Barbara Yelin übernimmt erste Comic-Professur
Die 49-Jährige wird die neue Leibinger-Professur für Comics und Comicforschung an der Merz-Akademie übernehmen.
© Martin Friedrich
Neu berufen: Barbara Yelin, Comic-Künstlerin und erste Inhaberin der Leibinger-Professur für Comics und Comicforschung an der Merz-Akademie.
Von Jan Sellner
Stuttgart - Wer wird auf die von der Berthold-Leibinger-Stiftung finanzierte erste Comic-Professur im deutschsprachigen Raum berufen? Diese Frage stand seit der Ausschreibung der Professur durch die Stuttgarter Merz-Akademie im Juli 2025 im Raum. Bei der Verleihung des Comicbuchpreises 2026 im Hospitalhof an Shevek K. Selbert wurde der Name bekanntgebeben: Die Wahl fiel auf die vielfach ausgezeichnete Comic-Künstlerin Barbara Yelin.
Das teilte Markus Wener, Geschäftsführer der Stiftung, mit: „Ich freue mich außerordentlich über die Berufung von Barbara Yelin“, sagte Wener. „Mit der Professur wollen wir das Medium Comic als eigenständige Kunstform stärken und den wissenschaftlichen Nachwuchs auf diesem Gebiet fördern.“ Dass dies an der Merz-Akademie geschehe, bedeute zugleich eine Stärkung der Stuttgarter Comicszene.
Yelin, bekannt durch Comics wie „ Die Farbe der Erinnerung“ und „Die Giehse“, zähle zu den international renommiertesten Comic-Künstlerinnen ihrer Generation. In ihren Arbeiten verbinde sie „künstlerische Erzählweise mit historischer Recherche und gesellschaftlicher Reflexion“, erklärte die Stiftung in einer Mitteilung. Daneben verfüge sie über hochschulpädagogische Erfahrung und engagiere sie sich seit vielen Jahren auch international in der Vermittlung und für die Vernetzung der Comics-Community.
Die 49-Jährige gebürtige Münchnerin wird die Professur an der Stuttgarter Hochschule für Gestaltung, Kunst und Medien im Juli 2026 antreten. Sie hatte sich in dem Berufungsverfahren gegen etliche Bewerbungen durchgesetzt. Die Rektorin der Merz-Akademie, Barbara M. Eggert, nannte Yelin eine „Ausnahmekünsterlin“, die erheblich zur Sichtbarkeit der Kunstform Comic beitrage. Man wollte ein Studienangebot aufbauen, „in dem künstlerische Praxis und Comicforschung eng miteinander verschränkt sind und das neue Perspektiven für die Rolle von Comics in Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft eröffnet“. Eggert betonte, mit der Professur seien die Einrichtung einer „International Summer School Comics“ und der Aufbau eines berufsbegleitenden Masterstudiengangs Comics und Comicforschung verbunden. Die Initiative zur Einrichtung der Professur war von Eggert ausgegangen.
Die Berthold-Leibinger-Stiftung fördert deutschsprachige Comics seit 2014, sie verleiht den mit insgesamt 47 500 Euro dotierten Comicbuchpreis. Die im Hospitalhof per Video zugeschaltete neue Comicprofessorin ist sehr erfreut über die Berufung. „Die wichtigsten Menschen des neuen Studiengangs sind die zukünftigen Studierenden“, sagte sie. Sie freue sich darauf, sie zu unterstützen, aus ihrer Neugier, ihren Perspektiven und Ideen einen Beruf zu machen. Dieser Beruf bietet aus Sicht Yelins Perspektiven: „Wer zeichnet, schaut hin, schaut anders und sieht mehr. Wer schreibt, dehnt die Räume des Verständnisses aus. Der Comic bringt beides zusammen.“
