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Auf der Insel das Glück gefunden

Erfolgreich in der Fremde (1): Mit 19 verließ Fußballer Patrick Bauer das Schwabenland und hat danach seinen Weg gemacht

„Ich bin glücklich, dass ich diesen Weg gewählt habe.“ Ein Satz, den Patrick Bauer mit Überzeugung sagt. Schließlich läuft es für den 26-Jährigen gerade richtig gut. Als Fußballer mischt der gebürtige Backnanger mit Preston North End an der Spitze der zweiten englischen Liga mit. Privat genießt er seit nicht ganz fünf Monaten das Leben als Vater der kleinen Kayleen.

Bei Preston North End bisher stets von Beginn an am Ball: Patrick Bauer. Der gebürtige Backnanger hat mit dem englischen Traditionsklub den Aufstieg in die Premier League im Blick. Foto: Imago

© imago images / PA Images

Bei Preston North End bisher stets von Beginn an am Ball: Patrick Bauer. Der gebürtige Backnanger hat mit dem englischen Traditionsklub den Aufstieg in die Premier League im Blick. Foto: Imago

Von Uwe Flegel

Gut sieben Jahre ist es her, als sich Patrick Bauer zu einem großen Schritt entschloss. Mit 19 Jahren verließ er den VfB Stuttgart, obwohl er dort noch einen gültigen Vertrag besaß und wechselte nach Portugal. Auf dem Cannstatter Wasen sah er für sich aber keine Zukunft mehr, nachdem er in der Saison 2011/2012 beim Bundesligateam nur auf zwei Einsätze im DFB-Pokal und auf fünf Punktspiele beim VfB II in Liga drei gekommen war. Nicht viel für einen, der weiß: „Für die Entwicklung eines jungen Fußballers ist wichtig, dass er viel spielt.“

Bei dem Klub, mit dem er im Sommer 2009 an der Seite von Bernd Leno deutscher B-Jugend-Meister geworden war, war das offenbar nicht möglich. Groß drüber reden wollte er darüber schon vor Jahren nicht mehr, sagte damals nur: „Das ist vorbei. Ich hatte beim VfB auch schöne Zeiten.“ Als Profifußballer blühte der 1,92 Meter große Innenverteidiger allerdings erst nach Stuttgart auf. Zuerst kämpfte sich der ehemalige Jugend-Nationalspieler auf der Blumeninsel Madeira bei Maritimo CS vom Zweitligateam in die erste Mannschaft und damit in Portugals erste Liga hoch. Mit gerade mal 21 Jahren war er dank seiner Zweikampf- und Kopfballstärke Stammspieler. Der Junge aus Allmersbach im Tal merkte, dass der Gang in die Fremde richtig war.

Das galt auch für die Entscheidung, Madeira nach drei Jahren zu verlassen und nach England zu gehen, obwohl dort erneut erst einmal Hartnäckigkeit gefragt war. Beim Zweitligisten Charlton Athletic war Bauer zwar sofort wieder Leistungsträger, doch es gab Abstiegskampf. Erst recht, nachdem der deutsche Abwehrmann wegen einer Leistenverletzung fast die ganze Rückrunde ausfiel. Als er wieder fit war, spielte der Verein aus Londons Südosten eine Klasse tiefer. Drei Jahre lang kämpften der Schwabe und Charlton um die Rückkehr in die Championship. Am 26. Mai 2019 war es soweit. Als Kapitän führte Patrick Bauer sein Team zum Aufstieg und wurde zum Helden. Im entscheidenden Play-off-Spiel gegen Sunderland traf er im Wembleystadion vor 76 000 Fans mit dem letzten Ballkontakt in der Nachspielzeit zum 2:1. „Ein Moment, den ich nie vergessen werde“, blickt der ehemalige TSG-Jugendspieler auf Tage voller Emotionen zurück. Denn nur eine Woche zuvor waren er und seine Frau Gergana das erste Mal Eltern geworden.

Mittlerweile lebt die kleine Familie allerdings nicht mehr in London. Trotz des Aufstiegs verabschiedete sich der Deutsche von Charlton und unterschrieb bei Preston North End einen Dreijahresvertrag. Im englischen Nordwesten will er sich den Traum von der Premier League verwirklichen. Aber: „Viele Klubs sagen, dass sie unter die Top Sechs wollen.“ In der rund 140 000 Einwohner großen Stadt unweit des Seebads Blackpool wird aber nicht nur davon gesprochen. Nach elf Spieltagen liegt der Traditionsklub, der 1888 Gründungsmitglied der englischen Liga, ein Jahr später erster englischer Meister und erster Gewinner eines Doubles war, hinter West Bromwich Albion und Nottingham Forest auf Rang drei. Bauer stand in allen elf Partien in der Startelf. „Es läuft so, wie ich mir’s erhofft habe.“ Auch der Umzug von der Metropole London ins eher ländlich geprägte Lancashire war für ihn keine Umstellung: „Schließlich komme ich aus Allmersbach und für die Kleine ist es hier sicher schöner als in der Großstadt.“

Einzig der Besuch der alten Heimat ist nun nicht mehr ganz so unkompliziert. Der viereinhalb Monate alten Kayleen wegen und „weil die Flugverbindung von Manchester nach Stuttgart nicht so gut ist wie von London“. Trotzdem versucht er, weiterhin möglichst oft ins Täle zu kommen und sich von Mama Ute mit schwäbischen Spezialitäten bekochen zu lassen. Linsen mit Spätzle sind selbst für einen Profifußballer eine Heimreise wert. Ansonsten gibt es derzeit aber nicht viel, was Patrick Bauer in England vermisst. „Mir geht es einfach richtig gut“, sagt er und fügt an: „Ich sehe meine Zukunft als Fußballer in England und habe ja nicht ohne Grund einen Vertrag über drei Jahre unterschrieben.“ Voller Überzeugung sagt er, dass er glücklich sei, diesen Weg gewählt zu haben. Sportlich und privat. Denn „sonst hätte ich meine Frau nicht kennengelernt, wäre jetzt nicht Vater und hätte mich auch menschlich sicher nicht in dem Umfang weiterentwickelt.“

In dieser Serie stellen wir Sportler vor, die bei Vereinen aus der Region als Kinder und Jugendliche am Ball waren und mittlerweile bei hochklassigen Teams erfolgreich sind.

Info
Erst Portugal, nun England

Patrick Bauer wurde am 28. Oktober 1992 in Backnang geboren. Mit Fußball begann er bei der TSG. In der C-Jugend ging er zum VfB, bei dem er mit 18 Profi wurde.

Im Sommer 2012 wurde von Stuttgart zunächst zu Maritimo CS ausgeliehen und wechselte ein Jahr später endgültig zum portugiesischen Erstligisten. 2015 ging Bauer nach England, spielte vier Jahre für Charlton Athletic zweite und dritte Liga. Nun steht er beim Zweitligadritten Preston North End bis 2022 unter Vertrag.

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Erstellt:
12. Oktober 2019, 06:00 Uhr

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