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Atemberaubende „Carmen“

Beste Bedingungen für den Besuch der Bregenzer Festspiele: Bei hochsommerlichen Temperaturen erlebten Leser der Backnanger Kreiszeitung als Höhepunkt einer dreitägigen Genuss-Kultour an den Bodensee die Aufführung der Bizet-Oper „Carmen“ auf der Seebühne. Sie gehören nun zu den rund 200000 Zuschauern, die während der Saison 2018 die spektakuläre Show sehen können. Schon im vergangenen Jahr hatten ebenso viele Menschen die Bregenzer „Carmen“-Inszenierung erlebt.

Seebühne Bregenz: Auf den Flying Cards zwischen den 21 und 18 Meter hohen Händen gibt es Bild- und Videoprojektionen. In der Mitte unten befindet sich eine Drehbühne. Gespielt wird auch auf rutschfesten, ins Wasser absenkbaren Gitterkarten. Fotos: I. Knack

Seebühne Bregenz: Auf den Flying Cards zwischen den 21 und 18 Meter hohen Händen gibt es Bild- und Videoprojektionen. In der Mitte unten befindet sich eine Drehbühne. Gespielt wird auch auf rutschfesten, ins Wasser absenkbaren Gitterkarten. Fotos: I. Knack

Von Ingrid Knack

BACKNANG/BREGENZ. Wie eine Skulptur ragt das Bühnenbild von Es Devlin in den Nachthimmel. Die Szene, in der Georges Bizets freiheitsliebende Carmen aus den Karten ihr Schicksal liest, inspirierte die Britin zu dieser gigantischen Kulisse und Spielfläche in einem. Die Spielkarten halten auch für verblüffende Verwandlungen her. In der Schmugglerszene beispielsweise werden sie zum Gebirge, auf dessen Gipfeln plötzlich Stuntmen vom Wired Aerial Theatre aus London auftauchen und sich dann abseilen. Die tonnenschweren Karten dienen teils als Spiel-, teils als Projektionsflächen.

Mitreißendes Spiel um

eine spannende Frauenfigur

Wunderbar, wie der dänische Regisseur Kasper Holten in dieser Oper um die verhängnisvolle Beziehung zwischen Carmen, Zigeunerin und Arbeiterin in der Zigarettenfabrik in Sevilla, und dem biederen Sergeant Don José den Bodensee ins Spiel mit einbezieht. Um ihre Verhaftung abzuwenden, springt Carmen einfach ins Wasser und krault davon. Am Ende wird sie von Don José (Martin Muehle) nicht erdolcht, sondern in den Fluten ertränkt. Was man dabei nicht sieht: Die Hauptfigur trägt einen Neopren-Anzug und ein Spezialkostüm inklusive Pressluftflasche. Hinter einer Rose, die an ihr Kleid geheftet ist, befindet sich ein mit der Pressluftflasche verbundenes Mundstück. So ist es möglich, dass Annalisa Stroppa, die an diesem Abend die „Carmen“ mimt, kopfunter eine fast unerträglich lange Zeit im Wasser liegen kann – die Illusion ist perfekt.

Die bekannten Arien wie Carmens „Habanera“ (L’amour est un oiseau rebelle – Liebe ist wie ein wilder Vogel) mit der absinkenden, chromatischen Melodie ziehen die Besucher schnell hinein in die Handlung zwischen nicht zu zähmender Liebe, Freiheit und Tod. Betörend das Bauernmädchen Micaëla: Mojca Bitenc singt mit einer wunderbar warmen Stimme mit großer Strahlkraft: Faszinierend eben dieser Moment, als ihr Gesicht bei der lyrischen Arie „Je dis que rien ne m’épouvante“ auf eine Spielkarte auf dem Gipfel des Kartengebirges projiziert wird. Als die Vorstellung vorüber ist, vernimmt man hier und dort das Torerolied aus Besuchermund. Die Solisten, der Bregenzer Festspielchor, der Prager Philharmonische Chor, der Kinderchor der Musikmittelschule Bregenz-Stadt und die Wiener Symphoniker haben ganze Arbeit geleistet – die Klänge und die Schau wird man nicht so schnell vergessen. Genauso wenig wie die Kulisse von Es Devlin, die auch schon Bühnen für Adele oder U2 ausgestattet hat.

