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Menschen im Südwesten müssen bald Masken tragen

dpa/lsw Stuttgart. Weil zu wenige sich freiwillig eine Maske überziehen, greift das Land nun hart durch: In wenigen Tagen wird die Gesichtsverhüllung in Bussen, Bahnen und Läden zur Pflicht in Baden-Württemberg. Wer keine Maske hat oder sich kaufen will, kann sich anders behelfen.

Ein junger Mann trägt in einer Stadtbahn eine Atemschutzmaske. Foto: Christoph Schmidt/dpa/Symbolbild

Ein junger Mann trägt in einer Stadtbahn eine Atemschutzmaske. Foto: Christoph Schmidt/dpa/Symbolbild

In Geschäften sowie in Bussen und Bahnen müssen die Menschen in Baden-Württemberg von der kommenden Woche an eine Maske tragen. Das hat das grün-schwarze Kabinett am Dienstag beschlossen. Von Montag (27. April) an gilt die Pflicht, Mund und Nase beim Einkaufen und im öffentlichen Personenverkehr zu bedecken. Es gehe dabei aber nicht um einen medizinischen Mundschutz, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) - der sollte etwa Krankenhäusern und Altenheimen vorbehalten bleiben. Vorgeschrieben werde nur eine einfache Mund-Nasen-Bedeckung. „Die kann man sich auch selber machen“, sagte Kretschmann. „Notfalls tut es auch ein Schal.“

Eine bundesweit einheitliche Linie gibt es bislang nicht: Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten hatten sich vergangene Woche nur darauf verständigt, das Tragen sogenannter Alltagsmasken in Bussen und Bahnen sowie im Einzelhandel dringend zu empfehlen. Sachsen hat bereits eine Maskenpflicht eingeführt, Mecklenburg-Vorpommern und Bayern ziehen in der kommenden Woche nach. Auch Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt wollen alle Bürger verpflichten, beim Einkaufen sowie in Bussen und Bahnen einen Mundschutz zu tragen.

Kretschmann begründete den Schritt damit, dass sich bisher zu wenige Menschen im Land an die dringende Masken-Empfehlung hielten. Weil die Geschäfte wieder öffneten, seien mehr Menschen unterwegs. Da komme es immer wieder zu Situationen, wo der nötige Abstand nicht eingehalten werden könne. Alltagsmasken könnten helfen, die Verbreitung des Virus zu bremsen, sagte Kretschmann. Das sei einhellige Meinung der Fachleute. „Und sei es nur - wer sich das nicht schnell beschaffen kann - ein Schal oder ein Tuch. Das hat ja wohl jeder Mensch.“

Über die Sanktionen von Verstößen gegen die Maskenpflicht will die Landesregierung noch Gespräche führen. Gefragt nach der Regelung für Schulen sagte Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) am Dienstag nach der Kabinettssitzung, dass er eine Maskenpflicht im Unterricht nicht für sinnvoll halte.

Die Maskenpflicht wird nach Einschätzung des Handelsverbandes ohne größere Probleme in den Geschäften umgesetzt werden. „Wir rechnen damit, dass es einen Gewöhnungseffekt geben wird“, sagte Hauptgeschäftsführerin Sabine Hagmann auf Anfrage. Viele Läden seien zudem bereits mit Masken für ihre Mitarbeiter ausgestattet. Kaufe dennoch ein Kunde ohne Mund-Nasen-Schutz im Laden ein, müsse der Händler die Verordnung umsetzen und ihn darauf aufmerksam machen.

Nicht überzeugt ist Hagmann dagegen vom Nutzen einer Maskenpflicht. Zwar würden die Geschäfte die Verordnung umsetzen. „Aber wir sind unsicher, ob die Maskenpflicht etwas bringt oder nicht.“ Am sichersten sei der Abstand untereinander - und der werde vom Handel schon erfolgreich umgesetzt.

Das private Bahnunternehmen Abellio steht nach eigenen Angaben in Gesprächen mit dem Verkehrsministerium zur Umsetzung der Maskenpflicht. Fahrgäste werden vom kommenden Montag an in jedem Fall über Handzettel, Durchsagen und soziale Medien auf die Maskenpflicht hingewiesen.

„Damit das gesellschaftliche Leben weiter zurück zur Normalität findet, führt kein Weg daran vorbei, die gesamte Bevölkerung mit Alltagsmasken zu versorgen“, sagte Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz. „Produktionskapazitäten müssen hierfür erhöht und koordiniert werden.“ Für die Zukunft müsse sich Deutschland aus der Abhängigkeit von ausländischen Produzenten befreien und in der Lage sein, wie andere Länder einen Großteil seiner Medizingüter selbst herzustellen.

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Erstellt:
21. April 2020, 12:16 Uhr

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