Backnang trauert um Reginald Kunzelmann

Der frühere Backnanger Stadtplanungsamtsleiter ist einen Tag nach seinem 80. Geburtstag an Karfreitag gestorben.

Reginald Kunzelmann war laut dem früheren Backnanger OB Frank Nopper „so etwas wie ein Missionar der Ästhetik und Gestaltung in unserer Stadt“. Archivfoto: A. Wahl

Reginald Kunzelmann war laut dem früheren Backnanger OB Frank Nopper „so etwas wie ein Missionar der Ästhetik und Gestaltung in unserer Stadt“. Archivfoto: A. Wahl

Von Matthias Nothstein

Backnang. Einen Tag nach seinem 80. Geburtstag ist Reginald Kunzelmann, der frühere Leiter des Backnanger Stadtplanungsamts, gestorben. Kunzelmann hatte 1979 seinen Dienst in der Stadt Backnang angetreten und sich als Leiter des Stadtplanungsamts unter anderem leidenschaftlich für den Erhalt denkmalwürdiger Gebäude eingesetzt. Dabei ging der streitbare Bauästhet keinem Konflikt aus dem Weg. Auf ihn ging auch der Fassadenwettbewerb zurück, der Backnang ab den 80er-Jahren ein eigenes Gesicht gab. Als Kunzelmann im April 2007 in den Ruhestand eintrat, würdigte der damalige Backnanger Oberbürgermeister Frank Nopper das Engagement seines Mitarbeiters in eindrucksvoller Weise. Er sei als Chefstadtplaner „so etwas wie ein Missionar der Ästhetik und Gestaltung in unserer Stadt“ gewesen.

Auch die Backnanger Sozialdemokraten um den SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Gernot Gruber und den SPD-Fraktionsvorsitzenden Heinz Franke trauern um ihren langjährigen Weggefährten. In einem Nachruf schreiben sie: „Bei seinem jahrzehntelangen Einsatz als Leiter des Stadtplanungsamts standen bei ihm der Erhalt unserer schönen historischen Innenstadt und ein lebenswertes Zuhause in den Neu- und den Sanierungsgebieten für die Bevölkerung im Vordergrund. Dieses Erbe ist uns eine Verpflichtung.“

Kunzelmann stammte ursprünglich aus dem kleinen Ort Schmiegel im sogenannten Warthegau, einer Provinz, die die Nazis in Polen geschaffen hatten. Dorthin waren seine Eltern umgesiedelt worden, die aus der heute ukrainischen Bukowina kamen. Die fürchterliche Flucht am Kriegsende führte die Familie in den Westen. Dabei wurde der Flüchtlingszug mit dem zweieinhalbjährigen Kunzelmann beschossen. Reginald Kunzelmann konnte aus dem brennenden Zug gerettet werden, wurde jedoch durch die Umstände auf dem rechten Ohr taub. Die vierköpfige Familie fand erst später in Tübingen wieder zusammen.

Nach dem Abitur 1961 in Tübingen studierte Kunzelmann erst Kunstgeschichte, dann Architektur. Nach Stationen in privaten Planungsbüros arbeitete er drei Jahre lang als Stadtplaner in Völklingen an der Saar. Im Januar 1967 heiratete er Bärbel Saile. Ein wechselvolles Leben begann, da der junge Mann beruflich erst in Saulgau tätig war, dann in Tübingen, schließlich in Völklingen. Drei Jahre lang führten die Kunzelmanns eine Wochenendehe. Und auch die Kinder mussten ihren Vater wochentags schmerzlich vermissen.

Hilfe kam von unerwarteter Seite. Reginald Kunzelmann hielt in München einen Vortrag über erhaltende Stadterneuerung. Unter den Zuhörern: Baudirektor Paul Biber aus Backnang. Den überzeugte der Vortragende so sehr, dass er ihn zur Bewerbung um die gerade ausgeschriebene Stelle des Chefs des Stadtplanungsamts ermutigte. Kein leichtes Unterfangen, schließlich hatten über 40 Interessenten ihre Unterlagen eingereicht. Aber Kunzelmann setzte sich durch und bekleidete das Amt bis 2007. In dieser Zeit wohnte der Stadtplaner immer mitten in der Stadt, erst in der Marktstraße, dann ab 1985 im Haus Oelberg 9.

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Erstellt:
23. April 2022, 16:00 Uhr

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