Nicht nur in der österreichischen Stadt am östlichen Ende des Bodensees, in der auch eine Stadtführung auf dem Plan stand, tauchten die Reisenden in die Welt von Kunst, Kultur und Geschichte ein. Schon auf der Fahrt zum Bodensee standen Besichtigungen an: Im Sigmaringer Schloss bekamen die BKZ-Leser einen Einblick in die Lebenswelt der hohen Damen und Herren von anno dazumal. Die Prunkräume mit kostbaren Möbeln, Gemälden und Gobelins zeugen vom Glanz vergangener Epochen genauso wie die Roben der Damen. In diese waren sie so eingeschnürt, dass sie nicht selten in Ohnmacht fielen. In Meersburg schlenderten die Teilnehmer durch die Gassen der mittelalterlichen Stadt rund um die Burg, in der beispielsweise Annette von Droste-Hülshoff einen Großteil ihrer Gedichte verfasste. Nicht alle, die zuvor schon in Meersburg waren, kannten die aus dem 17. Jahrhundert stammende Mühle gleich neben der ältesten Burganlage Deutschlands – denn viele zieht es bei einem Meersburg-Besuch vor allem an die Strandpromenade, die zugegebenermaßen so schön ist, dass man dort gerne so lange als möglich verweilt.

Der Schlosshafen

und die Schlosskirche

Am zweiten Tag machten sich die Reisenden – bevor es später mit dem Bus nach Lindau und von dort aus mit einem Schiff der Weißen Flotte nach Bregenz ging – in der Zeppelinstadt Friedrichshafen mit einem Stadtführer auf Entdeckungstour. Interessant waren dabei unter anderem die Ausführungen über den ehemaligen Schlosshafen. Bedeutung erlangte die Landestelle, als das Schloss zur königlichen Sommerresidenz wurde. Nach 1918 wurde der Schlosshafen aber kaum noch genutzt und schließlich 1932 stillgelegt. Vor einigen Jahren wurde das Areal umfassend saniert.

Beeindruckend ist vor allem die Schlosskirche mit ihren 54,9 Meter hohen Zwiebeltürmen. Sie ist das Wahrzeichen von Friedrichshafen.

Am letzten Tag ging es nach einem Spaziergang im Eriskircher Ried nach Tettnang ins Hopfengut No. 20. Das Hopfengut vereint Hopfenanbau, Brauerei, Museum, Laden und Gaststätte. Dort wurden die Besucher auf eine spannende Reise durch die Welt des Hopfens mitgenommen.

In Ravensburg klang die erlebnisreiche Reise aus. Die einen machten eine Stadtführung, die anderen genossen die Zeit in einer der Eisdielen oder in einem Café.

BKZ-Leserreise an den Bodensee – Bregenzer Festspiele als Höhepunkt Eine Bildergalerie zur Leserreise „Genuss- Kultour – 3 Tage Bodensee – Oberschwaben – Bregenzer Seefestspiele“ finden Sie auf der BKZ-Homepage www.bkz-online.de unter der Rubrik Bildergalerien. Bildergalerie
7000 Zuschauer verfolgen Abend für Abend das Spiel um Lust, Liebe, Eifersucht und Tod in Bregenz.

7000 Zuschauer verfolgen Abend für Abend das Spiel um Lust, Liebe, Eifersucht und Tod in Bregenz.

Die Teilnehmer der BKZ-Leserreise bei der Führung in Friedrichshafen. In der Zeppelin-Stadt war die Gruppe in einem Hotel untergebracht.

Die Teilnehmer der BKZ-Leserreise bei der Führung in Friedrichshafen. In der Zeppelin-Stadt war die Gruppe in einem Hotel untergebracht.

Schlossführung in Sigmaringen.

Schlossführung in Sigmaringen.

Museum im Hopfengut No. 20 in Tettnang.

Museum im Hopfengut No. 20 in Tettnang.

Mühle am Fuße der Burg in Meersburg.

Mühle am Fuße der Burg in Meersburg.

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Erstellt:
11. August 2018, 06:00 Uhr

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