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Kinderbetreuung wird zur Herausforderung

Alle Kitas, Schulen und Horte sind ab Dienstag geschlossen – Backnang möchte in Notfällen nach Einzelfallprüfung Hilfe leisten

Jetzt ist es soweit, alle Schulen und Kindergärten werden geschlossen. Für viele Eltern bedeutet dies eine große Herausforderung, was die Betreuung ihrer Kinder angeht. Die Stadt Backnang kündigte gestern an, im Einzelfall zu prüfen, ob sie helfen kann. Voraussetzung: Beide Eltern arbeiten in wichtigen Sparten, etwa bei der Polizei oder im Krankenhaus, und bekommen keine Unterstützung, etwa von Verwandten oder Nachbarn.

Die Backnanger Schüler – hier Schickhardt-Realschüler – haben sich gestern nach der Bekanntgabe der Schulschließung auf den Heimweg gemacht. Am Montag dürfen sie noch einmal die Schulen aufsuchen, dann werden sie mit Lernmaterial und Informationen versorgt.Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Die Backnanger Schüler – hier Schickhardt-Realschüler – haben sich gestern nach der Bekanntgabe der Schulschließung auf den Heimweg gemacht. Am Montag dürfen sie noch einmal die Schulen aufsuchen, dann werden sie mit Lernmaterial und Informationen versorgt.Foto: A. Becher

BACKNANG.Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis wann auch Baden-Württemberg sich in die Phalanx der Länder einreiht, die ihre Schulen geschlossen haben. Gestern kurz nach 14 Uhr war es dann soweit: Ministerpräsident Winfried Kretschmann höchst selbst ordnete an, dass das Land wegen des Coronavirus alle Schulen und Kitas schließt. Allerdings erst ab Dienstag.

In der Murr-Metropole hatte wegen der Entwicklung schon am Vormittag ein Krisenstab getagt, um möglichst gut auf die Stuttgarter Entscheidung vorbereitet zu sein. Nachdem diese am Nachmittag gefallen war, traf sich der Krisenstab ein weiteres Mal und zog die nötigen Konsequenzen. Regine Wüllenweber, die Leiterin des Amtes für Familie, Jugend und Bildung, versprach, am Montag nochmals alle Eltern zu informieren, wie es weitergeht. Viel Konkretes konnte sie gestern noch nicht berichten. Nur so viel: „Alle Familien, bei denen beide Eltern in wichtigen Berufen wie etwa in der Pflege oder in sogenannten Blaulichtorganisationen arbeiten, und die nicht wissen, wie sie die Betreuung der Kinder geregelt bekommen, können sich an die Stadtverwaltung wenden.“ Dann werde im Einzelfall geprüft, ob eine Notbetreuung organisiert werden muss. Wie genau die aussehen könnte, dazu wollte Wüllenweber gestern noch nichts sagen: „Wir können noch keine konkreten Angaben machen. Wir hoffen aber, dass alle Eltern ihre Möglichkeiten erst einmal selber ausloten.“ Wüllenweber ist klar, dass die Schließung der Schulen, Kindergärten, Kitas und Horte ein gravierender Einschnitt bedeutet.

„Da muss der Vater Polizist und die Mutter Krankenschwester sein“

Erster Bürgermeister Siegfried Janocha warb um Verständnis für die vagen Ansagen: „Wir haben vom Ministerium noch keine Regeln erhalten.“ Zudem betonte Wüllenweber, dass die städtischen Reaktionen sehr von Anzahl und Art der Problemfälle abhängt: „Wie alt sind die Kinder? Aus welcher Familie kommen sie? Wenn wir wissen, wie viele Kinder es betrifft, erst dann können wir sinnvolle Lösungen suchen.“ Und Janocha relativierte: „Es werden wenige Kinder sein. Da muss wirklich die Mutter Krankenschwester und der Vater Polizist sein.“

Heinz Harter, der geschäftsführende Schulleiter aller Backnanger Schulen, legt Wert auf die Feststellung, dass man sich seit Tagen schon auf die Möglichkeit eingestellt habe, dass der Tag x kommt. „Insofern sind wir nicht total überrascht.“ Dass die Schulen erst ab Dienstag geschlossen werden, dafür zeigt Harter Verständnis. Landesvater Kretschmann habe erst mit den wichtigsten Wirtschaftsvertretern die Folgen der Freistellungen von Eltern abklären müssen, bevor er die Schulschließungen gestern offiziell anordnete. Für die Schulen hatte dies die Konsequenz, dass die Zeit knapp wurde. Um einen geordneten Gang zu ermöglichen und chaotische Verhältnisse zu verhindern, ist es laut Harter gerechtfertigt, die Schüler am Montag noch einmal kommen zu lassen.

Die Kinder werden dann mit Lernmaterial versorgt. Das gilt vor allem für Schüler, für die direkt nach den Osterferien Prüfungen anstehen. Harter: „Daher ist der Montag wichtig und auch zu verantworten.“ Das Land könne nicht 1,5 Millionen Schüler einfach in die Ferien schicken. Auch er forderte einen Notfallplan für kritische Betreuungsfälle.

„Wir haben heute Vormittag alle Beteiligten mit dem x-ten Infobrief sensibilisiert“, berichtet Harter. Die Eltern waren vor Tagen schon aufgefordert worden, den Schulen E-Mail-Adressen zu nennen, an die Lernmaterial geschickt werden kann. Nun werden die Lehrer den Schülern über diese Kontaktdaten Unterrichtsstoff schicken und den Kontakt halten. Zudem soll Material auf der Homepage eingestellt werden, „aber das funktioniert noch nicht“.

Die Lehrer würden laut Harter versuchen, die Schüler zu motivieren, selbst zu lernen. „Aber es kann sein, dass niemand zu Hause ist und danach guckt, ob der Schüler seine Aufgaben macht. Aber das Angebot wird es geben.“

In der gesamten vergangenen Woche wurde die Frage intensiv erörtert, was geschieht mit den verschiedenen Veranstaltungen, vor allem mit den Fahrten. Am Donnerstag dann kam die Handlungsempfehlung des Landrats, alle Fahrten bis zum 30. April abzusagen. Exemplarisch listet Harter auf, dass die Gymnasien in der Taus und Max-Born sowie die Max-Eyth-Realschule nächsten Samstag für eine Woche zum Partnerschaftsaustausch nach Annonay fahren wollten. Die Busse sind bereits storniert. Und eine Woche vor den Osterferien wollten 100 Max-Eyth-Realschüler für eine Woche eine Studienfahrt nach London unternehmen. Gestrichen. Und drei 7. Klassen wollten ins Schullandheim ins Allgäu fahren. Auch daraus wird nichts.

Während die meisten Lehrer weiter Kontakt zu den Schülern haben, fällt bei den Erzieherinnen und Hortbetreuern diese Aufgabe definitiv weg. Trotzdem werden auch die vorerst nicht in Urlaub geschickt. Wüllenweber: „Es gibt viel Vorbereitungsarbeit und Konzepte zu entwickeln und Dinge, die das Jahr über vernachlässigt werden. Und eventuell müssen doch Notfall-Gruppen eingerichtet werden. Wir versuchen, die Mitarbeiter mit Infos zu versorgen und bitten alle, einen ruhigen Kopf zu bewahren.“

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Erstellt:
13. März 2020, 16:04 Uhr
Aktualisiert:
13. März 2020, 19:16 Uhr

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