Aus dem Vorgarten zur Marktplatzattraktion

Bauhofmitarbeiter stellen auf dem Backnanger Marktplatz mit einer 16 Meter hohen Fichte den zentralen Weihnachtsbaum auf

Es lässt sich nicht leugnen: Die Vorweihnachtszeit ist angebrochen. Quasi als Startschuss dazu wurde gestern der zentrale Weihnachtsbaum für Backnang auf dem Marktplatz aufgestellt. Wenige Minuten zuvor stand die prächtige serbische Fichte noch einen Kilometer Luftlinie entfernt im Garten der Familie Keil an der Sulzbacher Straße.

In über 40 Jahren entwickelte sich der Baum zu einem wahren Prachtexemplar. Fotos: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

In über 40 Jahren entwickelte sich der Baum zu einem wahren Prachtexemplar. Fotos: A. Becher

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Es ist kalt gestern früh. Als um 7.30 Uhr alle Beteiligten vor dem Anwesen von Rosemarie und Günter Keil in der Sulzbacher Straße vorfahren, ist es diesig und neblig. Im Garten vor dem Haus steht die serbische Fichte, die heute die Hauptrolle spielt. Noch steht sie. Aber ihr Schicksal ist schon seit einem Jahr besiegelt. Damals bot Günter Keil der Stadt den Baum an. Er hatte in der Zeitung davon gelesen, dass Weihnachtsbäume gesucht werden. Mächtige. Schöne. Eindrucksvolle. Gut gebaute.

Keils Exemplar hat die Verantwortlichen vom Grünzug des Bauhofs auch sogleich begeistert, bloß hatte sich Simon Heideker, der Abteilungsleiter Grünzug, schon für ein anderes Exemplar entschieden. Ob er noch ein Jahr warten könne, fragte Heideker daher die Baumbesitzer, dann könne der Baum im Advent 2018 mit seinem Wuchs und seinem Lichterglanz die Innenstadt bereichern. Die Keils konnten warten. Und so rückten die Männer mit der Säge gestern an.

Rosemarie und Günter Keil stellen das 16 Meter hohe Fichten-Exemplar mit einem lachenden und einem weinenden Auge zur Verfügung. Einerseits befürchtet das Ehepaar, der mächtige Baum könne bei einem Sturm einmal auf ihr Haus stürzen und Schaden anrichten. Insofern sind sie froh, dass er nun gefällt wurde. Auf der anderen Seite hat die Familie den Baum vor über 40 Jahren selbst gepflanzt und sich all die Jahre an ihm erfreut. Als er wenige Minuten später auf dem Langholzwagen von Gerhard Wieland zum Liegen kommt, ist es ungewohnt kahl vor dem Haus. „An diesen Anblick müssen wir uns erst noch gewöhnen“, sagt Rosemarie Keil, die sich noch daran erinnert, wie sie den Baum, gerade mal mannshoch, in der Gärtnerei Link in Oppenweiler gekauft hat. Wie der Garten nun bepflanzt wird, dazu hat sie sich noch gar keine Gedanken gemacht. „Das hat jetzt noch Zeit.“

Organisiert wird die Fällaktion von Peter Maciejok vom Grünzug. Er bringt in zehn Meter Höhe eine Kette an. An dieser wird der Baum aus dem Garten auf den Laster gelupft. Die Stelle, an der die Kette den Stamm umschlingt, hat sich Maciejok zuvor gut überlegt. „Nicht im oberen Drittel, dort ist der Stamm zu dünn und es besteht die Gefahr, dass er abbricht.“ Zu tief ist allerdings auch problematisch, dann könnte die Ladung kippen. Dann bringt Kranführer Bernd Merkle das Seil etwas auf Spannung. Und Constantin Roth legt die Kettensäge an. Nur Sekunden später schwebt der majestätische Baum einen Meter über dem Boden, und die Arbeiter des Grünzugs können in bequemer Arbeitshöhe die untersten Äste absägen und den Stamm in Keilform bringen. Er soll später ziemlich passgenau in die massive Hülse schlupfen, die auf dem Marktplatz vorbereitet ist. Nochmals ein paar Minuten später schwebt die 2,5 Tonnen schwere Last über das Grundstück in Richtung Langholzwagen und wird sanft vom Duo Merkle und Wieland im perfekten Zusammenspiel flach hingelegt.

Polizeifahrzeug sichert den nadeligen Transport durch die Stadt

Die schwierigste Arbeit kommt noch: Minutenlang schnüren die fünf Grünzugmitarbeiter das Geäst ein, damit beim Transport kein Zweig über die Straße gezogen wird und seine prächtigen Zapfen verliert. Zudem sollte der Transport – auch wenn es nur mal kurz durchs Stadtgebiet geht – eine bestimmte Breite nicht überschreiten. Im Geleit eines Streifenwagens rollte der nadelige Transport dann gen Marktplatz, wo sich das ganze Prozedere rückwärts wiederholt. Ebenfalls in kürzester Zeit ist die künftige Marktplatzattraktion wieder aus der Horizontalen in die Vertikale gestellt und bereit zur Aufnahme von Zigtausend Lichtern. Zwei Wochen lang werden die Bauhofarbeiter mit einem Hubsteiger beschäftigt sein, dem Baum sein weihnachtliches Kleid anzuziehen.

Von der Stadt werden auf der gesamten Markung zwölf Weihnachtsbäume aufgestellt. Weitere Prachtexemplare kommen vor dem Rathaus, auf dem Stiftshof, beim Adenauerplatz oder bei der Sulzbacher Brücke zum Stehen. Zudem wird in jedem Stadtteil ein Baum aufgestellt. Die ersten zwei Exemplare haben die Bauhofmitarbeiter gestern gleich im Anschluss gefällt. Und das geht jetzt noch ein paar Tage so weiter.

Die Bauhofmitarbeiter sichern vor dem Abtransport sehr sorgfältig die Zweige des Riesenbaums.

© Pressefotografie Alexander Beche

Die Bauhofmitarbeiter sichern vor dem Abtransport sehr sorgfältig die Zweige des Riesenbaums.

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Erstellt:
15. November 2018, 06:00 Uhr

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