Bädle soll im Herbst 2019 saniert werden

Gemeinderat Burgstetten fasst Entschluss einstimmig – Gesamtkosten: 1,8 Millionen Euro – Spendenaufkommen ist gewaltig

Das marode, 80 Jahre alte Freibad in Erbstetten wird saniert. Diesen Grundsatzbeschluss fasste der Gemeinderat am Donnerstagabend unter Beifall der rund 100 Zuhörer in der Gemeindehalle Erbstetten einstimmig. Die Gesamtkosten: 1,8 Millionen Euro. Jeweils 500000 Euro soll es aus Eigenmitteln, über einen Kredit und als Landeszuschuss geben. Der Rest soll über Spenden und Eigenleistung finanziert werden.

Der Zeitplan sieht vor, dass das Freibad Erbstetten sofort nach der Saison 2019 saniert wird und dann wieder zur Saison 2020 öffnet. Foto: F. Muhl

© Florian Muhl

Der Zeitplan sieht vor, dass das Freibad Erbstetten sofort nach der Saison 2019 saniert wird und dann wieder zur Saison 2020 öffnet. Foto: F. Muhl

Von Florian Muhl

BURGSTETTEN. „Ja, da sind wir alle selbst erschrocken“, als Bürgermeisterin Irmtraud Wiedersatz zu Beginn der Gemeinderatssitzung über den Grund der Sanierung sprach. Die Gemeinde hatte ein Gutachten in Auftrag gegeben – das Ergebnis traf Ende Juli vergangenen Jahres alle Verantwortlichen wie ein wuchtiger Tiefschlag. Die Hiobsbotschaft: Die Zustände beider Becken und der Wasseraufbereitung im Freibad Erbstetten sind katastrophal. So marode, dass es jederzeit zum Komplettausfall der Anlage kommen könne.

Auch jetzt in der Sitzung erläuterte Diplom-Ingenieur Jochen Rausenberger vom Büro Richter+Rausenberger Partnerschaftsgesellschaft mbB im Bäderbau aus Gerlingen den Räten und Zuhörern das Gutachten und informierte zudem über den aktuellen Stand der Dinge. Und der hat sich noch verschlimmert. Beispiel Filteranlage: Da hänge alles nur noch an einem seidenen Faden, hatte Rausenberger vor einem Jahr gesagt. Und jetzt? „Jetzt ist auch dieser Faden gerissen und es funktioniert noch irgendwie.“

„Das Ganze entspricht bei Weitem nicht den heutigen Normen“

Der Ingenieur ließ kein gutes Haar an dem betagten Becken, das dem Ort einst als Löschwasserteich diente: „Das Ganze entspricht bei Weitem nicht den heutigen Normen“, sagte Rausenberger, und: „Im Grunde ist das Becken abgewirtschaftet.“ Dessen Fundament (Gründung) sei nicht setzungsfrei. Um diesen Mangel zu beseitigen, müsse eine neue Beckenwand- und Bodenkonstruktion aus Beton auf etwa sechs Meter langen Mikrobohrpfählen in das vorhandene Becken eingebaut werden. Auf diesen Pfählen werde dann ein neuer Beckenboden betoniert und darauf würden die neuen Beckenwände errichtet werden. Rausenberger schlägt folgende zwei Varianten vor: Beckenkopf und Verkleidung aus Edelstahl und Beckenkopf aus Edelstahl und Auskleidung des Beckens aus Folie.

Während die Haltbarkeit der kompletten Edelstahlausführung 50 Jahre betragen soll, rechnet der Ingenieur bei der zweiten Variante mit nur 25 Jahren. Berücksichtigt man diese unterschiedlichen Haltbarkeitszeiten in der Wirtschaftlichkeitsberechnung, würden sich die Kosten beider Varianten kaum noch unterscheiden. Beim Betriebsgebäude sieht das Sanierungskonzept vor, die fehlenden Technikräume abgelöst vom Gebäudezustand zu errichten, sodass kein Zeitzwang für Umbau/Sanierung des Gebäudes ausgelöst wird. Die neue Schwimmbadtechnik hat das Ingenieurbüro auf maximal 955 Badegäste pro Tag ausgelegt. Bei der Anlage besteht dann sogar eine Fernwartungsmöglichkeit.

Anstelle des Planschbeckens, das derzeit weder eine DIN-gerechte Durchströmung aufweist und zudem die gesetzliche Höchstwassertiefe von 55 Zentimetern um 20 Zentimeter überschreitet, soll es eine Wasserspiellandschaft mit verschiedensten Spielbereichen geben.

Wiedersatz machte keinen Hehl daraus, dass sie alle Hebel in Bewegung setzen werde, dass die geplante Sanierung auch umgesetzt wird. „Ich bin ein ganz großer Verfechter davon, dass wir das Bad erhalten.“ Am Vorabend habe sie durch Zufall eine Dokumentation im Fernsehen gesehen, bei der es genau um dieses Thema ging. 175 Schwimmbäder würden geschlossen werden, davon 72 Freibäder, wie sie sagte. „Wir werden wohl ein Land der Nichtschwimmer.“ Das Bädle in Erbstetten sei aber viel mehr als nur ein Badebetrieb. Es sei ein wichtiger Treffpunkt für die Bürger, für die aus Burgstetten sowie aus den umliegenden Kommunen.

