„Backnang verliert sein Aushängeschild“

Nun ist es amtlich: Nach mehr als 18 Jahren wird Oberbürgermeister Frank Nopper Backnang verlassen. An der Murr bedauern viele, dass er geht, allerdings begleiten ihn auch viele gute Wünsche auf seinem Weg in die Landeshauptstadt.

Frank Nopper zieht als Wahlsieger mit Ehefrau Gudrun und Sohn Franz Ferdinand ins Stuttgarter Rathaus ein.Foto: Lichtgut/Piechowski

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Frank Nopper zieht als Wahlsieger mit Ehefrau Gudrun und Sohn Franz Ferdinand ins Stuttgarter Rathaus ein.Foto: Lichtgut/Piechowski

Von Kornelius Fritz
und Matthias Nothstein

„Backnang verliert sein Aushängeschild“

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Richard Sigel, Landrat: Ich freue mich für Frank Nopper und seine ganze Familie, die sehr viel investiert haben in den vergangenen Wochen und die nun auch in den nächsten Jahren sehr eingespannt sein werden. Man hat immer gespürt, für ihn ist der OB-Posten von Stuttgart eine Herzenssache. Für uns ist es auch wichtig, dass die Landeshauptstadt gut aufgestellt ist, schließlich gibt es viele gemeinsame Themen mit dem Landkreis, sei es der Verkehrsverbund VVS oder die 5G-Gigabit-Region. Ich habe mit Frank Nopper immer gut zusammengearbeitet und bin überzeugt, dass diese gute Zusammenarbeit auch nicht abreißt. Ich bin auch zuversichtlich, dass wir künftig an einem Strang ziehen. Dies ist nötig und umso mehr möglich, da die persönlichen Kontakte als Basis schon bestehen. Für Backnang wird sich nun eine große Lücke auftun, daher sehe ich Noppers Wahl auch mit einem weinenden Auge.

„Backnang verliert sein Aushängeschild“

© Alexander Becher

Wilfried Klenk, CDU-Landtagsabgeordneter und Staatssekretär im Innenministerium:

Ich gratuliere Frank Nopper zu seinem Wahlerfolg und wünsche ihm für die neue Aufgabe als Oberbürgermeister in Stuttgart von Herzen alles Gute und weiterhin viel Erfolg. Obwohl Frank Nopper als bisheriger Oberbürgermeister in Backnang sehr geschätzt wird, habe ich ihn schon vor acht Jahren dazu ermuntert, in Stuttgart anzutreten. Dass er es nun erfolgreich gewagt hat, freut mich daher umso mehr. Frank Nopper passt hervorragend in unsere Landeshauptstadt und bringt den Schwung mit, den Stuttgart braucht – jetzt erst recht.

„Backnang verliert sein Aushängeschild“

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Gernot Gruber, SPD-Landtagsabgeordneter: Ich gratuliere Frank Nopper zum eindeutigen Wahlergebnis. Seine fachliche Kompetenz, seine Erfahrung als Backnanger Oberbürgermeister und ein klarer Wille zur Übernahme der Verantwortung waren für den Wahlsieg entscheidend. Nopper ist ein politischer Kopf mit Überzeugungskraft, Gestaltungswillen und hoher Einsatzbereitschaft. Ich wünsche ihm, dass er unserer Landeshauptstadt zu neuem Schwung verhelfen und, wie im Wahlkampf angekündigt, Wirtschaft und Umwelt versöhnen kann. Als Oberbürgermeister ist er und der Stadtrat auch gefordert, den sozialen Zusammenhalt in Stuttgart durch bezahlbaren Wohnraum zu stärken.

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Siegfried Janocha, Erster Bürgermeister in Backnang: Das ist ein sehr gutes Ergebnis für Frank Nopper. Als gebürtiger Stuttgarter war diese Wahl für ihn eine Herzensangelegenheit, und der Sieg ist nun die politische und berufliche Krönung. Für seine neue Aufgabe wünsche ich ihm alles Gute und natürlich vor allem Gesundheit. Ich selbst habe 16 Jahre mit ihm zusammengearbeitet und schätze ihn sehr. In Backnang hat Frank Nopper sehr viel bewegt, deshalb bedaure ich seinen Weggang einerseits, aber wir sind letztlich natürlich auch stolz darauf, dass er es geschafft hat. Wir haben schon damit gerechnet, dass er uns verlassen könnte. Für die Nachfolge haben wir deshalb bereits alles vorbereitet. In der nächsten Gemeinderatssitzung werden wir den Termin für die OB-Wahl festlegen und die Stelle dann zügig ausschreiben. Bis ein Nachfolger kommt, werde ich noch ein paar Monate die Geschäfte weiterführen, das sehe ich aber nicht als Problem.

