Atommüll-Standort-Bericht: Minister wirbt für Besonnenheit

dpa/lsw Stuttgart. Vor der Bekanntgabe des Berichts zu möglichen Atommüll-Lagern wirbt Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) für eine besonnene Debatte. Er rechne allerdings mit einer „gewissen Aufregung“, sagte er. „Das ist vollkommen nachvollziehbar, immerhin geht der Suchprozess damit in die nächste konkretere Phase.“ Der Bericht ist laut Untersteller noch keine Vor-Festlegung auf ein Bundesland, eine Region oder gar einen Standort. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hatte einen bundesweiten Zwischenbericht zu möglichen Atommüll-Standorten bis Ende des Monats angekündigt.

Atommüll-Fässer mit der Aufschrift „voll“ stehen in einem Zwischenlager. Foto: Uwe Anspach/picture alliance/dpa/Archiv/Symbolbild

Atommüll-Fässer mit der Aufschrift „voll“ stehen in einem Zwischenlager. Foto: Uwe Anspach/picture alliance/dpa/Archiv/Symbolbild

Der Bericht sei als erster Zwischenstand zu sehen - und auch mit dem nächsten Schritt, der vorläufigen Sicherheitsuntersuchung, ist laut Untersteller „noch nichts entschieden“. Jetzt müssten sich alle Beteiligten an das vereinbarte transparente und streng wissenschaftliche Verfahren halten. „Wir haben nur diese eine Chance, die Endlagerproblematik zu lösen - die dürfen wir nicht verspielen“, sagte Untersteller.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) plädiert weiterhin für die Haltung „Geologie vor Geografie“. Das bestmögliche Gestein muss laut einem Regierungssprecher nach fachlichen Kriterien genommen werden und es dürfe nicht von der Frage abhängen, ob es geografisch in den Kram passe.

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung forscht seit 2017 nach einem Endlagerstandort für hoch radioaktiven Abfall und prüft zunächst geologische Gegebenheiten. Die bundesweite Endlagererkundung war angesichts des jahrzehntelangen hartnäckigen Widerstands gegen den Ende der 1970er Jahre ins Auge gefassten Standort im niedersächsischen Gorleben auf Beschluss von Union, SPD und Grünen gestartet worden. Am 28. September sollen in Berlin bundesweit geeignete Teilgebiete für ein Endlager benannt werden. Laut Standortsuchgesetz soll die Suche 2031 mit einer Entscheidung enden.

Granit, Steinsalz und auch Ton kommen nach heutigem Erkenntnisstand für die unterirdische Lagerung infrage. Diese Gesteinsformationen findet man auch an verschiedenen Orten in Baden-Württemberg.

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Erstellt:
22. September 2020, 07:21 Uhr

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