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Bangen bei Schweizer Group geht weiter

Ursachen für erneuten Insolvenzantrag des Unternehmens, das auch ein Werk in Murrhardt betreibt, bisher noch nicht greifbar

Nicht nur für Außenstehende, auch für Gewerkschaftsvertreter kam die Nachricht, dass die Schweizer Group erneut Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellt, überraschend. Die Schweizer Group Global GmbH war im Herbst vergangenen Jahres aus einem Insolvenzverfahren hervorgegangen, nachdem der US-amerikanische Investor Marabek das Unternehmen übernommen hatte.

Das Bangen der Mitarbeiter der Schweizer Group Global GmbH geht auch am Standort Murrhardt weiter. Anstelle ihrer Löhne und Gehälter sollen die Mitarbeiter nun bis einschließlich März Insolvenzgeld der Agentur für Arbeit erhalten. Foto: C. Schick

Das Bangen der Mitarbeiter der Schweizer Group Global GmbH geht auch am Standort Murrhardt weiter. Anstelle ihrer Löhne und Gehälter sollen die Mitarbeiter nun bis einschließlich März Insolvenzgeld der Agentur für Arbeit erhalten. Foto: C. Schick

Von Christine Schick

MURRHARDT. Die Hoffnung, dass der Hersteller von Druckgusskomponenten für die Automobilindustrie mit Standorten in Hattenhofen, Murrhardt, Plauen und Roding wieder in ruhigeres Fahrwasser kommt, hat sich somit zerschlagen, und es stellt sich die Frage nach den Ursachen beziehungsweise Hintergründen. Das zuständige Amtsgericht Göppingen hat vor rund einer Woche den Stuttgarter Rechtsanwalt Marcus Winkler zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Schweizer Group Global GmbH bestellt, der nun damit begonnen hat, Gespräche mit den Beteiligten aufzunehmen. An erster Stelle stehe nun, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren, erläutert Thomas Feldmann, Pressesprecher des Rechtsanwalts. Allerdings müsse man sich erst ein genaueres Bild von der Lage machen. Ziel sei es, Möglichkeiten für die Sanierung des Unternehmens zu erarbeiten. Dazu seien nun drei Monate Zeit, bis das Amtsgericht über die Eröffnung eines Verfahrens entscheide.

Sandra Kocken, Gewerkschaftssekretärin bei der IG Metall Waiblingen, die Betriebsbetreuerin im Kreis und für die Vertrauensleute Waiblingen zuständig ist, macht keinen Hehl daraus, dass der erneute Antrag auf Insolvenzeröffnung für sie überraschend kommt. Dass die Schweizer Group Global GmbH, unter der das Unternehmen neu formiert wurde, nach vier Monaten wieder diesen Schritt gehen muss, findet sie „sehr ungewöhnlich und ist eine ziemliche Katastrophe“. „Oberste Priorität hat für uns, dass die Arbeitsplätze erhalten werden.“

Bei der Frage nach möglichen Ursachen und Hintergründen ist Sandra Kocken vorsichtig. Die Nachricht sei ziemlich frisch und man wisse noch nicht, welche Gläubiger im Hintergrund stünden. Für die betroffenen Mitarbeiter an den vier Standorten, die der US-Investor in einem Betrieb mit zentralem Sitz in Hattenhofen gebündelt habe, müsse ein erneutes Insolvenzverfahren nicht das Aus bedeuten, „aber die Unsicherheit geht weiter“. Die Gewerkschaftssekretärin macht klar: „Wir wollen, dass es mit dem Unternehmen weitergeht.“ Denn bei Schweizer Group Global GmbH sind viele Beschäftigte in der Produktion tätig, sprich an- oder ungelernte Arbeitskräfte. Verlieren sie ihren Arbeitsplatz, wird es für sie schwerer sein als für qualifizierte Kräfte, etwas Neues zu finden.

