hintergrund Johann Gotthard von Müllers Stich „Achilles“.

Blick auf einen Ausschnitt der Arbeiten von Etage – Die Hand als Verweis auf den ganzen Leib – im Hintergrund Johann Gotthard von Müllers Stich „Achilles“.

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Erstellt:
17. Dezember 2018, 06:00 Uhr

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