Allerdings könne die Gemeinde die Sanierung überhaupt nur dann stemmen, wenn es eine Förderung aus dem Programm „Entwicklung Ländlicher Raum“ (ELR) geben würde. Die Gemeinde will im Herbst beim Land einen entsprechenden Antrag stellen. „Mit der Entscheidung können wir im kommenden Frühjahr rechnen“, sagte Wiedersatz. Der Regelfördersatz für gemeinwohlorientierte öffentliche Projekte liege bei 40 Prozent der Kosten mit einer Höchstförderung von 750000 Euro. Aus früheren Jahren und vergleichbaren Projekten in Baden-Württemberg sei eine Förderung in Höhe von bis zu 500000 Euro möglich.

Zusätzlich solle ein Antrag auf Ausgleichstockmittel gestellt werden. Da es sich beim Freibad um eine freiwillige Aufgabe und nicht um eine Pflichtaufgabe der Gemeinde handelt, wie Schule, Kindergarten oder Feuerwehr, hält die Bürgermeisterin eine Zuschlagsgewährung für nicht sicher. Rund eine Million wird an der Gemeinde hängen bleiben – jeweils die Hälfte aus dem Sparstrumpf und über einen Kredit.

Überwältigt ist Wiedersatz von der Spendenbereitschaft der Bürger

Bei der restlichen Finanzierung setzt Wiedersatz auf die Bürger und Gewerbetreibenden. Denn durch Eigenleistungen könne man einen beträchtlichen Betrag einsparen. Und überwältigt sei sie von der Spendenbereitschaft und dem Engagement vor allem der Mitglieder und Vorstände des Fördervereins Freibad (FFV) Erbstetten. So hat beispielsweise Karl-Heinz Wiesheu anlässlich seines 75. Geburtstages um Spenden zur Freibadsanierung gebeten. Der eingegangene Spendenbetrag wurde von den Eheleuten Wiesheu verdoppelt. Somit konnte ein Scheck in Höhe von 10000 Euro übergeben werden. Des Weiteren führte die Ortsbücherei Burgstetten die Aktion „Lesen fürs Bädle!“ durch. 32 Kinder lasen von den Osterferien bis zu den Pfingstferien rund 100 Bücher. Insgesamt wurden 700 Euro erlesen und auch dieser Betrag kommt der Freibadsanierung zugute. Der evangelische Kindergarten Burgstall veranstaltete am Feuerwehrfest eine Tombola. Auch dieser Erlös in Höhe von 300 Euro ging an den FFV. Elke Lang-Müller führt eine Benefizausstellung „Malerei und Grafiken“ fürs Bädle durch. Sie spendete 1000 Euro.

Zum Schluss des Tagesordnungspunktes ging es darum, ob Variante eins oder zwei verwirklicht werden soll. Ein Aspekt war die Farbe des Wassers. Nur bei der zweiten Folienvariante habe man später das richtig schöne übliche Freibad-Blau. Das Wasser in der reinen Edelstahlausführung erscheine bei wolkenverhangenem Himmel in Grau, nur bei Sonne würde das Wasser laut Wiedersatz leicht bläulich erscheinen. Trotzdem: Das Argument der Langlebigkeit überzeugte das Gremium. Bei nur einer Gegenstimme votierte der Gemeinderat für die reine Edelstahlvariante.

Der Zeitplan sieht vor, dass mit der Sanierung sofort nach dem Ende der Saison 2019 begonnen wird. Nach einer Bauphase von rund acht Monaten könne man dann mit dem neuen Bad in die Saison 2020 starten, so die Bürgermeisterin.

Am heutigen Samstag findet im Freibad Erbstetten die alljährliche Pool-Party statt. Los geht’s um 16 Uhr. Es gibt Public Viewing, das Viertelfinale der Fußball-WM wird gezeigt und es gibt „Stadion-Rote“.

Um 20 Uhr startet die Party mit DJ (freier Eintritt). Der Badespaß endet um 0.30 Uhr.

Karl-Heinz Wiesheu spendet 10000 Euro an den Förderverein Freibad (FFV – von links): Marga Wiesheu, Helga Schoger (FFV), Silke Schmidt (FFV) und Bürgermeisterin Irmtraud Wiedersatz. Foto: privat

© Matteo Wiesheu

Karl-Heinz Wiesheu spendet 10000 Euro an den Förderverein Freibad (FFV – von links): Marga Wiesheu, Helga Schoger (FFV), Silke Schmidt (FFV) und Bürgermeisterin Irmtraud Wiedersatz. Foto: privat

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Erstellt:
7. Juli 2018, 06:00 Uhr

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