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Aufenthaltsqualität ist ausbaubar

Studenten der Fachhochschule für Technik in Stuttgart stellen ihre Untersuchung rund um den Murrhardter Bahnhof vor

In einer modernen Gesellschaft gehört für die allermeisten Mobilität ganz selbstverständlich dazu. Gleichzeitig ist die Wahl des Verkehrsmittels von verschiedenen Rahmenbedingungen abhängig. So stellt sich mit Blick auf überfüllte Straßen und Feinstaubproblematik die Frage, wie ein Umsteigen vom Auto auf den Zug attraktiver gemacht werden und ein Vernetzen verschiedener Verkehrsmittel gut gelingen kann – auch in Murrhardt.

Durch eine Neugestaltung einzelner Bereiche und Schaffung von Angeboten könnte man den Bahnhof attraktiver machen. Archivfoto: J. Fiedler

Durch eine Neugestaltung einzelner Bereiche und Schaffung von Angeboten könnte man den Bahnhof attraktiver machen. Archivfoto: J. Fiedler

Von Christine Schick MURRHARDT. Mit diesem Thema haben sich Studenten der Fachhochschule für Technik in Stuttgart beschäftigt. Mittlerweile liegt es schon ein Semester zurück, dass die jungen Leute vom Studiengang Verkehrsinfrastrukturmanagement sich im Rahmen eines Seminars in dieser Hinsicht mit insgesamt vier Bahnhöfen in der Region beschäftigt haben – neben Göppingen, Filderstadt und Ludwigsburg war auch Murrhardt Teil der Untersuchung. Überschrieben war das Projekt mit dem Titel „Mobilität der Zukunft – Gestaltung von Mobilitätshubs“. Mit Mobilitätshubs bezeichnen die Fachleute Verknüpfungspunkte des Schienenpersonennahverkehrs, an denen man ein- oder umsteigt, sprich das Verkehrsmittel wechselt. Hintergrund bildet die Doktorarbeit von Juliane Schmidt, die das Thema vertieft verfolgt und die die Studenten mit betreute. Die Ergebnisse ihrer Arbeit stellten nun die drei Bachelor-Studenten Celina Knabl, Melanie Pink und Marc Schleehauf dem Murrhardter Gemeinderat vor. Zur Untersuchung gehörten eine Erhebung der Besucher des Bahnhofs sowie deren Befragung in Hinblick auf ihre Situation, Anforderungen, Wünsche und Verbesserungsvorschläge. Von den 95 Erfassten und Interviewten steuerten 75 Prozent den Bahnhof an, um zur Arbeit oder Ausbildung zu kommen. Insofern kategorisieren die Studenten den Murrhardter Bahnhof als Pendlerbahnhof. Dass 50 Prozent den Weg dorthin zu Fuß gehen, finden sie schon mal sehr gut. Trotzdem stellt sich die Frage, wie man den Anteil von 27 Prozent, die mit dem Auto kommen, senken kann. So mündet die Erhebung auch in ein Stärke-Schwäche-Profil. Zu den Pluspunkten gehört die gute Anbindung an Stuttgart, die Abstellmöglichkeit für Räder am Bahnhof sowie das attraktive Gebäude an sich. Auf der Negativliste stehen Probleme für mobilitätseingeschränkte Menschen, beispielsweise mit Rollstuhl, die für Außenstehende unklare Anbindung an die Innenstadt (Einschätzung, wie weit der Fußweg dorthin ist), keine Dienstleistungsangebote wie einen Bäcker, bei dem man sich einen Kaffee und ein Brötchen mitnehmen kann, keine Aufenthaltsqualität am Bahnhof sowie fehlende Sharingangebote. Aus diesen Punkten leiten die Studenten Risiken und Chancen ab. Um einem langfristigen Attraktivitätsverlust und Verlust der Anbindung entgegenzuwirken, haben sie mit Blick auf das Potenzial – Aushängeschild für touristische Angebote, Reduzierung Individualverkehr und Schaffung eines attraktiven Bahnhofsgeländes für alle möglichen Nutzergruppen – ein Konzept erarbeitet. Weg zur Innenstadt könnte durch farbiges Pflaster oder Asphalt gekennzeichnet werden Um die