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Bantel bleibt zu: Klage eingereicht

Geschäftsführerinnen kämpfen um Ladenöffnung – Schorndorfer Traditionskaufhaus fällt unter 800-Quadratmeter-Regelung

Nicht einmal eine vorläufige Verkleinerung auf unter 800 Quadratmeter ist dem Kaufhaus Bantel in Schorndorf erlaubt. Foto: G. Habermann

© Gabriel Habermann

Nicht einmal eine vorläufige Verkleinerung auf unter 800 Quadratmeter ist dem Kaufhaus Bantel in Schorndorf erlaubt. Foto: G. Habermann

Von Michaela Kölbl

SCHORNDORF. Bis zuletzt hatten die Geschäftsführerinnen noch gehofft, auf einer verkleinerten Ladenfläche ihre Kunden wieder versorgen zu können. Im sogenannten Wäschehaus wollten Claudia Maurer-Bantel und Christina Bantel-Wild eine kleinere Bantel-Version ins Leben rufen und den übrigen Teil des Hauses abtrennen. Seit das Land aber am Samstag die sogenannte Durchführungsverordnung zur Eindämmung des Coronavirus veröffentlicht hat, gilt: Nicht nur bleiben Geschäfte mit mehr als 800 Quadratmetern Verkaufsfläche geschlossen, vorläufige Verkleinerungen auf unter 800 Quadratmeter bleiben untersagt.

Doch Maurer-Bantel und Bantel-Wild kämpfen weiter für individuellere Regelungen. Die aktuelle Verordnung sei zu pauschal. „So macht man den Mittelstand kaputt“, konstatiert Claudia Maurer-Bantel. In Schorndorf durften ab Montag beinahe alle Geschäfte wieder öffnen. Nur das Kaufhaus Bantel und der Filialist H&M bleiben geschlossen.

Maurer-Bantel ist der Meinung, dass beide Unternehmen sich grundlegend unterscheiden. Die Filiale des schwedischen Modeunternehmens habe einen ganzen Konzern im Rücken. Laufe eine Filiale nach der Krise womöglich nicht mehr richtig an, werde sie geschlossen, die Ware könne auch andernorts verkauft werden. Anders sieht es beim Kaufhaus Bantel aus, das seit 1935 seine Kunden mit einem breiten Sortiment versorgt und damit auch ein wichtiger Motor für die Kundenströme in der Innenstadt ist. Es ist seinen Zwischenhändlern und Lieferanten verpflichtet und kann – im Gegensatz zu den Branchenriesen – nicht auf einen bereits funktionierenden, breit aufgestellten Online-Shop bauen.

„Wir haben Waren im siebenstelligen Wert in unserem Haus. Wir müssen einfach verkaufen, darauf sind wir ausgelegt“, macht Maurer-Bantel klar. Die textile Ware für den Frühling und Sommer liegt bereit. Viele Bestellungen für Herbst und Winter sind längst getätigt. In dieser Woche wird weitere Sommerkleidung geliefert. Wenigstens sind die sogenannten Hartwaren – Porzellan, Haushaltswaren und Co. – weniger der Saison unterworfen. Trotzdem: „Wir haben mit unserem üblichen Umsatz geplant“, erklärt die Geschäftsführerin. „Mit einer Coronakrise und Ladenschließungen konnte keiner rechnen.“ Bisher habe das Haus Bantel immer solide kalkuliert. „Wir sind als gesundes Unternehmen in die Krise gestartet.“ Dies ganz im Gegensatz zu großen Konzernen, die schon in der Vergangenheit Staatshilfen erhalten hätten, merkt Maurer-Bantel an. Dagegen habe der Schorndorfer Mittelständler noch nie solche Zahlungen benötigt. Vielmehr habe Bantel über Jahrzehnte hinweg gut gewirtschaftet und reichlich Steuern gezahlt, die auch der Kommune zugutegekommen seien. Dies mit einem guten Gefühl. „Hier kommen wir her, mit Schorndorf fühlen wir uns sehr verbunden.“

Allzu viele Kollegen in der gleichen Größenordnung gebe es deutschlandweit nicht gerade. Mit 5000 Quadratmetern Verkaufsfläche misst sich das Familienunternehmen mit den großen Filialisten. Die wiederum seien größtenteils in Fußgängerzonen wie auf der Stuttgarter Königsstraße zu finden. Dass solche Ladenzeilen, die enorm viele Kunden anziehen, nicht geöffnet werden sollen, kann Maurer-Bantel gut verstehen. In Schorndorf allerdings gehe es nach ihrem Dafürhalten um viel kleinere Kundenströme. Dazu hält sie die Regelung auch aus anderen Gründen für ungerecht: Würden tatsächlich nur zwei von rund 100 Handeltreibenden in Schorndorf ausgebremst, habe das eine gehörige Wettbewerbsverzerrung zur Folge. Und das, obwohl sich die Unternehmerin sicher ist, dass sie im Kaufhaus alle Kriterien, die für den Gesundheitsschutz relevant sind, einhalten könnten. Schutzglasscheiben, Desinfektionsmittel, Handschuhe – alles stehe bereit. Auch die Kundenfrequenz könne man sinnvoll steuern.

„Wir müssen sehen, was danach noch an Kundenströmen bleibt“

Gelinge es nun nicht, in kleinstädtischen Strukturen eine Ausnahmeregelung für familiengeführte Häuser in Bantel-Größenordnung zu schaffen, müsse das Kaufhaus mindestens bis Anfang Mai, im schlimmsten Fall bis Mitte Juni geschlossen bleiben. „Wir müssen sehen, was danach noch an Kundenströmen bleibt“, sorgt sich die Geschäftsfrau.

Natürlich gebe es viele treue Kunden, aber einige von ihnen seien durch die Coronakrise selbst in finanzielle Bedrängnis geraten. Viele Menschen sind aktuell von Kurzarbeit betroffen, mancher hat gar seine Arbeit vorläufig verloren. „Die Kaufkraft wird hinterher eine andere sein“, vermutet die Schorndorferin.

Fakt sei, dass Immobilie und Unternehmen auch die Altersvorsorge für drei Familien darstellten. „Wir können nicht ohne Ende reinbuttern, wir müssen ja auch irgendwie den Rest unseres Lebens bestreiten.“ Die Geschäftsführerinnen sind deshalb in Gesprächen mit Landtagsabgeordneten, OB Matthias Klopfer und anderen Vertretern der Stadt. Mit deren Hilfe hoffen sie, auf Landesebene ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Einzelhändler mit mehr als 800 Quadratmetern Verkaufsfläche nicht mit den riesigen Filialketten in den Stuttgarter Einkaufsmeilen über einen Kamm geschoren werden können. Zudem haben die Unternehmerinnen beim Verwaltungsgerichtshof in Mannheim Klage eingereicht und Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung gestellt, um auf 800 Quadratmetern früher öffnen zu dürfen. Vorerst aber bleibt es dabei: Zuvor bestellte Waren können an der Kasse in der Kinderabteilung abgeholt und bezahlt werden. Als besonderen Service bietet das Haus „Private Shopping“ an. Einzelpersonen können nach Voranmeldung zusammen mit einer Kundenberaterin einkaufen.

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Erstellt:
22. April 2020, 16:00 Uhr

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