Backnanger Ehepaar Bachert feiert diamantene Hochzeit

Sie haben sich stets den Humor bewahrt: Am heutigen Dienstag feiern Christa und Werner Bachert aus Backnang ihre diamantene Hochzeit. Im Tanzlokal im Ruhrgebiet hat es zwischen beiden gefunkt. Bald darauf stand der Umzug ins Schwäbische an.

Auch 60 Jahre nach ihrer Hochzeit sind sich Christa und Werner Bachert liebe- und vor allem humorvoll verbunden. Foto/Repro: Alexander Becher

© Alexander Becher

Auch 60 Jahre nach ihrer Hochzeit sind sich Christa und Werner Bachert liebe- und vor allem humorvoll verbunden. Foto/Repro: Alexander Becher

Von Simone Schneider-Seebeck

Backnang. Die Musik hat sie zusammengebracht. Werner Bachert spielte in seiner Jugend Trompete und unterstützte hin und wieder eine befreundete Combo. „Ich habe manchmal das letzte Stück gespielt“, verrät der 81-Jährige. Aber manchmal folgte er auch nur von Auftritt zu Auftritt. In verschiedenen Tanzlokalen im Ruhrgebiet spielte die Gruppe auf, so auch in Rotthausen bei Gelsenkirchen. Zwar war der junge Werner Bachert damals nur zum Tanzen und zum Zuhören dabei, dennoch erweckte er das Interesse einer jungen Dame, auch wenn er an diesem schicksalhaften Tag nicht zur Trompete gegriffen hatte.

„Er sah gut aus“, erinnert sich Christa Bachert und lacht. Und auch er war recht angetan von ihr: „Ihr Auftritt war schon...“, sinniert er. „Sie sah schon sehr attraktiv aus. Und“, so fügt er hinzu, „der Eindruck hat bis heute gehalten.“ Das gute Aussehen allein kann es jedoch nicht gewesen sein. Man merkt dem Ehepaar an, dass es sich liebe- und vor allem humorvoll verbunden ist, auch noch nach 60 Jahren. Dabei mussten die beiden manchen Schicksalsschlag hinnehmen. Und doch haben sie das gemeinsame Lachen nicht verlernt.

Dem ersten Treffen folgten weitere. Mit seinem Renault Dauphine beeindruckte der Fan von Rot-Weiß Essen die Schalke-Anhängerin. „Das ist auch ein Akt der Völkerverständigung“, sagt Christa Bachert, beide lachen. Denn die Fußballrivalität stand nie zwischen ihnen.

Beinahe das Beatles-Konzert verpasst

Nach der Verlobung 1962 unternahm das junge Paar zunächst eine Reise in die Lüneburger Heide inklusive eines Ausflugs nach Hamburg. Gemeinsam mit der Pensionswirtin wurde dort der Star Club aufgesucht. „Weil ich so jung aussah, bin ich da zuerst nicht reingekommen“, berichtet Christa Bachert. Glücklicherweise war es ihrem Verlobten und der Wirtin dann doch noch aufgefallen, dass die Reisegesellschaft nicht vollzählig war. Sie konnte „ausgelöst“ werden. Ein Glück! Denn sonst hätte Christa Bachert das Konzert einer damals noch nicht so bekannten aufstrebenden jungen Herrencombo aus Liverpool verpasst. „Die haben halt da gespielt“, erinnert sich Werner Bachert recht unaufgeregt. Diese Reise ist den beiden in guter Erinnerung geblieben; über die damaligen Erlebnisse lachen sie heute noch herzlich.

Backnanger Ehepaar Bachert feiert diamantene Hochzeit

© Alexander Becher

Am 11. Juli 1963 gaben sie sich das Jawort. „Wir mussten heiraten, ohne heiraten zu müssen“, sagen sie verschmitzt. Hier kommt nämlich Backnang ins Spiel: Für den Bereich Nachrichtentechnik, in dem er tätig war, fand sich keine Stelle im Ruhrgebiet. Die entsprechenden Firmen saßen alle im Süden Deutschlands. In Backnang erhielt Bachert eine Anstellung bei Telefunken und bevor es aufging ins Ländle, wurde eben geheiratet. Die erste Wohnung fand das Ehepaar in Sulzbach an der Murr.

Für Christa Bachert war die Anfangszeit nicht einfach. Insbesondere der schwäbische Dialekt bereitete ihr einige Schwierigkeiten. Werner Bachert kannte das schon von seiner Verwandtschaft im Ludwigsburger Raum. Überhaupt hatte man geplant, nur fünf Jahre hierzubleiben und dann ins Ruhrgebiet zurückzukehren. Insbesondere über die beiden Söhne, die sich bald einstellten, fand Christa Bachert dann doch Anschluss an gleichaltrige Mütter. Wobei die ungewohnten Ausdrücke doch immer wieder für Erheiterung sorgten. Warum etwa nehmen die Schwaben einen Teppich mit ins Freibad? Mittlerweile sieht sie solche Anlässe für Heiterkeit der Einheimischen jedoch gelassen.

Vielseitiges Engagement beider

Im Lauf der Jahre war klar, dass es nichts werden würde mit der Rückkehr in die alte Heimat. Man hatte sich einen Bekanntenkreis aufgebaut, war in der Umgebung engagiert und zog schließlich ins eigene Haus. „Wir haben uns hier etabliert“, so Christa Bachert. Sie selbst arbeitete lange Jahre als Verkäuferin im Schuhgeschäft Boss, ist in die Gewerkschaft eingetreten, war in einer Theatergruppe aktiv und gründete nach ihrer eigenen Krebserkrankung eine Selbsthilfegruppe für Frauen nach Krebs.

Werner Bachert, ebenfalls Gewerkschaftsmitglied, war lange im Betriebsrat seiner Firma aktiv, auch als Bildungsarbeiter für Gewerkschaftsfunktionäre, im CJE, beim Judo, als Elternbeirat und bis heute auch im Vorstand des Mietervereins.

Einschneidend war der Tod des jüngeren Sohnes. Christa Bachert zog sich zurück. „Aber es war okay“, sagt sie. Beide verarbeiteten den Schicksalsschlag unterschiedlich, doch respektierte jeder den Weg des anderen. Gemeinsam und doch nicht immer zusammen, das sehen sie als ihr Glücksrezept an. Man müsse sich auch mal aus dem Weg gehen können und etwas für sich machen. Und vor allem sich gegenseitig akzeptieren.

Seit mittlerweile 24 Jahren verbringen die Jubilare den Winter auf Fuerteventura. Früher waren sie mit den Kindern gern in Jugoslawien zelten gewesen, später als Paar hatten sie mehrfach Tunesien bereist. Besonders gut gefällt Christa Bachert an der Kanareninsel, dass sie dort ihren Geburtstag im November am Strand verbringen kann. „Wir fühlen uns wohl hier“, sagt Christa Bachert über ihre Backnanger Heimat. „Das war unser Weg.“

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Erstellt:
11. Juli 2023, 11:30 Uhr

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