Aufenthaltsqualität zu verbessern, müsste das Bahnhofsgebäude wieder geöffnet werden. Ideal seien auch ein Café mit Außenbestuhlung sowie ein Bäcker, den sich viele der Befragten auch gewünscht hätten, so die Studenten. Ebenfalls nutzen könnte man den Bahnhof als Hinweisgeber – sprich dort Informationen zu Umgebung und den verschiedenen Angeboten platzieren. Zudem ist im Konzept eine Gesamtgestaltung des Geländes berücksichtigt. Eine Pflasterung könnte dabei einen einheitlichen Platzcharakter schaffen, eine Kennzeichnung einer „Drop-off-Zone“ (für Leute, die abgeholt oder gebracht werden) und die Gestaltung eines gekennzeichneten Wegs zur Innenstadt, beispielsweise durch eingefärbten Asphalt oder ebenfalls Pflasterung. Für die Studenten böte sich da der Weg über Murrgasse und Murr an, der ruhig und für Fußgänger ideal sei. Mit Blick auf die Feinstaubproblematik sind auch Elektromobilität und Bikesharingangebote wichtige Punkte. Deshalb haben die Studenten im Konzept Kurzzeitparkplätze mit zwei Ladestationen für E-Autos sowie Pedelecs-Ladeboxen berücksichtigt. Letztere sind abschließbar, sodass sich das Rad über den Tag bequem laden lässt und nach der Heimfahrt wieder vollgetankt zur Verfügung stünde. Für ein Sharingangebot von E-Autos reicht die Größe Murrhardts nach Einschätzung der Gruppe nicht aus, anders sieht es beim E-Bike aus. Hier schlägt das Trio ein Modell mit mehreren Stationen (Murrhardt, Siegelsberg/Gymnasium, Fornsbach) und fünf bis zehn Räder pro Standort vor. Nicht zuletzt gibt es für sie Verbesserungsmöglichkeiten auf dem Bahnhof selbst – ein behindertengerechtes WC, Umgestaltung der Rampe für Menschen, beispielsweise mit Rollstuhl oder Rollator, größere digitale Anzeigen und Beschilderung am Gleis (Richtung des Zugs) sowie eine Überdachung. Zum Konzept gehört auch eine grobe Einschätzung der Kosten. Für eine E-Auto-Ladestation sind 16000 Euro, für E-Bike-Ladeboxen 27000 Euro veranschlagt, die Schaffung eines E-Bike-Sharingangebots mit Stationen würde 225000 Euro kosten, die jährlichen Betriebskosten liegen bei etwa 75000 Euro. Hinzu kämen Weg- und Platzgestaltung. Aus Sicht der Studenten wäre dies ein Beispiel für ein vergleichsweise unkompliziert umzusetzendes Konzept, um den Anschluss sprichwörtlich nicht zu verpassen. Dabei könnte auch helfen, die Nachbarkommunen im Sinne einer Mobilität zu integrieren und Stadt und Bahnhof näher zusammenzubringen, so das Fazit des Trios. „Wir in der Verwaltung waren begeistert, dass drei Studenten ein komplettes Konzept erarbeitet haben“, sagte Bürgermeister Armin Mößner. Edgar Schäf (SPD) stellte fest, dass Teile allerdings auf dem Gebäude basierten, das der Stadt nicht gehört und über die sie deshalb auch nicht verfügen könnten. Stefan Tensing (UL) merkte an, dass man die Verbesserungen auf und zu den Gleisen eigentlich gleich der Bahn weiterleiten könne. Klar geworden sei, wie gut und wichtig eine Einschätzung von Außen sei. Georg Devrikis (CDU-FWV) zeigte sich beeindruckt von den gut ausgearbeiteten Vorschlägen, auch wenn einzelne Posten wie die Kosten für die E-Bikes schon eine Hausnummer seien. „Ich fand klasse, dass Sie bei Ihrer Untersuchung den Menschen mit seinen Bedürfnissen in den Mittelpunkt gestellt haben“, sagte Gerd Linke (MD/AL). Zudem sei für ihn klar geworden, dass die E-Mobilität aus junger Sicht schon ganz selbstverständlich dazugehöre.

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Erstellt:
5. Dezember 2018, 06:00 Uhr

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