„B-14-Ausbauvariante ist nicht leistungsfähig“

Backnang lehnt die Pläne des Regierungspräsidiums zur Anschlussstelle Backnang-Süd ab und macht sich für Alternative stark.

Die B14 führt über das Murrtalviadukt an der Stadt vorbei. Geplant ist ein vierspuriger Ausbau. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Die B14 führt über das Murrtalviadukt an der Stadt vorbei. Geplant ist ein vierspuriger Ausbau. Foto: J. Fiedler

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Die jüngste Veröffentlichung des Zeitplans zum Weiterbau der B14 zwischen Waldrems und dem Industriegebiet Lerchenäcker beschäftigte sich auch mit dem Ausbau der Anschlussstelle Backnang-Süd. Nun beklagte Stadtbaudezernent Stefan Setzer in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats am Donnerstagabend, dass dabei ein Änderungsvorschlag der Stadtverwaltung vonseiten des Regierungspräsidiums so dargestellt wurde, als habe er wenig Aussicht auf Erfolg. So hieß es etwa, der Vorschlag würde eine weitere Verzögerung wegen der fälligen Neuplanung nach sich ziehen. Und Mehrkosten, die alleine die Stadt zu tragen habe.

Setzer hingegen verweist darauf, dass die Pläne des Regierungspräsidiums für den Anschluss Backnang-Süd vom April 2002 stammen. Um die künftige Leistungsfähigkeit des Knotens abschätzen zu können, wurden in diese alten Pläne aktuelle Prognosen der Verkehrsdichte für das Jahr 2035 eingerechnet. Das Ergebnis ist laut Setzer ernüchternd, die Straßen können diesen Verkehr nie und nimmer bewältigen. Selbst eine nachgebesserte und derzeit aktuelle Variante der Behörde, bei der Abfahrten zweispurig aufgerüstet wurden, erhält die Bewertung „es langt gerade mal so“.

Beifall gibt es bei der Stadt dafür nicht. Setzer erklärt unmissverständlich: „Damit gibt sich Backnang nicht zufrieden. Wir halten ,gerade mal so‘ als Note der Leistungsfähigkeit für viel zu wenig.“ Der Baudezernent erinnert daran, dass die Verwaltung vom Gemeinderat den klaren Auftrag habe, für Verhältnisse zu sorgen, dass es in den Ortsdurchfahrten von Waldrems und Heiningen zu keiner Verkehrszunahme kommt. Im optimalen Fall soll sogar eine Verkehrsentlastung herausspringen. Um das zu erreichen, müssen die Verkehre aus dem Weissacher Tal unbedingt über die Heinrich-Hertz-Straße und die Anschlussstelle Backnang-Süd auf die B14 geleitet werden.

Dieses Ziel wird nach Auffassung der Stadtverwaltung bei der derzeitigen Planung des Regierungspräsidiums nicht erreicht. Die Begründung von Setzer ist nachvollziehbar: „Es besteht an der Spritnase weiter ein Knoten mit Ampeln. An den Kreuzungen müssen zu viele verschiedene Verkehrsbeziehungen abgewickelt werden.“ Hier kreuzen sich die Heinrich-Hertz-Straße, die Stuttgarter Straße, die Ab- und Auffahrten der neuen B14 und die alte B14.

Die Stadt tüftelt seit Monaten an einer Variante, die den Knoten entzerren würde. Dazu würde der komplexe Knoten in zwei Kreuzungen mit räumlichem Abstand unterteilt. Wobei die zweite Kreuzung im eigentlichen Sinne gar keine ist, da sich die Straßen mittels einer Brücke „kreuzungsfrei“ queren würden. Bei dieser Variante würde sich die Leistungsfähigkeit deutlich verbessern. Und das Ziel des Gemeinderats, den Verkehr des Weissacher Tals über diese Anschlussstelle fließen zu lassen, wäre viel realistischer erreichbar.

Doch Setzer räumt ein, dass die Variante auch Nachteile hätte, da neue Verkehrswege nötig sind, die dann außerhalb des genehmigten Flächennutzungsplans liegen. Allerdings schränkt der Baudezernent ein: „Es handelt sich dabei nur um Straßen, die das Nebennetz betreffen, also nicht die eigentliche Bundesstraße selbst.“ Er ist daher der Auffassung, eine Genehmigung wäre über planfeststellungsersetzende Bebauungspläne möglich.

In diesem Fall stelle sich jedoch die Frage, wer die Mehrkosten bezahle, die sich aus einem erweiterten Flächenbedarf und neuen Planungskosten zusammensetzen. „Wir sind mit dem Regierungspräsidium gemeinsam zu der Auffassung gelangt, dass diese Frage mit dem Bund zu klären ist. Und zwar dann, wenn die Leistungsfähigkeit der Stadtvariante abschließend geklärt ist. Da sind wir zurzeit mittendrin.“ Auch die örtlichen Bundestagsabgeordneten sollten mithelfen, das zuständige Verkehrsministerium von den Vorteilen der neuen Variante zu überzeugen.

Die jüngste Veröffentlichung habe bei vielen den Eindruck erweckt, dass beim Regierungspräsidium bereits eine Entscheidung in Sachen Backnang-Süd gefallen sei und daher der Vorschlag der Stadt keine Chance auf Realisierung habe. Im Übrigen hätten sich die Verwaltung und das Gremium laut Setzer gewünscht, von der Behörde auf direktem Weg von Änderungen, Verzögerungen oder Weiterentwicklungen zu erfahren, „so wie es bisher auch gute Sitte war“.

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Erstellt:
5. Oktober 2020, 11:30 Uhr

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