Aus der Not

Eine Fusion der beiden größten deutschen Banken käme zur Unzeit

Frankfurt Nun also doch. Nach monatelangen Gerüchten bestätigenDeutsche BankundCommerzbank,einen Zusammenschluss zumindest zu prüfen. Die Erklärung von Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing liest sich indes auffallend defensiv: Ob die Fusion komme, sei keineswegs sicher – man werde „ausschließlich wirtschaftlich sinnvolle Optionen verfolgen“. So formuliert keiner, der sich wie einst Daimler-Chef Jürgen Schrempp auf eine „Hochzeit im Himmel“ freut.

Während Schrempp damals mit seiner Ankündigung über den Zusammenschluss mit Chrysler die Öffentlichkeit überrumpelte, verhält es sich in diesem Fall umgekehrt: Es wurde so lange öffentlich über Fusionspläne gesprochen, dass die beiden Institute irgendwann Stellung beziehen mussten. Angeheizt wurden die Spekulationen in den Medien von der Politik. Bundesfinanzminister Olaf Scholz hat zwar nie öffentlich eine Bankenhochzeit gefordert, aber seinen Wunsch nach einem nationalen Champion doch zum Ausdruck gebracht. Sewing dagegen hatte noch im September betont, zunächst eigene Hausaufgaben machen zu wollen. Dass er nun auf die Pflicht des Vorstands verweist, mögliche Gelegenheiten zu prüfen, spricht Bände. Die Lage hat sich seit September ja nicht fundamental geändert. Die Integration der Postbank und andere Umbauten sind noch lange nicht abgeschlossen.

Wenn es eine „Gelegenheit“ für einen Zusammenschluss gibt, so scheint sie in der freundlichen Unterstützung des Bundesfinanzministers zu bestehen. Dass dieser die großen deutschen Banken vor einer Übernahme aus dem Ausland schützen will, ist politisch nachvollziehbar. Eine Nothochzeit ist jedoch nicht einmal vor diesem Hintergrund sinnvoll: Derzeit ist ein Käufer nicht in Sicht.https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.grossbanken-deutsche-bank-und-commerzbank-sprechen-ueber-moegliche-fusion.f8ae587d-0840-446e-9d70-35635400fa04.htmlhttps://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.grossbankenfusion-fusionsplaene-stossen-bereits-auf-widerstand.618fe4f8-104f-4ed1-9a92-7c962d1c37db.htmlhttps://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.deutsche-bank-anteilseigner-mit-verschiedenen-interessen.ad27e7ad-b1de-4a84-a209-9245b44102c1.html

barbara.schaeder@stzn.de

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Erstellt:
18. März 2019, 03:04 Uhr

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