Neue Gaskraftwerke
Baden-Württembergs Grüne hadern mit Kraftwerksstrategie
Die EU und Deutschland haben sich auf den Bau neuer Gaskraftwerke geeinigt. In der Ausgestaltung sieht Baden-Württembergs Energieministerin ein Risiko für die Wasserstoffversorgung.
© Lichtgut/Julian Rettig
Vergangenes Jahr hat die EnBW ihr wasserstofffähiges Gaskraftwerk in Münster in Betrieb genommen.
Von Annika Grah
Baden-Württembergs Grüne hadern mit der vergangenen Woche vorgestellten Kraftwerksstrategie. Energieministerin Thekla Walker (Grüne) warnt vor negativen Konsequenzen für die Versorgung mit Wasserstoff im Land. Dass die Kraftwerke bis mindestens 2040, überwiegend aber bis 2045, mit Erdgas laufen werden, sei eine schlechte Nachricht. „Die Konsequenzen für die Versorgung Baden-Württembergs mit Wasserstoff könnten gravierend sein, wenn die Kraftwerke als wichtige Ankerkunden des Kernnetzes bis 2045 ausfallen“, sagte Walker. „Die endgültige Einigung muss unbedingt sicherstellen, dass ein großer Teil der vorgesehenen Kraftwerksleistung in den Lastzentren im Süden Deutschlands realisiert wird.“
Lang erwartete Kraftwerksstrategie
Vergangene Woche hatten sich Deutschland und die Europäische Union im Grundsatz zu Ausschreibungen für neue Kraftwerke geeinigt. Danach soll noch in diesem Jahr eine Kraftwerksleistung von zwölf Gigawatt neu ausgeschrieben werden. Grundsätzlich begrüßte Walker die Einigung. Leider handelt es sich aber eben nur um eine Grundsatzeinigung. Ein Gesetzentwurf liegt noch nicht vor. Auch inhaltlich sei nichts gewonnen. „Bei 12 Gigawatt standen wir schon vor zwei Jahren.“
Der Europaabgeordnete Michael Bloss sieht in der Kraftwerksstrategie einen herben Rückschlag für Unternehmen in Baden-Württemberg, die auf Wasserstoff umstellen wollen. „Ohne Ankerkunden wie wasserstofffähige Kraftwerke werden Wasserstoffnetze unwirtschaftlich – und damit gerät die Versorgung der baden-württembergischen Industrie insgesamt ins Wanken“, sagt Bloss, der Koordinator der Grünen im Ausschuss für Industrie und Energie ist. Das sei ein fatales Signal für den Industriestandort. Bloss sieht den Ball nun bei CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel.
