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Backnang will keine weißen Flecken mehr

Bis Ende 2020 sollen auch die schlecht versorgten Teilorte schnelles Internet bekommen – Stadt beantragt Fördergelder

Es geht voran mit dem Breitbandausbau in Backnang. In den vergangenen Monaten hat die Deutsche Glasfaser bereits mehr als 100 Unternehmen im Gewerbegebiet Süd und im Bereich Sulzbacher Straße/Gaildorfer Straße an das Glasfasernetz angeschlossen. Bald sollen auch die kleinen Teilorte Oberschöntal, Horbach, Stiftsgrundhof und Ungeheuerhof schnelles Internet bekommen.

Im Backnanger Gewerbegebiet Süd und an der Sulzbacher Straße sind in den vergangenen Wochen bereits solche Leerrohre für Glasfaserkabel verlegt worden, im kommenden Jahr sollen auch die kleinen Teilorte angeschlossen werden. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Im Backnanger Gewerbegebiet Süd und an der Sulzbacher Straße sind in den vergangenen Wochen bereits solche Leerrohre für Glasfaserkabel verlegt worden, im kommenden Jahr sollen auch die kleinen Teilorte angeschlossen werden. Foto: A. Becher

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Jürgen Ziegler fühlt sich wohl in Oberschöntal. Privat lebt er schon seit mehr als zehn Jahren in dem kleinen Teilort vor den Toren Backnangs, seit drei Jahren hat der selbstständige Maschinenbau-Ingenieur auch sein Büro in Oberschöntal. Seitdem genießt er die kurzen Wege und die idyllische Umgebung. Wenn da nur die Sache mit dem Internet nicht wäre. „Wenn ich den 3-D-Plan einer Maschine verschicken will, dauert das zwei bis drei Stunden“, erzählt Ziegler. Arbeitet noch ein freier Mitarbeiter in seinem Büro mit, müssen sie sich absprechen, wer wann ins Internet darf. Videokonferenzen mit Kunden sind praktisch unmöglich. Wenn sich die Situation nicht bald verbessere, müsse er einen neuen Standort für sein Büro suchen, sagt der Ingenieur. Dabei hat Ziegler seinen Internetanschluss mit der sogenannten Hybridtechnik, die DSL-Leitung und Mobilfunkanschluss koppelt, bereits hochgerüstet. So kommt er immerhin auf eine Datenübertragung von 12 bis 16 Mbit pro Sekunde. Sonst wären es gerade mal zwei bis drei Mbit.

Stadt muss nur zehn Prozent der Ausbaukosten übernehmen

Dass das im Jahr 2019 nicht mehr zeitgemäß ist, hat man auch im Backnanger Rathaus erkannt. Während die Breitbandversorgung in weiten Teilen der Stadt gut oder wenigstens zufriedenstellend ist (siehe Infobox), hinken einige kleine Teilorte noch weit hinterher. „Die weißen Flecken sind unser Kernproblem“, sagt der städtische Wirtschaftsbeauftragte Reiner Gauger. Als „weißer Fleck“ gelten Gebiete, in denen die maximale Datenübertragung bei unter 30 Mbit pro Sekunde liegt. In Backnang ist das außer in Oberschöntal noch in Horbach, Stiftsgrundhof und Ungeheuerhof der Fall. Auch Oberbürgermeister Frank Nopper sieht hier Handlungsbedarf: „Sonst zieht dort keiner mehr hin.“

Insgesamt gehe es um 161 Gebäude, erklärt Gauger. Sie alle ans Glasfasernetz anzuschließen, würde nach ersten Schätzungen etwa 2,5 Millionen Euro kosten. Für einen privaten Betreiber lohnt sich diese Investition nicht, das hat ein sogenanntes Markterkundungsverfahren gezeigt. „Wir haben den Auftrag pro forma ausgeschrieben“, berichtet Gauger. Angebote blieben wie erwartet aus. Nachdem das „Marktversagen“ damit bewiesen ist, kann die Stadt nun Geld aus dem Bundesförderprogramm für den Breitbandausbau beantragen. Dies sei bereits geschehen, erklärt Gauger, bis Jahresende rechnet er mit einer Entscheidung. Fällt diese positiv aus, wovon der Wirtschaftsbeauftragte ausgeht, übernehmen Bund und Land insgesamt 90 Prozent der Ausbaukosten, 10 Prozent muss die Stadt stemmen.

Gaugers Zeitplan sieht vor, dass der Auftrag Anfang nächsten Jahres ausgeschrieben wird und spätestens Mitte 2020 die Bauarbeiter anrücken. Die Arbeiten selbst sollen nur wenige Monate dauern, zumal etwa in Oberschöntal zum Teil schon Leerrohre in der Erde liegen. Ende nächsten Jahres sollen die weißen Flecken dann von der Breitband-Landkarte verschwunden sein. Dann werde man in den kleinen Teilorten mit Gigabit-Tempo surfen können, verspricht Gauger: „Wenn investiert wird, dann legen wir Glasfaser in jedes Haus. Was anderes machen wir nicht mehr.“

Jürgen Ziegler ist froh, dass die Stadt das Problem jetzt anpackt, allerdings ist er noch skeptisch, ob das schnelle Internet wirklich so rasch bei ihm ankommt wie erhofft. Denn wann die Kabel verlegt werden, das entscheiden am Ende eben doch die Netzbetreiber, und Ziegler hat Zweifel, ob die damit wirklich große Eile haben: „Für die Telekom sind wir hier doch nur ein Klacks.“

Info
Breitband-Umfrage: 25 Prozent sind unzufrieden

Im Auftrag der Stadt hat ein Berliner Marktforschungsinstitut im Mai und Juni eine Umfrage unter Backnanger Unternehmen zum Thema Breitbandversorgung durchgeführt. 2419 Firmen und Freiberufler wurden angeschrieben, 535 beteiligten sich an der Umfrage, das entspricht einer Quote von 22 Prozent.

37 Prozent der Befragten gaben an, dass sie mit der Breitbandversorgung sehr zufrieden oder zufrieden sind, 33 Prozent antworteten teils/teils, 25 Prozent sind mit dem aktuellen Angebot unzufrieden.

Wirtschaftsförderer Reiner Gauger bewertet die Ergebnisse positiv. Allerdings gaben auch 71 Prozent der Unternehmen an, dass ihr Breitbandbedarf weiter steigen wird. Gauger: „Backnang muss deshalb weiterhin an der Breitbandversorgung arbeiten, um keinen Standortnachteil zu erleiden.“

CDU-Stadtrat Gerhard Ketterer mahnte im Gemeinderat, beim Breitbandausbau nicht nur die Unternehmen im Blick zu haben. In Zeiten von Homeoffice seien auch viele Privatleute auf eine schnelle Datenübertragung angewiesen.

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Erstellt:
26. Oktober 2019, 10:40 Uhr

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