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Backnanger Tafel erhält 8000 Euro

BKZ-Leser helfen: Der Spendenaufruf der Backnanger Kreiszeitung zugunsten des Vereins Kinder- und Jugendhilfe Backnang ist auf fruchtbaren Boden gefallen. Die Spenden sollen den Ausfall der Einnahmen wegen der Sowas-Schließung kompensieren.

Mit Mundschutz und dem größtmöglichen Abstand nahm Heinz Franke (links) in der Backnanger Tafel den symbolischen Spendenscheck von Redaktionsleiter Kornelius Fritz entgegen. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Mit Mundschutz und dem größtmöglichen Abstand nahm Heinz Franke (links) in der Backnanger Tafel den symbolischen Spendenscheck von Redaktionsleiter Kornelius Fritz entgegen. Foto: A. Becher

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Die Resonanz auf den Aufruf der Backnanger Kreiszeitung, für die Backnanger Tafel zu spenden, war riesig. Innerhalb weniger Tage sind bei der Spendenaktion „BKZ-Leser helfen“ ungefähr 8000 Euro zusammengekommen, die Redaktionsleiter Kornelius Fritz nun Heinz Franke übergeben konnte. Franke, der als Vorsitzender des Vereins Kinder- und Jugendhilfe Backnang neben der Tafel auch für das Soziale Warenhaus (Sowas) und die vielfältigen pädagogischen und beratenden Hilfsangebote des Vereins im Famfutur verantwortlich ist, zeigte sich sehr erleichtert über den finanziellen Rückenwind. Er begründete bei der Übergabe nochmals die Notwendigkeit der Unterstützung. So sind dem Gesamtverein aufgrund der Coronapandemie und der damit einhergehenden Einschränkungen mehrere Einnahmequellen weggebrochen. Ganz besonders spürbar war die angeordnete Schließung des Sowas. Mit dem im Sowas erzielten Erlös konnten bislang alle defizitären Hilfsangebote querfinanziert werden. Darunter in erster Linie die Backnanger Tafel, die ausgerechnet in diesen Zeiten so wertvoll ist wie selten zuvor. Denn wer früher schon jeden Cent zweimal umdrehen musste, der hat es zuletzt besonders gespürt, wenn er – wegen der zwischenzeitlichen Schließung der Tafel – alle Lebensmittel zu regulären Preisen einkaufen musste.

Seit 14 Tagen ist die Tafel wieder geöffnet und gleich gewaltig frequentiert. Daniela Kramm, die Leiterin des Sowas und der Tafel, zeigt sich nicht wirklich überrascht. „Der Bedarf ist da.“ Weil die Öffnungszeiten wegen der Mitarbeiterflaute sehr eingeschränkt sind, herrscht dann Hochbetrieb, wenn die Tafel geöffnet hat. Kramm: „Wir müssen die gleiche Kundenzahl in der Hälfte der Zeit bedienen.“ So wundert es nicht, dass sich vor dem Famfutur zuweilen Schlangen bilden. Denn die Anzahl der Kunden, die gleichzeitig reindarf, ist begrenzt.

Das Soziale Warenhaus ist seit gestern wieder geöffnet.

Seit gestern gibt es einen weiteren Schritt zur Normalität: Nun ist auch das Soziale Warenhaus wieder geöffnet. Damit sich die Kundenströme nicht begegnen, hat Franke die Öffnungszeiten entzerrt. Vormittags können die Kunden der Tafel einkaufen (9 bis 13 Uhr), nachmittags hat das Sowas geöffnet (13.30 bis 17.30 Uhr). Dass die segensreichen und nachhaltigen Einrichtungen wegen der Coronakrise geschlossen werden mussten, lag laut Franke daran, dass es zu wenig einsatzbereite Mitarbeiter gegeben hat, die den Betrieb aufrechterhalten hätten können. Viele der insgesamt 50 ehrenamtlichen Helfer gehören selbst einer Risikogruppe an, weil sie nicht mehr die Jüngsten sind oder Vorerkrankungen haben, andere – sogenannte 2,50-Euro-Jobber – durften laut Vorgabe des Jobcenters nicht mehr arbeiten, nicht einmal ehrenamtlich. Zumindest in diesem Punkt hat sich einiges getan. So können seit einigen Tagen eben diese Helfer wieder im Sowas und im Tafelbetrieb eingesetzt werden.

Ein extra dickes Lob haben Franke und Kramm für die Lieferanten der Tafel übrig. Kramm: „Es ist erfreulich, dass kein einziger gesagt hat, ,in diesen Zeiten nicht‘. Wir sind glücklich und froh, dass alle unsere Lieferanten bei der Stange geblieben sind.“ Und die Leiterin der Tafel listet auf, was sie alles im Sortiment hat: „Wir bekommen nicht nur einfaches Obst und Gemüse, sondern auch Spargel, Erdbeeren oder Papayas.“ Erleichterung ist auch bei den Lieferanten zu spüren, dank der Tafel brauchen sie die Lebensmittel nicht wegzuwerfen.

Franke ist erleichtert, dass beide Läden wieder geöffnet sind. So war doch die Tafel fünf Wochen, das Sowas – nicht zuletzt wegen eines lange anvisierten Umbaus – gar sieben Wochen lang geschlossen. „Aber die laufenden Kosten haben wir trotzdem“, stöhnt Franke und listet auf: „Personal, Abschreibung...“ Was den Vereinsvorsitzenden jedoch weiter beunruhigt, ist die völlige Unklarheit, „was wir von den Kommunen kompensiert bekommen“. Schließlich betreibt der Verein auch eine mehrgruppige Kita. Und in der Schwangerschaftskonfliktberatung muss der Verein Jahr für Jahr 20000 Euro zuschießen.