„Wir waren schockiert, niemand hat damit gerechnet, dass die Schweizer Group Global nach vier Monaten in die nächste Insolvenz hineinsteuert“, sagt Martin Purschke, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Göppingen/Geislingen. Im Landkreis Göppingen sitzt das größte Werk des seit Oktober neu formierten Unternehmens – in Hattenhofen sind aktuell 212 Mitarbeiter beschäftigt. Murrhardt ist von der Anzahl her mit 125 Arbeitskräften der kleinste Standort, Plauen (150) und Roding (140) liegen dazwischen. Die Stimmung sei von Enttäuschung und Unsicherheit geprägt, sagt Martin Purschke. „Der vorläufige Insolvenzverwalter schaut sich jetzt den Betrieb an, zu den Gründen kann man noch nichts sagen, das wären nur Mutmaßungen.“ Auch wenn das Schlagwort Auftragseinbrüche aufgetaucht sei, wolle er da erst mal zurückhaltend sein. Es sei abzuwarten, ob dies mit entsprechenden Nachweisen bestätigt werden könne. Solch eine Analyse sei wichtig, um zu wissen, wo genau die Problematik liege. „Unsere Aufgabe ist es, einen Weg zu finden, die Arbeitsplätze zu retten.“ Eins macht er dabei unmissverständlich klar: Wieder auf Personalabbau zu setzen, ist für ihn nach den erneuten Problemen keine adäquate Lösung mehr. Denn genau dies sei in der ersten Insolvenz gefordert und umgesetzt worden – eine Anpassung auf den Auftragseingang. „Aus Sicht des Unternehmens hat diese Bereinigung bereits stattgefunden“, sagt Martin Purschke. Das Werk in Hattenhofen hat es in den vergangenen Jahren hart getroffen – mit der Insolvenz 2019 hätten dort rund 70 Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze verloren, im Jahr davor habe man mit einer Umstellung aber bereits den Abbau von 100 Arbeitsplätzen begründet. Somit ist für Purschke dieser Ansatz kein tragfähiger mehr beziehungsweise könnte nicht ein drittes Mal verfolgt werden, man müsse an anderer Stelle nach zukunftsfähigen Lösungen suchen. Je nach Standort könne sich die Lage zudem noch unterschiedlich darstellen.

Auch wenn die Situation nun nicht ganz einfach ist – vor dem Hintergrund der Zahlungsunfähigkeit, einen neuen Investor zu finden –, hält er dieses Unterfangen nicht für chancenlos. Möglicherweise braucht man hier Geduld. Das letzte Mal hat es rund ein Dreivierteljahr gedauert, einen Interessenten zu finden.

„Für den Wirtschaftsstandort Murrhardt ist das keine positive Nachricht“, sagt Murrhardts Bürgermeister Armin Mößner zum erneuten Insolvenzantrag. Er sieht die Entwicklung im Kontext der Dieselkrise und der Automobilhersteller, die vor dem Hintergrund der Forderungen rund um den Klimaschutz vorsichtiger agierten. „Da wird es für die Zulieferer natürlich schwieriger“, meint er. Dabei spiele die Unsicherheit eine Rolle, wie es mit dem Verbrennungsmotor weitergehe. Angesichts der 125 Beschäftigten sagt Mößner: „Wir hoffen auf eine gute Lösung und dass es für den Betrieb weitergeht.“

Info
Hauptkunde: Kfz-Branche

Die Schweizer Group Global GmbH ist Hersteller von Druckgusskomponenten aus Aluminium. Diese werden vor allem in Motoren und im Antriebsstrang von Fahrzeugen eingesetzt. Hauptkunden sind Automobilhersteller aus Deutschland. Nach der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens im vergangenen Jahr war das Unternehmen – damals noch Schweizer Group GmbH&Co. KG – vor vier Monaten an den US-amerikanischen Investor Marabek verkauft worden. Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis ins Jahr 1867 zurück, als Louis Schweizer in Backnang seine erste Fabrik gründete.

Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters sind zurzeit 627 Mitarbeiter an den vier Standorten Hattenhofen, Murrhardt, Plauen und Roding beschäftigt. Der Geschäftsbetrieb der Schweizer Group Global GmbH wird aufrechterhalten und läuft ohne Einschränkungen weiter.

Die ausländischen Gesellschaften in Tschechien und China (mit je 80 Arbeitnehmern) sowie die Beteiligung in der Türkei sind nicht vom Insolvenzantrag betroffen.

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Erstellt:
11. Februar 2020, 06:00 Uhr

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