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Von Zahnarzt bis Zoo: Südwesten lockert Beschränkungen

dpa Stuttgart. Die Kinder dürfen wieder schaukeln, die Gläubigen wieder Gottesdienste feiern, die Kunstfans wieder Werke bestaunen. Baden-Württemberg sucht den Weg zurück in den Alltag. Gleichzeitig warnt der Landesvater vor einer zweiten Infektionswelle.

Nur wenigen Menschen sind auf einer Stuttgarter Einkaufsmeile zu sehen. Foto: Marijan Murat/dpa/Archivbild

Nur wenigen Menschen sind auf einer Stuttgarter Einkaufsmeile zu sehen. Foto: Marijan Murat/dpa/Archivbild

Baden-Württemberg wagt nach einigen Wochen des sogenannten Lockdowns weitere Schritte zurück in die Normalität. Unter anderem Spielplätze, Museen und Zoos sollen kommende Woche wieder öffnen dürfen, wie das Staatsministerium mitteilte. Das grün-schwarze Kabinett habe die Corona-Verordnung am Samstag entsprechend angepasst. Ab Montag dürfen Gottesdienste demnach wieder stattfinden. Ab Mittwoch können Spielplätze, Museen, Ausstellungen, Gedenkstätten, Zoos und Tierparks wieder öffnen.

Einzelhandelsgeschäfte können ab Montag wieder öffnen, auch wenn ihre Verkaufsfläche größer als 800 Quadratmeter ist. Zahnärzte dürfen wieder alle Leistungen anbieten. Ebenso dürfen Friseursalons und Fußpflegestudios öffnen. Die Ausgangssperre für Heimbewohner wird aufgehoben. Auch Einrichtungen für die außerschulische berufliche Bildung öffnen ab Montag, etwa bei den Industrie- und Handwerkskammern oder für die Pflegeberufe. Demonstrationen sind erlaubt, sofern Hygienevorgaben erfüllt sind.

Alle anderen Einrichtungen wie Sportanlagen, Kosmetikstudios oder Gaststätten blieben weiterhin geschlossen, teilte die Landesregierung mit. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) warnte zugleich vor einer zweiten Infektionswelle. „Wir müssen auch mit diesen Lockerungen verantwortungsvoll umgehen, weil wir sonst wieder steigende Infektionszahlen riskieren.“

Gerade die Erfolge bei der Eindämmung des Coronavirus bergen aus Sicht des Grünen-Politikers die Gefahr einer neuen Infektionswelle. Er rechne mit Ermüdungseffekten, sagte Kretschmann der Deutschen Presse-Agentur. „Das ist ja auch nur menschlich.“ Es liege an der Politik, unermüdlich darauf hinzuweisen, wie wichtig die disziplinierte Einhaltung der Maßnahmen ist. Kretschmann warb für eine „neue Normalität“ im Umgang miteinander. „Eine Normalität, in der Abstand halten und Hygienevorschriften im Mittelpunkt stehen und allen klar ist, dass manches einfach nicht geht“, sagte er. „Große Veranstaltungen mit dicht gedrängten Menschenmassen, feuchtfröhliche Großparties wie der Cannstatter Wasen sind auf absehbare Zeit einfach nicht drin.“

Kretschmann warb in einer Videobotschaft bei den Kindern im Land um Geduld und Verständnis in der Corona-Krise. „Am Anfang war das alles vielleicht noch ganz lustig - einfach zu Hause bleiben, auch mal länger schlafen und öfter als sonst Fernsehen gucken“, sagte der Grünen-Politiker in dem Clip auf Youtube, in dem er sich direkt an die Kinder richtet. „Aber jetzt wird es langsam echt nervig.“ Gerade für Kinder sei es gerade nicht leicht. „Das Coronavirus hat uns ziemlich viel eingebrockt.“ Vielen Kindern sei langweilig, manchmal gebe es schlechte Laune und Streit daheim. Die gute Nachricht sei, dass nun bald die Spielplätze wieder öffneten.

Insgesamt hält Kretschmann aber den Klimawandel für gefährlicher als die Corona-Pandemie. „Wenn wir den nicht gebremst kriegen, wird er die Corona-Krise in den Auswirkungen noch in den Schatten stellen“, sagte der Grünen-Politiker im Gespräch mit der dpa. „Der Klimawandel kann die ganze Welt nachhaltig erschüttern und ihn können wir nicht irgendwann einfach wegimpfen.“ Die Folgen wären Naturkatastrophen, Ernteausfälle, Hunger- und Hitzetote, Flüchtlingsströme und ganze Landstriche, die wegen Dürre oder Überflutung unbewohnbar sind. „Das hat fast eine apokalyptische Anmutung“, sagte Kretschmann. „Wenn das auf uns zukommt, dann gnade uns Gott.“

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Erstellt:
3. Mai 2020, 10:14 Uhr

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