Auch wenn Franke sehr glücklich ist über die große Unterstützung der Gesellschaft, so kann er sich einen Seitenhieb doch nicht verkneifen. Viele Bürger haben die viele freie Zeit zuletzt genutzt, um Keller, Garage und Speicher aufzuräumen. An sich nichts Verwerfliches, aber einige wenige glauben, sie könnten das Sowas oder den angegliederten Möbelshop als Deponieersatz nutzen. Nicht immer entsprach die angekarrte Ware der Qualität, dass auch Bedürftige froh darüber sein könnten. Im Gegenteil: Franke berichtet von „Sperrmüll“, der nachts über den Zaun des Möbelshops geworfen wurde. Anstatt eine Wohltat zu erhalten, muss sich der Verein dann um den Abtransport und die Müllgebühren kümmern. Auch die Verantwortlichen beim Sowas können sich derzeit vor Anfragen kaum retten. Etwa 300 Bürger haben sich angekündigt, in den nächsten Tagen „Material“ zu bringen. „Das geht nicht. Allein schon aus organisatorischen Gründen.“ Weder verfügt Franke über so viel Personal, das nötig ist, um die Ware in Augenschein zu nehmen und einzulagern, noch verfügt der Verein über so viel Lagerkapazität. Deshalb appelliert Franke an alle: „Bitte bewahren Sie die Waren noch ein paar Tage oder Wochen auf, bis sich bei uns die Lage entspannt. Und bringen Sie bitte nur Waren, von deren Güte Sie auch überzeugt sind, dass sie anderen Menschen noch Freude bereiten.“

Backnanger Tafel erhält 8000 Euro
Aktuelle Öffnungszeiten

Aufgrund der aktuellen Coronasituation gelten ab sofort folgende Änderungen:

Die Tafel Backnang im Sozialen Warenhaus (Sowas), Eduard-Körner-Straße 1 in Backnang, hat von Montag bis Freitag von 9 bis 13 Uhr geöffnet.

Das Soziale Warenhaus mit Bücherecke hat von Montag bis Freitag von 13.30 bis 17.30 Uhr geöffnet.

Der Möbelshop in der Fabrikstraße 43 in Backnang ist von Montag bis Freitag jeweils von 10 bis 16 Uhr ausschließlich für den Verkauf geöffnet. Warenannahme ist derzeit noch nicht möglich.

Die Spenderliste

Andrea Batzel-Kremer und Sven Kremer; Hannelore und Johannes Fuchs; Ute und Armin Frase; Helga und Klaus Krull; Christine Mischka; Gabriele Görtsches; Helga Brandner; Jutta und Roland Herb; K.H. Benz, Backnang; Theres und Gerhard Dannwolf; Marianne und Jürgen Hinterkopf; Dagmar Liebisch; Christa und Gerhard Wolke; Iris Schiller; Familie de Buhr, Backnang; Ingrid und Oliver Förster, Burgstetten; Elisabeth Baum; Susanne Müller; Rolf Wenning; Martina und Gerald Maier; Birgit Thürmer; Joachim Riedisser; Birgit und Rainer Knödler; Ursula Dempf; Frank Klöpfer; Esther Wurst; Gabriele Lempp; Brigitte Hartmann; Irmgard Binder; Ursula und Andreas Kaiser; Annegret und Reinhold Deimel; Gudrun und Dietmar Frank, Backnang; Angelika Fröhlich; Manfred Foll; HoFi GmbH; Margarete Rupp, Allmersbach im Tal; Gernot Gruber MdL; Helga und Werner Grubbert, Aspach; Inge und Wolfgang Hübner; Hans-Joachim Schon; KFZ-Sachverständige Holler und Kollegen GmbH; Anna-Maria Salatzkat; Bernd Röger; Reinhold Fischer; Ingrid Graupmann; Marga und Erich Noller; Marlies Hail; Ingrid Haller; Gisela und Rüdiger Felber; Anna Rist; Edith Grau; Heiner Kirschmer; Petra und Axel Pfeiffer; Ingrid und Roland Hassler; Eva-Maria Tränkle, Weissach im Tal; Marianne Ellwanger; Ulrike und Jörg Seiferheld; Paloma und Jürgen Siegel; Wolfgang Eichholz, Maubach; Senjin Kazazic; Alfred Kroder; Renate und Peter Hauschild; Helm-Eckart Hink; Renate und Günther Jordan, Backnang; Florian Schäfer; Gertrud Klein, Backnang; Jan-Eric Fladung; Karl-Heinz Graupmann. Allen Spendern gilt ein herzliches Dankeschön.

Üblicherweise läuft die Spendenaktion „BKZ-Leser helfen“ immer während der Vorweihnachtszeit. Aber außergewöhnliche Zeiten bedingen außergewöhnliche Maßnahmen, weshalb es zu der Frühlingsvariante der Spendenaktion gekommen ist. Wie immer versichern wir, dass kein Cent für Verwaltung oder Ähnliches bei der Backnanger Kreiszeitung einbehalten wird, sondern dass jeder Euro den Empfängern zugute kommt. Zudem ist der Verein vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannt. Das heißt: Jede Spende kann von der Steuer abgesetzt werden.

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Erstellt:
12. Mai 2020, 06:00 Uhr

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