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Backnanger Bahnhof wird barrierefrei

Neue Stadtbrücke soll bis 2022 fertig sein – Projekt wird deutlich teurer als gedacht – Haltung der Bahn sorgt für Kopfschütteln

Rund um den Backnanger Bahnhof wird sich in den nächsten Jahren viel verändern. Ein erstes Projekt wird nun konkret: Der Gemeinderat hat den Bau eines neuen Stegs beschlossen. Nach seiner Fertigstellung im August 2022 werden alle Bahnsteige barrierefrei zu erreichen sein. Die sogenannte Stadtbrücke soll 5,8 Millionen Euro kosten.

Der neue Steg verbindet die Innenstadt mit der Maubacher Höhe und schafft über Aufzüge einen barrierefreien Zugang zu allen Bahnsteigen.

Der neue Steg verbindet die Innenstadt mit der Maubacher Höhe und schafft über Aufzüge einen barrierefreien Zugang zu allen Bahnsteigen.

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Die Zeit drängt. Zwar dauert es noch zwei Jahre bis zum geplanten Baustart der Stadtbrücke, aber die Deutsche Bahn will schon heute wissen, welche Auswirkungen die Baustelle auf den Bahnverkehr haben wird. Weil das Bauwerk die Gleise kreuzt, muss die Bahnstrecke während der Arbeiten zeitweise gesperrt werden. „Das müssen wir zwei Jahre vorher anmelden“, erklärt Baudezernent Stefan Setzer. Und so hat der Gemeinderat schon jetzt Nägel mit Köpfen gemacht und den Bau der 60 Meter langen Brücke beschlossen. Wenn sie fertig ist, werden über Aufzüge endlich alle Bahnsteige und auch die Maubacher Höhe barrierefrei zu erreichen sein.

Geplant wurde der Steg vom Büro Stadt Land Bahn aus Boppard. Die Planer entschieden sich für eine verglaste Holzfachwerkkonstruktion, die von Betonpfeilern getragen wird. „Wir verbinden traditionelle Holzverbindungen mit moderner Technik“, erklärt Architekt Sven Schneider. Die hölzerne Variante ist rund 200000 günstiger als die ebenfalls durchkalkulierte Stahlkonstruktion. Außerdem rechnet man mit einem erhöhten Zuschuss, weil das Land innovative Holzbauprojekte besonders fördert.

Auch optisch soll der neue Steg Akzente setzen: Bei Tag wirke er eher zurückhaltend, sagt Stefan Setzer, beleuchtet entfalte er nachts aber eine besondere Wirkung. Der Baudezernent hofft, dass die Stadtbrücke so etwas wie ein erstes Wahrzeichen für alle Pendler und Reisenden wird, die in Backnang ankommen.

Bahn lässt sich Arbeiten von der Stadt bezahlen

Bei der Präsentation im Gemeinderat kam der Entwurf gut an. „Mir gefällt es schon jetzt“, sagte Grünen-Fraktionschef Willy Härtner. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Heinz Franke sprach von einer „tollen Weiterentwicklung unseres Bahnhofs“. Für wenig Begeisterung sorgte allerdings die Kalkulation: Mit geschätzten 5,8 Millionen Euro – inklusive Abbruch des bestehenden Stegs – wird die Stadtbrücke nämlich wesentlich teurer als angenommen. Bei der Investitionsplanung im vergangenen September war noch von 3,5 Millionen die Rede. „Das ist ein großer Wermutstropfen“, meinte Ute Ulfert, Vorsitzende der CDU-Fraktion.

Was das Projekt so teuer macht, sind die Nebenkosten, denn bei laufendem Betrieb eine Brücke über die Bahngleise zu spannen, ist kompliziert. Alleine 820000 Euro sind für Umbauarbeiten an Gleisen, Oberleitungen und Signalanlagen eingeplant. Die Bahn lässt sie sich diese Kosten von der Stadt ersetzen, obwohl sie auch ein Interesse an einem attraktiven Bahnhof haben müsste. Im Rathaus sorgt das für Kopfschütteln: „Wir bezahlen das ganze Projekt zugunsten der Bahn und jetzt müssen wir das auch noch bezahlen. Das ist nicht so ohne Weiteres begreifbar“, sagte Erster Bürgermeister Siegfried Janocha. Heinz Franke nannte die Haltung der Bahn „skandalös“. CDU-Stadtrat Gerhard Ketterer übte sich in Galgenhumor: „Die Bahn ist wenigstens berechenbar. Wir wissen, dass wir von ihr nichts kriegen.“ Dafür wird sich aber das Land an den Baukosten beteiligen: Im Rathaus rechnet man mit rund 2,5 Millionen Euro Zuschuss.

Die Bauarbeiten für den Brückenneubau sollen im Frühjahr 2021 beginnen, die drei vormontierten hölzernen Brückenelemente werden dann im Mai 2022 eingesetzt, in Betrieb gehen soll die neue Verbindung zwischen Bahnhof und Maubacher Höhe im August 2022. Bis dahin wird der alte Steg noch begehbar sein, anschließend beginnt der Abriss.

Der Bau der Stadtbrücke ist das erste Teilprojekt einer umfangreichen Neugestaltung des Bahnhofbereichs. Los geht es schon in diesem Sommer mit dem Abriss des alten Güterschuppens. Vorübergehend wird an seiner Stelle ein Parkplatz entstehen, später ist dort der neue Zentrale Omnibusbahnhof geplant. Der heutige ZOB soll dann zu einer „Mobilitätsdrehscheibe“ mit Carsharing-Angebot, einem Fahrradparkhaus und Kurzzeitparkplätzen umgebaut werden. Auch den Bahnhofsvorplatz möchte die Stadt gerne aufwerten.

Insgesamt sind für das Projekt mehr als zehn Millionen Euro eingeplant, die Fertigstellung ist bis 2026 geplant. Die Stadt verhandelt zurzeit mit zwei Büros, die bei einem Architektenwettbewerb vor einem Jahr die ersten Preise gewonnen hatten. Welches zum Zug kommen wird, steht laut Setzer noch nicht fest.

Spannend wird auch noch, welchen Beitrag die Bahn zu den Bemühungen um einen attraktiveren Bahnhof leisten wird. Das Unternehmen plant ein Modernisierungsprogramm für den Bahnhof. Unter anderem will man Bahnsteige erhöhen, die Überdachung verlängern und die Unterführung sanieren. Allerdings verlangt die Bahn auch hierfür eine Kostenbeteiligung von der Stadt und vom Land.

Ginge es nach Baudezernent Setzer, sollte die Bahn auch gleich noch das Bahnhofsgebäude abreißen und durch einen Neubau ersetzen. Im Rahmen des Architektenwettbewerbs wurden dafür auch schon Ideen entwickelt. Ob und wann die Bahn diese aufgreifen wird, steht allerdings in den Sternen.

Die Planer haben sich für eine Fachwerkkonstruktion entschieden, die auf Betonpfeilern ruht. Die hölzerne Brücke soll auch einen optischen Akzent am Stadteingang setzen.Visualisierungen: Büro Stadt Land Bahn

Die Planer haben sich für eine Fachwerkkonstruktion entschieden, die auf Betonpfeilern ruht. Die hölzerne Brücke soll auch einen optischen Akzent am Stadteingang setzen.Visualisierungen: Büro Stadt Land Bahn

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Erstellt:
1. Juni 2019, 06:00 Uhr

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