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„Automessen sind teures Marketing“

Kleinere Messen dürften Probleme bekommen, sagt der Autoexperte Stefan Reindl voraus

Interview -

Frage: Herr Reindl, Ford hatte immer einen recht großen Stand auf dem Genfer Autosalon. Dieses Jahr wird Ford nicht vertreten sein, ebenso fehlen Opel, Volvo, Hyundai, Jaguar und Land Rover. Verlieren Automessen generell an Attraktivität?

Antwort: Auf den Automessen sind viele Hersteller vertreten. Die Premieren finden in einem schnellen Takt statt. Da ist es für den einzelnen Hersteller schwer herauszuragen. Zudem sind Messen ein relativ teures Marketinginstrument, deshalb sucht mancher Autobauer nach neuen Wegen.

Frage: Wie sehen diese neuen Wege aus?

Antwort: Volvo macht eigene Roadshows in verschiedenen Regionen, oft gemeinsam mit den Händlern, um sich exklusiv zu präsentieren. Damit kann man die eigene Marke in den Mittelpunkt stellen, ohne Wettbewerber. Dadurch werden die Aktivitäten – im Gegensatz zu Messen – auf spezifische Zielgruppen fokussiert sowie gleichzeitig Streueffekte reduziert.

Frage: Die deutschen Autohersteller sind im Januar fast alle statt wie gewohnt nach Detroit zur Consumer Electronics Show (CES) nach Las Vegas gefahren. Dort geht es aber eigentlich um Produkte wie Smartphones, Fernseher und Computerspiele. Sind die Autobauer bei dieser Elektronikschau nicht fehl am Platz?

Antwort: Das Auto ist heute schon ein fahrender Computer. Die Präsenz auf der Elektronikmesse dient dazu, das Auto neu zu positionieren im Hinblick auf Lifestyle, Vernetzung und neue Trends. Deshalb dürften einige Automessen schon Probleme bekommen, besonders die kleineren.

Frage: Hat der traditionsreiche Genfer Autosalon eine Zukunft?

Antwort: Der Genfer Autosalon könnte sich schon noch einige Zeit halten. Genf war auch im Hinblick auf die Kommunikation der Akteure untereinander immer etwas Besonderes. Man trifft hier die Branchengrößen, unterhält sich mit den Meinungsbildnern. Davon allein kann die Messe auf Dauer aber nicht leben. Die Messe ist relativ klein. Ich will jetzt keine Prognose wagen. Aber ich würde schon sagen: Es dürfte auf lange Sicht nicht einfach werden.

Frage: Ist die geringere Attraktivität von Messen auch darauf zurückzuführen, dass es das Internet gibt, wo bequem oft schon vor den Messen viele Informationen über neue Automodelle zu finden sind?

Antwort: Das spielt gewiss eine Rolle. Das Informationsverhalten hat sich geändert. Es gibt durch Neue Medien heute viel mehr Informationen, die Transparenz des Angebots ist viel größer.

Frage: Spielt auch eine Rolle, dass das Auto, anders als früher, bei vielen Menschen nicht mehr so heiß begehrt ist?

Antwort: Das Automobil ist heute nicht mehr so emotional aufgeladen wie in der Vergangenheit. Gerade jüngere Menschen interessieren sich heute mehr für Mobilität und nicht unbedingt für Automobilität. Der Wunsch nach einem eigenen Auto ist oft nicht mehr so stark. Es steht viel mehr im Mittelpunkt, wie man von A nach B kommt. Das heißt nicht, dass es künftig keine Menschen mehr geben wird, die ein eigenes Auto besitzen werden. Aber die Emotionalität ist ein Stück weit verloren gegangen. Das Verhältnis zum Auto ist weit rationaler als in der Vergangenheit.

Frage: Werden die Marketingbudgets umgeschichtet, oder kürzen die Automobilhersteller ihre Ausgaben für das Marketing?

Antwort: Alle Unternehmen sind angestrengt unterwegs, um die Zukunftsinvestitionen zu bewältigen. Zudem haben viele Autobauer derzeit ein Sparprogramm aufgelegt, um die Kosten zu optimieren. Bei den Marketingbudgets wird genau geprüft, was welche Maßnahme kostet und was sie bringt. Auch deshalb konzentriert man sich lieber auf ­wenige große Messen und wählt stattdessen andere Marketingaktionen, die besser in den Köpfen der Kunden hängen bleiben.

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Erstellt:
4. März 2019, 03:04 Uhr

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