„Backnang verliert sein Aushängeschild“

Ute Ulfert, CDU-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat: Ich freue mich für Frank Nopper persönlich, denn er hat in den vergangenen Monaten wirklich gekämpft. Er ist der richtige Mann für Stuttgart, denn die Stadt kann jetzt einen erfahrenen Oberbürgermeister gebrauchen. Aber auch Marian Schreier hat ein sehr gutes Ergebnis erzielt. Ich denke, von ihm werden wir noch hören. Die Aufgabe wird für Frank Nopper in Stuttgart nicht einfach: Der Gemeinderat ist dort wesentlich inhomogener als in Backnang. Da wird es sicher schwieriger, stabile Mehrheiten zu organisieren. Aber Frank Nopper ist ja Profi und wusste, worauf er sich einlässt. Aus Backnanger Sicht sehe ich seinen Abschied mit zwei weinenden Augen. Die Backnanger werden ihn vermissen. Aber wir werden auch seinen Nachfolger oder seine Nachfolgerin nach Kräften unterstützen. Und ein neuer OB kann ja auch neue Impulse setzen, das muss nicht schlecht sein.

„Backnang verliert sein Aushängeschild“

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Heinz Franke, SPD-Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat: Herzlichen Glückwunsch an Frank Nopper. Ich bin aufgrund der Konstellation nach dem ersten Wahlgang nicht überrascht. Was mich allerdings sehr überrascht hat, ist das persönliche Ergebnis von Marian Schreier. Nopper wird es nicht einfach haben, das Mitte-Links-Lager ist stabiler als gedacht und war in der Vergangenheit nicht nur eine Momentaufnahme. Für einen konservativen Oberbürgermeister wird die Amtsführung nicht einfach werden, zumal der Stuttgarter Gemeinderat konfrontativer aufgestellt ist als der Backnanger. Aber Nopper weiß, auf was er sich da eingelassen hat und wie er mit Mehrheitsverhältnissen umgeht. Er muss aber seinen Führungsstil überdenken. Im überschaubaren Backnang konnte er sich in jedes Detail vertiefen, in Stuttgart kann er nur die grobe Linie vorgeben. Außerdem muss er mehr als bisher Ökologie und Ökonomie zusammenbringen. Nun wird sich zeigen, ob seine großen Stärken, nämlich auf Menschen zugehen und ihnen auf Augenhöhe zu begegnen, auch in der Großstadt zum Tragen kommen und er weiterhin Bürgernähe beweist und einen guten Draht zur Bevölkerung hat.

„Backnang verliert sein Aushängeschild“

© Edgar Layher

Willy Härtner, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen im Gemeinderat: Ich gönne Frank Nopper den Sieg und glaube auch, dass er für Stuttgart brennt. Allerdings hätte ich mir für Stuttgart einen OB gewünscht, der die Energie- und Ökowende stärker vorantreibt. Da hatten die anderen Bewerber aus meiner Sicht mehr auf der Platte. Die Mehrheit dafür wäre da gewesen, aber wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. In Backnang brauchen wir jetzt einen OB, der die ökologische Wende voranbringt, den öffentlichen Nahverkehr fördert, aber zugleich auch die Wirtschaft im Blick hat.

„Backnang verliert sein Aushängeschild“

Charlotte Klinghoffer, Fraktionsvorsitzende Bürgerforum/FDP im Gemeinderat: Ich freue mich für Frank Nopper und seine Familie, dass sich ihr Einsatz gelohnt hat. Backnang verliert sein Aushängeschild. Er hat hier unheimlich viel bewegt, unter ihm ist Backnang lebenswerter geworden. Und er war ein OB zum Anfassen. Stuttgart gewinnt mit ihm einen Streiter für eine hoffnungsvolle Zukunft. Ich hoffe, dass sich in Stuttgart jetzt wieder etwas bewegt, denn die Stadt war ja versunken im grünen Regulierungswahn. Frank Nopper wird im Stuttgarter Gemeinderat sicher keinen leichten Stand haben, aber wenn es einer schafft, dann er.

„Backnang verliert sein Aushängeschild“

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Hartmut Holzwarth, Oberbürgermeister von Winnenden: Mein lieber Kollege Frank Nopper hat trotz engem Rennen mit deutlichem Vorsprung gewonnen, was ich auch erwartet hatte. Er ist der beste Kandidat für Stuttgart und wird nun ein guter OB sein, wie schon in Backnang. Seine Heimatstadt Stuttgart ist seine Bestimmung. Die Backnanger können sich übrigens freuen, mehr OB-Jahre mit ihm gehabt zu haben, als Stuttgart sie bekommen wird. Zwar habe ich mich gemeinsam mit Frank Nopper dem parteiinternen CDU-Auswahlverfahren für die OB-Kandidatur in der Landeshauptstadt gestellt und kam mit ihm dort in die Endrunde. Mein Interesse an der ganz besonderen Aufgabe in der Landeshauptstadt ist aber kein allgemeines Wechselinteresse. Nachdem Frank Nopper parteiintern ausgewählt worden war, war für mich eindeutig klar, dass meine Aufgabe weiterhin das Amt des Oberbürgermeisters von Winnenden ist.

