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Babyboom löst Millionen-Investition aus

Kirchberger Schule wird für KigaPlus umgebaut – Künftig drei statt zwei Gruppen – Pultdach ersetzt sanierungsbedürftiges Flachdach

KigaPlus ist den Kirchbergern eine Herzensangelegenheit. Nun investiert die Gemeinde über zwei Millionen Euro, um das Schulhaus B zu drei Kiga-Plus-Gruppen umzubauen und das Gebäude zu sanieren. Trotz der riesigen Investition haben sich am Donnerstagabend alle Gemeinderäte einstimmig für den Umbau ausgesprochen. Ein Neubau hätte vermutlich drei Millionen Euro gekostet, so eine Schätzung des Architekten.

KigaPlus ist ein Erfolgsmodell, das in Kirchberg auf sehr große Resonanz stößt. Künftig soll es drei Gruppen geben. Foto: Gemeinde

KigaPlus ist ein Erfolgsmodell, das in Kirchberg auf sehr große Resonanz stößt. Künftig soll es drei Gruppen geben. Foto: Gemeinde

Von Matthias Nothstein

KIRCHBERG AN DER MURR. Ringsherum im ganzen Land ist vom aktuellen Babyboom die Rede. In Kirchberg aber werden die Geburtenzahlen anderer Gemeinden sogar noch getoppt, ist sich Bürgermeister Frank Hornek sicher. Und er schiebt als Wertung gleich hintennach: „Darüber freue ich mich sehr.“

Nun ist dieser Babyboom aber nicht nur Grund zur Freude, die Folgen müssen von den Kommunen auch berücksichtigt werden. Kinderbetreuung ist so ein Thema. Derzeit gibt es in Kirchberg bereits zwei Kinderkrippen und sechs Kindergartengruppen für Kinder über zwei Jahre bis fünf Jahre. Nächstes Jahr soll eine siebte Gruppe neu eröffnet werden. Und für Kindergartenkinder im letzten Jahr vor der Schule gibt es in der Gemeinde ein spezielles Angebot: KigaPlus. Zwei Gruppen existieren bereits. Aber das reicht nicht aus. Hornek blickt in die Zukunft und rechnet vor, dass jetzt schon absehbar ist, dass es mindestens vier bis fünf Jahrgänge gibt mit 40 bis 50 Kindern. Zudem seien die Kirchberger bekannt dafür, Kinder bei der Einschulung auch mal gerne zurückzustellen. Es sei durchaus möglich, dass demnächst Jahrgänge mit 55 bis 60 Kindern im Angebot KigaPlus ein Plätzchen finden wollen.

In den beiden Kindergärten gibt es keinen Platz für weitere Gruppen

Fakt ist, dass zwei Gruppen dafür nicht ausreichen, deshalb muss eine dritte Gruppe aufgemacht werden. Fakt ist ferner, dass die beiden Kindergärten Pfarrgartenstraße und Schulstraße keinen Platz mehr bieten. Und Fakt ist des Weiteren, dass die frühere Werkrealschule aufgehört hat zu existieren und künftig als reine zweizügige Grundschule fortgeführt wird. Das ist an sich keine gute Entwicklung für die Gemeinde, aber nun möchte sie das Beste aus der Situation machen und die leer stehenden Gebäudeteile der Schule für Kita-Plus-Zwecke nutzen. In dem Schulgebäude B sollen drei Gruppenräume entstehen. Noch sind darin zwei Grundschulklassen untergebracht, aber die finden laut Hornek problemlos Platz in den anderen Schulgebäuden. Dort gibt es bereits sieben Klassenzimmer, ein Handarbeitszimmer sowie einen Physik- und Chemieraum. Letzterer könnte zu einem Klassenzimmer umgebaut werden. Das wäre allerdings nur eine Übergangslösung, so Hornek. Wenn der Umbau des Gebäudeteils B abgeschlossen ist, muss auch die Grundschule kernsaniert werden. Die Kosten bewegen sich in einer Größenordnung, die vergleichbar ist mit der nun anstehenden Sanierung, also zwei Millionen Euro. Zu diesen Ideen gebe es jedoch noch keinerlei Gemeinderatsbeschlüsse, so der Bürgermeister. Und schelmisch fügte er an: „Da sie alle aber demnächst ihre Wahlprospekte drucken werden, lege ich ihnen dieses Thema ans Herz.“

Den Umbau des Gebäudes B erläuterte der Marbacher Architekt Gerd Beutelspacher. Bisher beherberge der Bau vier Klassenzimmer, daraus sollen drei Kiga-Plus-Räume werden. Dort, wo derzeit die Kiga-Plus-Gruppen untergebracht sind, kann die siebte Kindergartengruppe Platz finden. Das Flachdach ist überall undicht und muss saniert werden. Der Planer warb für den Bau eines Pultdachs mit einer sehr guten Wärmedämmung. Die Idee, das Gebäude abzureißen und neu zu bauen, verwarf er. Das würde statt 1,5 vermutlich 3 Millionen Euro kosten.

Alle Gemeinderäte zeigten sich zufrieden mit der Planung. Von einer gelungenen Lösung sprachen Martin Ebinger und Christoph Berroth (beide UBK), Günter Wolf (FLK) lobte die gelungene Architektur. Gudrun Wilhelm (FLK) unterstützte die Idee eines Pultdachs. „Das Flachdach hat uns nur Ärger gebracht.“ Angesichts dessen, dass zuvor zwei Maßnahmen für Straßensanierungen und neue LED-Lampen in Millionenhöhe beschlossen wurden, fragte Ebinger: „Was sagt denn unser Sparschwein dazu?“ Kämmerer Christian Nobis: „Es fühlt sich geschlachtet.“

Die neuen Pultdächer bieten auch die Möglichkeit, Fotovoltaikanlagen zu installieren. Ob dies gemacht wird, kann noch später entschieden werden.Visualisierung: Beutelspacher

Die neuen Pultdächer bieten auch die Möglichkeit, Fotovoltaikanlagen zu installieren. Ob dies gemacht wird, kann noch später entschieden werden.Visualisierung: Beutelspacher

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Kostenschätzung
Umbau Schule zu KigaPlus 860000 Euro Möblierung150000 Euro Außenanlage250000 Euro gesamt: 1260000 Euro Flachdachsanierung322000 Euro Pultdach statt Flachdach475000 Euro Fassadensanierung305000 Euro gesamt: 2040000 Euro Auf Sanierung entfallen: Notausgangssteg (66%)100000 Euro Pultdach (55%)260000 Euro Fassadensanierung (60%) 180000 Euro gesamt: 540000 Euro Kosten nur für KigaPlus1500000 Euro

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Erstellt:
24. November 2018, 06:00 Uhr

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