„Backnang verliert sein Aushängeschild“

Armin Mößner, Bürgermeister von Murrhardt: Es freut mich sehr für Frank Nopper und ich darf ihm recht herzlich gratulieren, auch im Namen der CDU-Kreistagsfraktion, deren Mitglied er auch ist. Ich freue mich für ihn, dass er es geschafft hat. Dieses Amt bedeutet ihm und seiner Familie sehr viel, da auch schon sein Vater OB-Kandidat in Stuttgart war. Für sein neues Amt wünsche ich ihm alles erdenklich Gute, viel Erfolg, Tatkraft und vor allem stets auch ein glückliches Händchen. Das Stadtoberhaupt von Stuttgart strahlt in die Region aus. Viele Entwicklungen und Entscheidungen haben auch einen regionalen Bezug. Ich hoffe daher, dass er die Themen des Rems-Murr-Kreises nicht vergessen wird. Backnang verliert mit ihm einen sehr engagierten Oberbürgermeister, der in 18 Jahren gemeinsam mit der Stadtverwaltung und dem Gemeinderat vieles geleistet und erreicht hat.

Kommentar
Auch eine Chance für Backnang

Von Kornelius Fritz

Frank Nopper ist am Ziel. Mit knapp
60 Jahren ist er dort angekommen, wo er insgeheim wohl schon immer hin wollte: auf dem Chefsessel im Stuttgarter Rathaus. In Backnang wird sein Abgang von vielen bedauert. Das ist nach mehr als
18 Jahren als Oberbürgermeister durchaus bemerkenswert. Ein Blick in andere Städte zeigt, dass es immer weniger Rathauschefs gelingt, über so lange Zeit bei ihren Bürgern anzukommen. So wurden in jüngerer Vergangenheit etwa die Oberbürgermeister von Freiburg, Ludwigsburg und Göppingen jeweils nach zwei Amtszeiten abgewählt.

Dass Frank Noppers Beliebtheit in Backnang noch immer ungebrochen ist, hat weniger mit seinen politischen Großtaten zu tun. Die Zahl der Bürger, die sich mit Kommunalpolitik beschäftigen, ist ohnehin überschaubar. Vielmehr ist es Noppers Art, die bei den Leuten ankommt. Als Oberbürgermeister ist er in all den Jahren nicht abgehoben, sondern hat stets den persönlichen Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern gesucht. Und wenn er am Wochenende beim Feuerwehrfest oder auf dem Sportplatz vorbeigeschaut hat, dann hatten die Leute nie das Gefühl, dass das für ihn eine lästige Pflichtübung ist, sondern dass sich ihr OB wirklich für sie und ihre Sorgen und Nöte interessiert. Diese gelebte Bürgernähe wird in der Großstadt sicher genauso geschätzt. Insofern hat Frank Nopper gute Karten, auch in Stuttgart viele Sympathien zu gewinnen.

Ob er auch seine politischen Ziele so leicht umsetzen kann wie bisher, ist eine andere Frage. Der Backnanger Gemeinderat war für den OB in dieser Hinsicht schon fast eine Wohlfühloase. Kritik musste sich Nopper dort nur ganz selten anhören, meistens hat das Gremium den Rathauskurs klaglos mitgetragen. Gut möglich, dass sich Nopper danach in den nächsten Jahren noch zurücksehnen wird, denn im links-grün-dominierten Stuttgarter Gemeinderat dürfte ihm künftig ein anderer Wind entgegenwehen.

Für Backnang endet mit dem Abschied von Frank Nopper eine Ära, doch auch dieser Wechsel birgt Chancen. Denn nach knapp zwei Jahrzehnten unter OB Nopper ist auch hier manches zur Routine geworden. Ein jüngerer Oberbürgermeister oder eine Oberbürgermeisterin, die mit Elan nach Backnang kommt, kann hier durchaus neue Akzente setzen, etwa in Themenfeldern wie Klimaschutz oder nachhaltige Mobilität, die nicht zu Noppers Kernkompetenzen zählten. Insofern kann ein Neuanfang für Backnang sogar besser sein, als wenn Frank Nopper als enttäuschter Wahlverlierer aus Stuttgart an die Murr zurückgekehrt wäre.

k.fritz@bkz.de

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Erstellt:
30. November 2020, 06:00 Uhr

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